Neine nese

Seit Jahren lesen wir Saskia vorm Einschlafen (und je nach Möglichkeit manchmal auch nach dem Aufwachen) das eine oder andere Buch. In 99% der Fälle sind das kleine Pixi-Bücher und ausgewählt wird durch Saskia mittels eines mehr oder weniger komplizierten Rituals. Seit ein paar Tagen möchte sie aber nicht nur selbst auswählen, was gelesen wird, sondern auch selbst lesen. “Alleine lesen” bzw. eben “Neine nese” wird dann gefordert.

Praktisch sieht das dann so aus, dass Saskia mit dem Buch im Bett liegt und es nach oben hält, bis es ihr ins Gesicht fällt. Meist ist das dann der Zeitpunkt, an dem der beste Ehemann von allen oder ich eingreifen und das Buch halten. Vorlesen dürfen wir allerdings nicht. Saskia starrt ins Buch. Manchmal haben wir Glück und sie fängt tatsächlich an, etwas zu zeigen und auch etwas dazu zu sagen. Gestern hat sie dem Papa diverse Dinge in “Pixi und die kleinen Gespenster” gezeigt, das war sehr schön. Häufiger scheint es aber tatsächlich nur ein Anstarren zu sein, bis ich dann frage, ob wir vielleicht mal umblättern können.

Das “Lesen” dauert auf diese Weise deutlich länger als das normale Vorlesen und ich bin nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Einerseits finde ich es toll, weil ich glaube, es ist eine Entwicklung in Richtung “Ich gucke mir selbstständig ein Buch an.” – andererseits ist es sehr anstrengend für uns und es ist oft nicht so richtig klar, ob sie sich jetzt wirklich die Bücher anguckt oder eher in die Luft starrt und Zeit schindet, bis sie schlafen muss. Wir versuchen, sie zum Reden und Zeigen zu bringen, was aber (auch abhängig vom Buch) gar nicht so einfach ist. Wenn ich Saskia überreden kann, sich mit Buch so zu legen, dass ich mit rein gucken kann, erzähle ich ihr schon mal die entsprechende Geschichte anhand der Bilder – ohne sie jedoch vorzulesen. Immerhin kommen wir Eltern auf diese Weise mal dazu, ums die Bilder in den Büchern genauer anzugucken, das kommt ja sonst eher zu kurz.

Lückenloser Zahnausfall

Seit ein paar Tagen wackelte Saskias oberer rechter äußerer Schneidezahn (kurz gesagt: Nummer 52). Ebenfalls seit ein paar Tagen sah man in atemberaubenden Tempo den mittleren Schneidezahn (Nummer 11) durchbrechen.

Heute früh war der Milchzahn nun endlich so locker, dass er nach kurzem Zupfen (nein, ich war’s nicht!) ausfiel. Nun sind es also nur noch 14 Milchzähne. Jetzt – etwa eine Stunde später – ist an dieser Stelle aber gar keine Lücke zu sehen, der bleibende Zahn hat den Milchzahn also regelrecht rausgeschoben und nun endlich den Platz, den er braucht. Ich bin sehr gespannt, in welchem Zustand dieser Zahn sein wird, wenn er vollständig da ist, bisher sieht man ihn zwar in voller Breite, aber noch nicht in voller Länge.

Bei den unteren Schneidezähnen steht das Platzschaffen noch bevor – dort drängeln sich derzeit die Zähne 41 und 82 um den selben Platz und stehen halb hintereinander. Die Zahnärztin fand das allerdings unproblematisch.

Voreilig

Seit wir hier im Hotel sind, schläft Saskia im eigenen Bett – ohne Gitter, ohne Rausfallschutz. Nachdem das in den beiden ersten Nächten erstaunlich problemlos klappte, sagte ich das gestern früh zum besten Ehemann von allen. Prompt durfte ich meine Tochter gestern Abend gleich zweimal vom Fußboden aufsammeln. “Nunner fallne.” Ich hoffe, sie gewöhnt sich das wieder ab.

Das hab ich nun davon

Seit Jahren sind es mehr oder weniger die gleichen Lieder, die ich Saskia zum Einschlafen vorsinge. Als ich mich heute Abend in der zweiten Strophe von “Guten Abend, gut’ Nacht” versang und die Englein “Christkindleins Traum” zeigen ließ, protestierte Saskia allerdings sofort: “Falsch! Baum!”

Recht hat sie, aber ich gebe zu, dass ich nicht sicher gewesen wäre, ob sie so etwas mitbekommt.

Schulwahl

Das Thema Schule macht mir mehr und mehr Kopfzerbrechen. Wir haben uns zwar inzwischen mit der stellvertretenden Kindergartenleiterin unterhalten, aber so richtig weiter helfen konnte sie uns auch nicht. Einen Ansprechpartner in der örtlichen Förderschule hat sie uns immerhin genannt, bei dem wir nächste Woche einen Termin haben. In diese Schule wird Saskia allerdings ebensowenig gehen wie in eine der örtlichen Grundschulen – auch wenn wir erfahren haben, dass wir wohl darauf bestehen könnten, dass sie hier integrativ unterrichtet wird. Ich bin ein großer Fan von Integration und Inklusion – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und das scheint mir derzeit (noch) nicht der Fall zu sein. Mal abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass die Grundschulen wirklich rollstuhltauglich wären.

