Meine Tochter hat ’nen Stich

„Manche Dinge braucht doch echt kein Mensch“ schrieb ich vor ein paar Tagen. Seit gestern überlege ich, ob ich aus dieser Überschrift vielleicht doch gleich ’ne Kategorie machen sollte. 😐

Ich kam kurz nach halb 4 zum Kindergarten, um meinen kleinen Tiger abzuholen. „Einen kleinen Moment habe ich noch“, dachte ich, als ich das Auto abstellte und gerade noch einen Moment durchatmen und was trinken wollte – da kam mir auch schon die stellvertretende Kindergartenleiterin entgegen gerannt. „Frau …, kommen Sie gleich rein? Saskia hat sich verletzt und ich wollte gerade den Krankenwagen rufen.“ 😮 „Ach nöö“, dachte ich, „das braucht doch jetzt wirklich kein Mensch.“

Saskia hing weinend und nur mit einem Body bekleidet auf dem Schoß einer Erzieherin, die ihr ein Stück Papier ans blutende Kinn drückte. Ich erfuhr, dass sie gerade gewickelt werden sollte, aber auf dem Wickeltisch zur Seite krabbelte und mit dem Kinn auf die Kante fiel. Die Folge war eine Platzwunde und ein weinendes Kind. Die Wunde war zwar nicht sonderlich groß, aber doch tief genug, dass ich es für sicherer hielt, da mal einen Arzt ran zu lassen. Also sagte ich, sie sollen den Krankenwagen ruhig rufen. Inzwischen habe ich Saskia gewickelt und dann unsere Sachen zusammen gesucht.

Als der Krankenwagen kam, hatte sich Saskia beruhigt und wir wurden vor die Wahl gestellt, mitzufahren oder selbst ins Krankenhaus zu fahren – niedergelassene Ärzte haben ja zum Freitag Nachmittag ohnehin nicht geöffnet. Dann lieber Krankenwagen, denn ich habe keine Ahnung, ob Saskia nicht gleich wieder anfängt zu jammern und außerdem geht es meist zumindest etwas schneller in der Notaufnahme, wenn man nicht mit dem privaten Fahrzeug kommt.

Also habe ich dem besten Ehemann von allen auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass das Auto vorm Kindergarten steht und er uns doch bitte im Krankenhaus abholen soll.

Die Fahrt verlief ruhig, Saskia war gut drauf, erzählte und verteilte (virtuelles) Eis. In der Notaufnahme dauerte es allerdings. Ich hatte Saskia, die wir dort kurzerhand in einen (viel zu großen) Rollstuhl packten, ihren Kindergartenrucksack, meine Tasche, ihren Helm, ihre Jacke und meine Jacke. Gar nicht so einfach, sich damit vom Fleck zu bewegen, zumal Saskia aus dem Rolli wollte und nicht sollte, ich sie nicht anschnallen konnte und deshalb mit einer Hand festhalten musste, während ich mit der anderen den Rolli schob und versuchte, das rutschende oder schleifende Gepäck zu sichern. Uff. Im Warteraum ca. 20 Kinder mit ihren Eltern und keinerlei Saskia-taugliche Bücher o.ä. Das erschüttert mich jedes Mal wieder und so spontan hatte ich natürlich auch nichts dabei. Also haben wir uns vor den Fernseher gesetzt und „Das doppelte Lottchen“ als Zeichentrickfilm ohne Ton geguckt, bis Saskia genug davon hatte und zum Glück Papa endlich kam. Eine weitere halbe Stunde später durften wir zur Chirurgin. Sie guckte sich die Wunde an und meinte, das könne geklebt werden. Bei Saskias Gesabber war ich skeptisch und sagte das auch. Eine Woche müsse die Klebestelle trocken bleiben, meinte sie. Eine Woche? 😀 Bei Saskia? Am Kinn? 😀 🙂

OK, dann nähen wir es doch mit einem Stich. Eine Vollnarkose lohnt sich dafür nicht, sie würden Saskia Dormicum geben. „Das bringt nichts“, sage ich. Bliebe eine lokale Betäubung per Spritze – also einmal mit der Spritze stechen, damit man anschließend genau einen Stich machen kann. Dann kann man die Betäubungsspritze auch gleich weglassen. Saskia bekam also lediglich etwas aufgesprüht, das die Haut oberflächlich betäubt und kurze Zeit später war der Faden dann auch schon durch. Kurzes Jammern als die Ärztin mal abrutschte, dann saß alles und 2 Minuten später saß mein Kind auf dem Behandlungstisch und grinste. Wirklich tapfer, meine kleine Maus. Nun hat sie also wieder einmal einen Stich mehr im Gesicht. 😐

(Das anschließend aufgeklebte Pflaster fiel übrigens schon auf dem Heimweg fast ab, weil es völlig durchgeweicht war. )

3 Gedanken zu “Meine Tochter hat ’nen Stich

  1. Sommersprosse schreibt:

    S o e i n t a p f e r e s k l e i n e s M ä d e l !

    Der Oma wäre bestimmt vor Angst schon beim zusehen schlecht geworden.

    Ein schönes WE wünsche ich Euch
    Die Sonne soll lachen und das Mausekind auch

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