Schulbesichtigung – Runde 1

Die erste der drei unserer Meinung nach in Frage kommenden Schulen haben wir uns heute angesehen. Es ist die am nächsten gelegene Schule, die aber dummerweise in einem anderen Bundesland liegt. (Schrieb ich schon, dass ich Förderalismus im Bildungswesen für mittelalterlich und überholt halte?)

Der erste Eindruck war durchaus positiv, der Schulleiter (mit dem wir uns eine Stunde lang unterhalten haben), machte einen kompetenten Eindruck. Wir sind etwas voreingenommen, denn eine Freundin von Saskia besucht diese Schule seit zwei Jahren und ihre Eltern erzählen immer wieder, wie begeistert sie sind. Die Schule ist eine “Schule für geistige Entwicklung”, laut Schulleiter sind die Schüler sehr unterschiedlich stark behindert. Es gibt recht fitte Kinder, die im günstigsten Fall später den Übergang zu einer Regelschule schaffen, es gibt aber auch schwerst mehrfachbehinderte Kinder, die im wesentlichen betreut und gepflegt werden und ihre Therapien erhalten, aber keinen “normalen” Unterricht haben.

In den Klassen der leichter betroffenen Kinder sind ca. 8 Kinder mit einem Lehrer und einem Erzieher. Wenn es erforderlich ist, kann über das Sozialamt (Eingliederungshilfe) ein Schulbegleiter beantragt werden. Die Schule arbeitet mit entsprechenden Institutionen zusammen und würde die Schulbegleitung organisieren, wenn die Kostenübernahme geklärt ist.  Es gibt Therapeuten an der Schule, die sich allerdings nur um die schwerstbehinderten Schüler kümmern dürfen, es gibt aber auch externe Therapeuten, die in den Räumen der Schule während der Schulzeit Logopädie und Physiotherapie anbieten. Hier wird dann über ganz normale Rezepte abgerechnet, also genau so, wie es derzeit auch im Kindergarten läuft. Von Ergotherapie war nicht die Rede und ich habe nicht nachgefragt – im Zweifel würden wir das aber am Nachmittag privat machen.

Die ketogene Diät wäre kein Problem, wir müssten dann das Essen mitgeben. Ansonsten gibt es Mittagessen von einer Großküche. Wenn Medikamente gegeben werden müssen, egal ob regelmäßig oder im Notfall, ist es kein Problem, sofern eine Bescheinigung von uns und vom behandelnden Arzt vorliegt.

Die Kinder werden zwischen 7:30 Uhr und 9:00 Uhr gebracht und ab ca. 13 Uhr abgeholt, es gibt auch eine Spätbetreuung bis 16 Uhr. Allerdings gehe ich davon aus, dass Saskia einen Schulbegleiter braucht und nach unserer bisherigen Erfahrung mit dem Kreissozialamt gehe ich nicht davon aus, dass sie den für 8 Stunden pro Tag bekommt. 5 Stunden scheinen da realistischer. Das wird also eventuell ein Problem.

Ein Teil der Kinder wird mit Bussen zur Schule und nach Hause gebracht, allerdings steht uns da dann wieder die Landesgrenze im Weg. Die Schule würde Saskia wohl aufnehmen (vorausgesetzt unser Schulamt stimmt zu, dass Saskia im Nachbar-Bundesland Gastschülerin wird), wir müssten sie aber selbst bringen und holen. Das schränkt uns natürlich zusätzlich ein und da noch nicht feststeht, welche Arbeitszeiten und -wege der beste Ehemann von allen künftig haben wird, tue ich mich damit gerade etwas schwer. Denn wenn ich Saskia täglich bringen und holen müsste, würde es ziemlich stressig, da die Schule leider nicht so richtig an meinem Arbeitsweg liegt.

Wir werden das jetzt alles erstmal sacken lassen, uns die anderen Schulen ansehen und dann eine Entscheidung treffen, mit der wir hoffentlich alle gut leben können.

K, G oder doch I? – Die richtige Schule für Saskia

Kurz nach Saskias Geburtstag hatten wir Post der örtlichen Grundschule im Briefkasten. Wir lasen, dass Saskia nächstes Jahr schulpflichtig wird – das war uns bereits bekannt ;) – und dass wir sie Ende Oktober in der Schule anmelden müssen – auch wenn sie letztlich eine andere Schule besuchen wird. Es wird also ernst mit der Schulwahl.

Im Juni hatten wir bereits ein Gespräch mit dem Leiter der örtlichen Förderschule. Das ist eine Schule mit “Förderschwerpunkt Lernen” – die einzige Förderschule, die hier im Ort und nur ca. 200 m vom Kindergarten entfernt ist. Saskia war beim Gespräch nicht dabei, insofern waren es nur grundsätzliche Überlegungen.

Der Schulleiter erzählte uns, dass wir bei der Anmeldung in der Grundschule gleichzeitig den Antrag auf “Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs” stellen sollen. Im Rahmen dieses Verfahrens wird ein Gutachten erstellt, für das der Leiter der Förderschule zuständig ist, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der Förderschule für geistige Entwicklung und mit dem Kindergarten.

Je nachdem, wie dieses Gutachten ausfällt, wird dann die “passende” Schule empfohlen. Wenn mehrere Schwerpunkte in Frage kommen, haben wir die Wahl. Nach unserem Gespräch hält der Schulleiter sowohl die Förderschule für körperlich-motorische als auch die für geistige Entwicklung für möglich und meinte, es käme natürlich auch integrative Beschulung in der zuständigen Grundschule in Frage.

Die Grundschule hätte den Vorteil, dass Saskia (und uns) viel Fahrerei erspart bliebe, sie hier im Ort zur Schule gehen und sich vielleicht durch den Kontakt zu gesunden Kindern einiges abgucken könnte. Allerdings habe ich derzeit Bedenken, dass Saskia dort gnadenlos unterginge und der Schulstoff deutlich zu abstrakt für sie wäre. Außerdem bekäme sie dann zwar einen Integrationshelfer, der während der Schulzeit an ihrer Seite wäre, da die Schule jedoch keine Ganztagsschule ist und die Hortbetreuung für das Sozialamt als Freizeit zählt, hätten wir mit der Nachmittagsbetreuung ein echtes Problem.

Als Förderschule wäre die Schule für geistige Entwicklung (24 km entfernt von uns) für uns zuständig. Dies ist (soweit ich weiß) eine offene Ganztagsschule mit Nachmittagsprogramm an bestimmten Tagen. Eine weitere Schule für geistige Entwicklung befindet sich in 8km Entfernung, allerdings hinter der Landesgrenze. Auch hier gibt es ein Ganztagsprogramm, ich weiß aber nicht, in welchem Umfang. Eine Schule für körperlich-motorische Entwicklung (15 km entfernt), ebenfalls hinter der Landesgrenze, käme eventuell auch noch in Frage.

Welche Schule letztlich die richtige ist, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten heraus finden müssen.