K, G oder doch I? – Die richtige Schule für Saskia

Kurz nach Saskias Geburtstag hatten wir Post der örtlichen Grundschule im Briefkasten. Wir lasen, dass Saskia nächstes Jahr schulpflichtig wird – das war uns bereits bekannt 😉 – und dass wir sie Ende Oktober in der Schule anmelden müssen – auch wenn sie letztlich eine andere Schule besuchen wird. Es wird also ernst mit der Schulwahl.

Im Juni hatten wir bereits ein Gespräch mit dem Leiter der örtlichen Förderschule. Das ist eine Schule mit „Förderschwerpunkt Lernen“ – die einzige Förderschule, die hier im Ort und nur ca. 200 m vom Kindergarten entfernt ist. Saskia war beim Gespräch nicht dabei, insofern waren es nur grundsätzliche Überlegungen.

Der Schulleiter erzählte uns, dass wir bei der Anmeldung in der Grundschule gleichzeitig den Antrag auf „Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs“ stellen sollen. Im Rahmen dieses Verfahrens wird ein Gutachten erstellt, für das der Leiter der Förderschule zuständig ist, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der Förderschule für geistige Entwicklung und mit dem Kindergarten.

Je nachdem, wie dieses Gutachten ausfällt, wird dann die „passende“ Schule empfohlen. Wenn mehrere Schwerpunkte in Frage kommen, haben wir die Wahl. Nach unserem Gespräch hält der Schulleiter sowohl die Förderschule für körperlich-motorische als auch die für geistige Entwicklung für möglich und meinte, es käme natürlich auch integrative Beschulung in der zuständigen Grundschule in Frage.

Die Grundschule hätte den Vorteil, dass Saskia (und uns) viel Fahrerei erspart bliebe, sie hier im Ort zur Schule gehen und sich vielleicht durch den Kontakt zu gesunden Kindern einiges abgucken könnte. Allerdings habe ich derzeit Bedenken, dass Saskia dort gnadenlos unterginge und der Schulstoff deutlich zu abstrakt für sie wäre. Außerdem bekäme sie dann zwar einen Integrationshelfer, der während der Schulzeit an ihrer Seite wäre, da die Schule jedoch keine Ganztagsschule ist und die Hortbetreuung für das Sozialamt als Freizeit zählt, hätten wir mit der Nachmittagsbetreuung ein echtes Problem.

Als Förderschule wäre die Schule für geistige Entwicklung (24 km entfernt von uns) für uns zuständig. Dies ist (soweit ich weiß) eine offene Ganztagsschule mit Nachmittagsprogramm an bestimmten Tagen. Eine weitere Schule für geistige Entwicklung befindet sich in 8km Entfernung, allerdings hinter der Landesgrenze. Auch hier gibt es ein Ganztagsprogramm, ich weiß aber nicht, in welchem Umfang. Eine Schule für körperlich-motorische Entwicklung (15 km entfernt), ebenfalls hinter der Landesgrenze, käme eventuell auch noch in Frage.

Welche Schule letztlich die richtige ist, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten heraus finden müssen.

21 Gedanken zu “K, G oder doch I? – Die richtige Schule für Saskia

  1. Ute schreibt:

    Aus meiner Laiensicht kommt es vermutlich drauf an, was Ihr Euch für Saskia erhofft. Soll sie „einfach nur“ mit nichtbehinderten Kindern zusammensein und von denen lernen, was halt irgend geht? (Inwieweit hat denn das im Kindergarten geklappt?) Oder soll sie in einem Klassenverband mit anderen einem gemeinsamen Lehrplan folgen und die selben Ziele erreichen wie die anderen Kinder (die einen ähnlichen Entwicklungsstand haben)?

    Integration ist ein nettes Konzept, aber wie ich in einem Spiegel- (oder Zeit?)Artikel neulich wieder las, ist es eben leider so, daß I-Kinder – gerade mit geistigen Defiziten – oft Alibikinder für die Schulen sind, die in den Klassen eher den Status eines „Maskottchens“ haben. Sie werden lieb behandelt, man freut sich, den anderen Kindern soziale Kompetenzen angedeihen lassen zu können – aber das war’s dann auch schon. Eben auch, weil Betreuer fehlen. Erst recht entsprechend ausgebildete Betreuer.

    Ich persönlich würde mich glaube ich nicht trauen, ein Kind, das sowohl körperlich _als auch geistig_ derart eingeschränkt ist, in eine Regelschule zu schicken. Einfach weil es auf keinem einzigen Gebiet mit den anderen auf Augenhöhe wäre. Nicht einmal in den Pausen auf dem Spielplatz. Und die Diskrepanz zu den anderen Kindern wird ja von Jahr zu Jahr eher größer als kleiner werden.