Bleibt also eine Förderschule – nur welche? Laut Schulgesetz gibt es in unserem Bundesland Förderzentren mit folgenden Förderschwerpunkten:

  • Lernen,
  • Sprache,
  • emotionale und soziale Entwicklung,
  • geistige Entwicklung,
  • körperliche und motorische Entwicklung,
  • Hören,
  • Sehen,
  • autistisches Verhalten,
  • dauerhaft kranke Schülerinnen und Schüler.

Und welche davon ist nun die richtige? Epilepsie ist zunächst einmal eine körperliche Behinderung, allerdings ist die geistige Entwicklung auch weit, weit hinterher unter anderem deshalb, weil die Sprache auf dem Stand eines 2- bis 3-jährigen Kindes ist. Damit fällt Saskia natürlich auch das Lernen schwer.

Besonders die Wahl zwischen einer Schule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung und einer mit Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung finde ich sehr schwierig. Saskia hat große Defizite in beiden Bereichen, wohin legt man also den Schwerpunkt? Wäre sie an einer Schule für geistig Behinderte richtig? Wäre sie an einer Schule für Körperbehinderte geistig überfordert?

Saskias Ergotherapeutin meinte, sie sehe Saskia eher in einer Schule für körperlich behinderte Kinder. So ähnlich äußerte sich auch die Psychologin in Bethel, die einen halben Entwicklungstest durchführte. Ich bin unsicher.

Geschummelt?

Das Vorlesen gehört zum abendlichen (und wenn Zeit ist, auch zum morgendlichen) Ritual. Welche Bücher gelesen werden, bestimmt Saskia. Manchmal hat sie da eindeutige Pläne und zeigt direkt auf ein bestimmtes Buch, häufig gibt es allerdings erst ein längeres Auswahlritual – von den ca. 35 Pixibüchern, die sich auf dem Nachttisch stapeln, werden ein paar (=meist neun) genommen und mit dem “Gesicht nach unten” aufs Bett gelegt. Anschließend zeigt Saskia auf einzelne Bücher, die zur Seite gelegt werden und das Buch, das am Ende übrig bleibt, wird gelesen.

Saskia hat allerdings durchaus Prioritäten: Manchmal soll es tagelang Conni in allen Lebenslagen sein, dann darf es wieder auf keinen Fall Conni sein. Ist das Ergebnis nicht nach ihrer Vorstellung, kann sie auch ganz schön zickig werden. :|

In letzter Zeit ist “Milli schläft bei Ottokar” ziemlich beliebt und fast immer, wenn dieses Buch bei der Auswahl dabei ist, bleibt es “rein zufällig” am Ende übrig. Ich habe allerdings den Verdacht, dass das kein Zufall ist, sondern Saskia recht gezielt auswählt – besonders schwierig ist das nicht, da man die Pixi-Bücher recht gut an den unterschiedlichen Rückseiten auseinander halten kann. Allerdings sind der beste Ehemann von allen und ich da durchaus unterschiedlicher Meinung, ob Saskia tatsächlich anhand der Rückseite auswählt. :)

Keine Lust

Als ich Saskia heute aus dem Kindergarten abholte, hing sie gerade bei ihrer Erzieherin auf dem Schoß und sah ziemlich schlaff aus. Mir wurde allerdings erklärt, dies sei nur eine kurze Erholungspause und eigentlich sei sie relativ fit gewesen, hätte aber keinen Mittagsschlaf gemacht. Vermutlich, weil all ihre Mitschläfer derzeit entweder krank oder im Urlaub sind – alleine mochte sie dann auch nicht schlafen. :?

Na gut, ich holte also Saskias Sachen und erzählte ihr, dass wir gleich zur Ergotherapeutin XY fahren. “Nee XY – Hause fahn”, war ihre überraschende Antwort. Tja, tut mir leid mein Kind, aber wir haben einen Termin und können XY jetzt nicht einfach warten lassen. Ich habe Saskia also erzählt, dass wir  verabredet sind, jetzt hinfahren und falls sie keinen Spaß hat, darf sie sagen, dass sie nach Hause möchte. Ob sie mich verstanden hat? Zumindest hörte sie auf zu weinen und war innerhalb kürzester Zeit im Auto eingeschlafen. “Na, das kann ja heiter werden”, dachte ich.

Als ihre Therapiestunde dann losging und Saskia zunächst auf einem Trampolin hüpfen und danach mit einem großen Ball spielen sollte, waren ihre Unlust und die Müdigkeit allerdings sehr schnell vergessen und sie war mit viel Spaß und laut lachend dabei. Schließlich ging es noch in die Werkstatt an den Mal- und Basteltisch und Saskia durfte zwei Ostereier bemalen. Echte, ausgeblasene. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Eier bei meinem grobmotorischen Kind eine Überlebenschance haben, aber sie bleiben beide heil – und Saskia war mit Begeisterung und sehr konzentriert bei der Sache. Es hat wirklich Spaß gemacht, ihr zuzusehen. :)

Osterereier bemalen

Irgendwann zwischendurch malte sie der Therapeutin einen Punkt auf die Nase, woraufhin diese dann Saskias Nase anmalte.