Gleichberechtigung

Heute Nachmittag hörte ich im Radio, dass die Stundenverdienste von Frauen auch 2009 durchschnittlich 23% niedriger sind als bei Männern. Wow! 23% ist ja eine ganze Menge. Hinterfragt man diese Meldung allerdings, erfährt man auch: „Die Zahlen beziehen sich entsprechend einer EU-einheitlichen Methodik explizit auf den unbereinigten Verdienstunterschied von Männern und Frauen.“ Das heißt, es geht hier gar nicht um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sondern tatsächlich nur um die absoluten Zahlen. Aber was macht man dann mit solch einer Statistik? Man erkennt, dass es offenbar weniger Frauen in gut bezahlten Jobs gibt als Männer. Ja. Das ist ja nun wirklich nichts Neues und ich finde es etwas seltsam, dass es nun so dargestellt wird, als ob Frauen sich generell unter Wert verkauften oder bei den Gehaltsverhandlungen über den Tisch gezogen würden. Das kann natürlich trotzdem passieren, diese Statistik sagt darüber aber eben nichts aus.

Interessieren würde mich eher, ob es tatsächlich messbare Gehaltsunterschiede bei vergleichbaren Tätigkeiten gibt, denn den Stundenlohn eines Mannes in Führungsposition mit dem einer Frau mit 400€-Job im Supermarkt* zu vergleichen, bringt doch nicht wirklich irgendwas. Oder übersehe ich da etwas?

Interessant fand ich noch, dass der Unterschied in den neuen Bundesländern nur 6% beträgt. Allerdings verdienen die Frauen dort nicht etwa besser, sondern die Männer schlechter. (Und eventuell ist die Lücke im Erwerbsleben, die durch Kindererziehung entsteht, im Osten nicht ganz so groß – schon deshalb, weil die Infrastruktur bezüglich Krippen und Kindergärten eine andere ist.)


*Klischee, ich weiß. Aber es sind nun mal häufig Frauen, die die Regale auffüllen, während die Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind.

3 Gedanken zu “Gleichberechtigung

  1. Ute schreibt:

    Die Schweizer haben hierfür ein Gehaltsanalysetool entwickelt, das sogar vor Gericht zugelassen ist: Logib: http://www.logib-d.de/ Ich hab’s noch nicht ausprobiert, aber unter Umständen könnte man da selbst mal ein paar Vergleiche ziehen, wenn man die Gehaltsdaten der betreffenden Damen und Herren hat.

    • Dazu habe ich zu wenig Daten. Und ich bin persönlich auch nicht betroffen, da nach Tarifvertrag bezahlt.
      Heißt „vor Gericht zugelassen“ in dem Zusammenhang, ich kann klagen, wenn ich soundsoviel Prozent weniger verdiene als ein Mann?

  2. Ute schreibt:

    So ähnlich. Es heißt zumindest in der Schweiz, daß die Ergebnisse, die dieses Tool liefert, als Grundlage für die Klage und auch das Urteil anerkannt werden.

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