    • Ähm. Ja. Schrieb ich hier gar nicht explizit, fällt mir gerade auf. Also im Klartext: Ich halte Integration / Inklusion für eine tolle Sache – wenn sie denn richtig gemacht ist. Das heißt kleine Klassen, entsprechend ausgebildete Lehrer, entsprechend ausgestattete Räume usw. usf. Davon sind wir meilenweit entfernt und deshalb halte ich es momentan für extrem unwahrscheinlich, dass Saskia die örtliche Grundschule besuchen wird. (Eigentlich halte ich es für unmöglich, aber vielleicht kommt noch jemand mit richtig guten Argumenten und kann mich überzeugen.)

      Nein, dass sie mit einem Betreuer in der Ecke sitzt und mit dem, was da im Unterricht statt findet, nichts zu tun hat (außer der körperlichen Anwesenheit), muss ich ihr nicht antun. Die Gefahr des „Alibikindes“ sehe ich da nämlich auch.

      Was wir uns erhoffen, ist schwer zu sagen. „Möglichst optimale Förderung ohne Über- oder Unterforderung“ vielleicht. Die Integration im Kindergarten klappt, wenn Saskia einigermaßen fit ist. Dann spielt sie mit anderen und ich denke, sie profitiert auch davon. An richtig schlechten Tagen funktioniert das nicht – aber da funktioniert auch nichts anderes. Und in der umgekehrten Richtung denke ich, dass auch die gesunden Kinder von Saskia profitieren.

      • Ute schreibt:

        Allerdings muß man dabei auch berücksichtigen, daß in der Schule (im Gegensatz zum Kindergarten) echte, meßbare Leistung gefragt ist. Im Hinblick auf die anderen Kinder weiß ich nicht, ob die auf die Dauer nicht eher genervt reagieren werden, wenn Eure Tochter im Unterricht dauernd stöhnt, Sachen vom Tisch fegt, Arbeitsmaterial einspeichelt oder sich gar regelmäßig irgendwohin erbricht.

        Im Kindergarten können die anderen sich dem noch relativ unauffällig entziehen und einfach weggehen, und auch für die Erzieher stellt das eine relativ geringe Störung des Tagesplans dar. In einem geregelten Unterricht mit konkreten, zeitlich festgelegten Lernzielen (die ja auch durch Lernstandserhebungen regelmäßig überprüft werden) und ohne Ausweichmöglichkeiten wird es da sicherlich eher zu Konflikten kommen.

  2. Ute schreibt:

    PS: Was den Schulstoff angeht, so machen sie in der Klasse „meiner“ Saskia momentan hauptsächlich Feinmotorik-Hausaufgaben. Schreib- und Schwungübungen in vorgegebenen Liniensystemen, mit Angaben zu Stifthaltung und Schreibansatz (von unten nach oben vs. von oben nach unten) bei den einzelnen Buchstaben und Zahlen.

    Inhaltlich ist mir nicht so hundertprozentig klar, was sie da genau treiben – es wird wenig dokumentiert und meine Tochter ist eh schon weiter als der Stoff in Fibel und Mathebuch. Von daher kriege ich nicht viel aus ihr raus. Aber das Wenige, was ich schwarz auf weiß sehe, ist offen gestanden schon jetzt intellektuell und motorisch meilenweit von dem entfernt, was Eure Tochter m.E. bewältigen könnte.

  3. A. schreibt:

    Hallo,

    die Schule von LM ist ja sehr schön aber ja hinter der Landesgrenze, die andere Schule über die wir schon mal gesprochen haben finde ich toll, da Sie 2 mal die Woche Schwimmen in der ersten Klassse, später nur noch einmal. Sie machen Musik und Tanzen, sie arbeiten mit jedem Kind individuell. Da Saskia ja durchaus diese Dinge schätzt und den Kontakt zu Erwachsenen mag ist das doch nicht verkehrt. Und der Fahrtweg fällt weg, da sie abgeholt und gebracht würde. Bitte erkundigt euch da mal. Die Lehrerinnen der ersten Klasse hatten angeboten euch jederzeit mal schnuppern zu lassen. Ich fand es sehr gut, ich denke sie würde der weitaus mehr mitnehemn als ein I-Kind in der Regelschule !!!!!!!!!!!!

    • Die Schule, die du meinst, schauen wir uns nächste Woche an – für die Körperbehindertenschule haben wir noch keinen Termin, aber die möchte ich auf jeden Fall auch noch sehen. Und dann überlegen wir nochmal genauer.

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