Tag der offenen Tür

Die Körperbehindertenschule hatte Tag der offenen Tür und bot unter anderem die Möglichkeit, sich den Unterricht in verschiedenen Klassen mal anzusehen und mit verschiedenen Lehrern, Erziehern und Therapeuten zu sprechen. Wir nutzten die Gelegenheit und verbrachten den gesamten Schultag dort. Wir sahen den Schwimmunterricht (wobei es bei den Schwerstbehinderten, die wir sahen, weniger um das Schwimmen und mehr um die Entspannung im warmen Wasser ging), waren beim Morgenkreis, im Deutschunterricht und schließlich beim Snoezelen dabei, haben ein bisschen was über Talker und unterstützte Kommunikation erfahren, uns mit einigen Menschen unterhalten und sind zu dem Schluss gekommen, dass Saskia entgegen der Meinung der Psychologin in dieser Schule richtig wäre. Von der körperlichen und geistigen Entwicklung gibt es ein ziemlich weites Spektrum – einige Schüler schienen gar nicht eingeschränkt, andere sehr deutlich. Saskia würde wohl irgendwo in der Mitte liegen.

Wir hatten einen positiven Eindruck und haben zu guter Letzt einen Termin zur Aufnahmeuntersuchung vereinbart – am 17. Januar dürfen Saskia dort vorstellen. Bis dahin können wir uns erstmal um die Unterlagen kümmern, die nötig sind, damit Saskia im Nachbarbundesland zur Schule gehen darf. Ich bin mal gespannt, wie kompliziert es wird.

“Flöhe UND Läuse”

Ein Problem bei der Schulsuche ist, den passenden Förderschwerpunkt zu wählen – auch deshalb, weil wir gar nicht so richtig wissen, wo Saskia entwicklungstechnisch denn wirklich steht. Vor ein paar Jahren hat sie den einen oder anderen Entwicklungstest gemacht und dort meist recht gut abgeschnitten. Bei späteren Versuchen musste entweder der Test abgebrochen werden, weil Saskia einen Anfall nach dem anderen hatte oder Saskia scheiterte daran, dass sie Aufgaben zwar eigentlich hätte lösen können, aber die Aufgabenstellung nicht verstand. Im Rahmen der Schulsuche wäre es doch ganz nett, mal eine aktuelle Aussage zu haben, dachte ich.

Am Montag hatten wir also einen Termin bei einer Psychologin, die Saskia flüchtig kannte. Es war morgens, die Frau nahezu unbekannt, der Raum ebenfalls, also zeigte sich Saskia zunächst recht zurückhaltend, taute aber im Laufe der Zeit auf. Zuerst stellte sich nun die Frage: “Was machen wir denn für einen Test?” und die erwieß sich als eigentlich unlösbar. Einige Tests sind recht sprachlastig – das ist dann eher nichts für Saskia. Andere sind zwar sprachfrei, stellen aber ziemliche Anforderungen an die (Fein-)Motorik – also auch nicht so gut. In dem Zusammenhang fiel dann der Satz, dass wir es ja hier mit “Flöhen und Läusen” zu tun hätten, Saskia also überall Defizite hat. Zu testen sei da wenig, denn alle Tests basieren auf Vergleichen und mit wem soll man Saskia vergleichen? Tja, außer Spesen nichts gewesen. Und etwas Verunsicherung obendrein, als die Psychologin meinte, dass unser Plan, Saskia in der Körperbehindertenschule anzumelden, ihr eher nicht gerecht würde. Hmmm … :? Sie empfahl uns, uns eher im Bereich der Waldorfschulen umzusehen. Die Waldorfschule für Geistigbehinderte in der großen Stadt haben wir uns vor einem Jahr angesehen und können damit immer noch nichts anfangen, auch wenn ich inzwischen einige Menschen getroffen habe, die genau diese Schule ganz toll finden. Es ist einfach nicht meins.