Kinderfrage

„Warum hat sie keinen Bruder?“ fragte die mittlere Tochter (3,5 Jahre) unserer Freunde gestern beim Abendessen und guckte zu Saskia. Tja, was sagt man da? Wir waren irgendwie alle erstmal verblüfft und so kam schließlich nur ein „Das ist eine lange, traurige Geschichte“ zurück. Als ihre Mutter sie dann fragte, ob sie eine „lange, traurige Geschichte“ hören wolle, kam (glücklicherweise) nur ein Kopfschütteln.

Ich frage mich seitdem, was eigentlich die richtige Antwort gewesen wäre und wie man die kindgerecht verpackt – und komme zu keinem Ergebnis.

5 Gedanken zu “Kinderfrage

  1. Ich wüsste auch eine kindgerechte Antwort. ich kanns (für uns gesprochen) ja nicht einmal einem Erwachsenen in einem kurzen Satz erklären…..
    Wir haben lange drüber nachgedacht/geredet und glauben, es fehlt uns was. Aber wie meistern mit einem Kind, dass immer unsere volle Unterstützung braucht?

    Für euch muß es passen – egal wie ihr es nach außen hin erklärt.

  2. Ich muß gestehen, ich war es, der spontan diese Antwort gab. Dabei denke ich eigentlich – so im Nachhinein betrachtet -, dass ein Kind eine Antwort wie „Du weißt ja, dass Saskia sehr krank ist, und wir haben Angst, dass das Geschwisterchen auch so krank würde“ durchaus verstehen könnte. Ja, das ist nicht die ganze Wahrheit, aber wo gibt es so etwas wie die „ganze Wahrheit“ schon …

  3. Den ganzen Tag nehm ich Dein Post heute schon mit. Hab ihn heute morgen gelesen. Und denk nun immerwieder drüber nach. Es gibt nicht „die“ Antwort.
    Nich frü Grosse, nicht für Kinder.
    Lisa erwartet ja nun im Sommer das Baby. Und sie muss sich oft mit der Frage auseinandersetzen „Und wenn das jetzt auch behindert ist…?!“ Auch da gibt es nicht „die “ Antwort.
    Aber Kinder verstehen wirklich viel. Robert hat mich mal gefragt, ob ich froh bin, dass Susanne nicht auch noch behindert ist. Ein Kind, das da zugehört hat (7J.) sagte dann:“Die Susanne wenn mal von ein Auto angefahren wird, kann auch behindert sein.“
    Mit Kindern kann man wirklich offen und ehrlich sprechen. Und auch mal sagen, dass die Antwort schwer zu finden ist.
    Ja, und da ist dann auch noch meine gute Bekannte, die drei Jahre nach dem schwerstbehinderten Kind ganz bewusst nochmal „ja“ zu einem weiteren Kind gesagt hat. Auch das schafft überhaupt nicht jeder. Ich hab schon so oft gesagt, dass ich nicht weiss, ob ich 5 Kinder hätte, wenn Robert mein erster Sohn gewesen wäre. Dazu sagte auch mal ein Kind:“Ich würde aber die Susanne so sehr vermissen.“
    Mir tut es so leid, dass Ihr überhaupt solche Fragen gestellt bekommt. Und das bitte nicht falsch verstehen, Ich mag Saskia, so wie ich sie hier kennengelernt habe … aber mich lässt das Schicksal doch auch immerwieder nach dem „warum“ fragen.
    Tanja, das fühl ich auch bei Euch mit Eurem Niklas so.
    Und doch darf ich hier noch schreiben (gerade von der grossen Schwester gesagt worden):
    „Wir sind froh, dass wir einen Bruder haben der der Robert ist! Auch wenn er soooo schlimm ist, möchten wir ihn alle nie mehr missen.“
    Über das Thema könnte man Abendelang reden… es hat viele verschiedene Seiten.
    Ich wünsche Euch einen schönen Restsonntag …. der Baum steht noch nicht, aber wir sind patschnass und deshalb wieder heimgegangen…
    Liebe Grüsse
    Elisabeth

    • Habe lange überlegt, ob und was ich Dir darauf antworten soll …

      Ich seh‘ das so: Kinder haben ein Recht darauf, die Welt erklärt zu bekommen. Mehr als Erwachsene auf jeden Fall. Das schließt manchmal auch ein, unangenehme Fragen, oder einfach nur Fragen, die man Erwachsenen nicht ohne Weiteres – ohne eine enge Beziehung, zum Beispiel – beantworten würde.

      Schon deshalb, weil Kinder diese anerzogenen sozialen Schranken (noch) nicht haben. Und Das Ist Gut So™.

      Und „Pscht! So etwas fragt man nicht!“ finde ich einfach nicht gut – sie lernen noch früh genug, sich Fragen zu verkneifen, die sie lieber hätten stellen sollen. Ich würde Kinder dazu erziehen wollen, ganz ganze viele Fragen zu stellen, je mehr, desto besser. Irgendwann lernen sie schon noch, welche Frage sie wann stellen dürfen. So lange sie das noch nicht gelernt haben, ist jede Frage einfach nur ein Ausdruck ihrer Neugier auf die Welt, und verdient es, beantwortet zu werden.

      In der Realität bin ich natürlich höchstens halb so idealistisch wie hier in dieser Virtualität, aber irgendwie so halt 🙂

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