Alles Humbug?

Wir sind vom diesjährigen Sommercamp zurück und nachdem der beste Ehemann von allen ja schon einen viel gelesenen Beitrag darüber geschrieben hat, möchte ich einfach mal noch ein paar andere Gedanken in den Raum werfen.

Beim Sommercamp geht es vorwiegend um „geistiges Heilen“ – und das ist doch nun wirklich Humbug … oder doch nicht? Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, das alles einfach so ab zu tun, denn ganz so einfach ist es eben doch nicht.

Dann also mal zu den Fakten: Saskia leidet seit 4,5 Jahren an Epilepsie. An einer Epilepsie, bei der wir inzwischen zahlreiche Medikamente ausprobiert haben, die im besten Fall eine vorübergehende Besserung brachten, im schlechtesten Fall noch Anfälle verursachten. Inzwischen haben wir sämtliche Medikamente durch, die auch nur einigermaßen erfolgversprechend schienen. Zum Teil in 3er- oder sogar 4er-Kombinationen in verschiedenen Dosierungen. Wir haben Spezialisten (=Neuropädiater) konsultiert, zahlreiche EEGs, Langzeit-EEGs, MRTs gemacht und dann eine zweite, dritte, vierte Meinung eingeholt und stehen inzwischen mit dem Rücken zur Wand. Die Ärzte geben zu, dass sie keine echten Ideen mehr haben und stellen uns vor die Wahl, mit welchem der schon mal eingesetzten Medikamente wir es vielleicht nochmal versuchen möchten. Erfolgsaussichten? Mehr als zweifelhaft. Die Ärzte geben auch zu, dass sie die Ursachen von Epilepsie noch nicht vollständig verstehen – gerade wenn (wie in Saskias Fall) keine organische oder genetische Ursache zu finden ist.

Vor 4,5 Jahren hatten wir ein fröhliches, gesundes und sehr aktives Kind – heute haben wir bestenfalls ein fröhliches Kind, das oft genug in seiner eigenen Welt fest steckt. Soweit also zur Erklärung, warum wir überhaupt alternative Wege suchen.

Vor zwei Jahren erfuhr ich von einem Mädchen, deren Geschichte Saskias ähnlich ist. Allerdings geht es diesem Mädchen inzwischen deutlich besser. Da liegt es nahe, diesen Weg doch mal zu probieren, was uns letztlich vor einem Jahr ins Sommercamp führte. Auch wenn Saskia dort leider nicht auf wundersame Weise geheilt wurde, war der Aufenthalt insgesamt so angenehm, dass wir uns entschlossen, auch in diesem Jahr wieder teilzunehmen.

Auch ich kann nicht mit allem, was mir dort angeboten wird, etwas anfangen … aber: Ich kann auch nicht alles ausnahmslos als Unsinn bezeichnen. Es gab sowohl im vorigen als auch in diesem Jahr Menschen (sowohl Heiler als auch andere Eltern), die in mir so ein inneres Kopfschütteln auslösten und bei denen ich dachte: „Das geht gar nicht.“ Es gab aber eben auch eine Menge anderer Menschen. Ob die nun in der Lage sind, meine Tochter zu heilen, indem sie ihr die Hände auflegen, weiß ich nicht – aber auch hier kann ich nur sagen: Die Schulmediziner sind bisher dazu eben auch nicht in der Lage. Also wähle ich den pragmatischen Ansatz und versuche es zumindest.

Viele mögen Handauflegen für Quatsch halten, aber wenn ein Kind beispielsweise Bauchschmerzen hat, tun wir doch auch genau das. Wir legen die Hand auf den Bauch, streicheln das Kind und reden ihm gut zu – bis es ihm besser geht. In vielen Fällen funktioniert das. Warum? Ist es Entspannung? Ist es die Wärme der Hand? Ist es das Vertrauen des Kindes, dass die Mutter (oder der Vater) ihm helfen kann? Ist es ein Placebo-Effekt? Werden Selbstheilungskräfte aktiviert? Ich weiß es nicht, aber letztlich geht es doch nur darum, dass es dem Kind besser geht.

Ich habe keinen Beweis bekommen, dass geistiges Heilen funktioniert. Ich kann aber auch nicht beweisen, dass es nicht funktioniert. Ein Team-Mitglied (ein Arzt) sagte während seiner Vorstellung sinngemäß: „Der Körper muss sich selbst heilen. Ärzte oder Heiler können nur unterstützen, aber heilen muss der Körper von innen heraus.“ Als Beispiel wählte er einen Bruch, der zwar ruhig gestellt werden kann, aber letztlich muss der Knochen wieder zusammen wachsen und das kann nur der Körper selbst. Auch nach einer OP könne man die Narbe zwar nähen, aber nicht heilen. Durch die Heiler soll der Körper also letztlich angeregt werden, sich selbst zu heilen. So abwegig finde ich das nicht.

3 Gedanken zu “Alles Humbug?

  1. Ich halte es da mit Dir.
    Mit Jonathan gehe ich zu einer inzwischen lieben Freundin, die mit ihm Reikki macht.
    Eines Tages, er sass auf meinem Schoss und wurde „behandelt“, da hab ich das gespürt, ein Gefühl wie eine Welle, bis über meinen Kopf. Es ist nicht zu beschreiben, ich war so verblüfft. Als ich sie fragte, ob das denn möglich sei, sagte sie:“Das war diesmal nicht für Jonathan, das war für Dich Barbara.“
    Ich hatte in keinster Weise damit gerechnet, hab mir nichts eingebildet, es war ein bemerkenswertes Gefühl.

    Sicher gibt es viele Scharlatane auf dieser Welt, meine Gundula ist keiner.
    Und ich würde auch einfach alles versuchen um meinem Kind zu helfen.
    Es war also gut und richtig hinzufahren.

    Schön, dass ihr wieder da seid
    Barbara

  2. Das Problem ist glaub ich, dass es bei all diesen Alternativmethoden immer wieder Scharlatane gibt. Und weil die Wirkung nicht gleich offensichtlich ist, verschwimmt die Grenze…. Mich hat nur der Begriff Heilen irritiert. Mit der Begründung, der Körper/die Seele wird bei der Eigenheilung unterstützt kann ich schon wesentlich mehr der Sache abgewinnen.
    Fakt ist: ich kann sehr gut nachvollziehen, dass ihr nach alternativen sucht. Und glaub mir, wir haben auch schon einiges ausprobiert. Manches, über das schmunzeln wir im nachhinein. Manches hat uns überzeugt und wir machen es heute noch (wie zb Osteopathie). Wir sind bei einer tollen Homöopathin und auch Reikki würde ich noch gerne mit Niklas versuchen. Ich hatte mal eine Behandung – und ja, da hat sich wirklich was getan (trotz meiner Skepsis).
    Geht nach eurem Gefühl. Falsch machen könnt ihr nicht – solange es euch gut geht bei der Sache.
    Freut mich auch, wieder von euch zu lesen 😉
    liebe Grüsse Tanja

  3. Es gibt sooo viel dazu zu sagen. Ich hab bei Locke grad versucht einen Kommentar zu hinterlassen, aber es lag wohl an mir, dass alles weg ist….
    Es ist das Allerwichtigste, dass es Euch gut geht, Euch allen dreien, einzeln und miteinander…
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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