Abschiede sind doof

Nun ist er vorbei, der letzte Kindergartentag – nach knapp 4 Jahren wird Saskias Weg künftig morgens in eine andere Richtung führen. Nach der Andacht (inklusive irisches Segenlied, allerdings ohne Roberts Lieblingsstrophe, aber seitdem mit Ohrwurm für mich) mit Verabschiedung der Schulanfänger gab es gemeinsames Frühstück mit den Eltern, dann war im Prinzip ein normaler Kindergartentag, den wir Saskia auch gönnen wollten. Dass sie plötzlich bitterlich anfing zu weinen, als der beste Ehemann und ich uns verabschiedeten, hatten wir ewig nicht und es machte die Situation nicht leichter. Wir gingen trotzdem, der beste Ehemann von allen musste arbeiten, ich wollte Saskias Kindergartensachen heim bringen und noch ein bisschen was erledigen. Ich habe Saskia dann eine Stunde früher als normalerweise abgeholt, trotzdem war sie die letzte aus ihrer Gruppe – der Gruppenraum war inzwischen leergeräumt (in den Ferien wird der Fußboden abgeschliffen), ein paar Erzieherinnen waren noch da, ein paar Kinder waren noch auf dem Spielplatz, wir haben uns noch von allen verabschiedet, ein paar Tränen vergossen und versprochen, mal zu Besuch zu kommen – das war’s dann. Eigenartiges Gefühl.

Sicher ist es auch für andere Eltern mit etwas Wehmut verbunden, wenn ein Lebensabschnitt endet, bei uns kommt die Unsicherheit dazu – wir kennen niemanden an Saskias künftiger Schule: Keine Lehrer, keine Eltern, keine Mitschüler. Saskia wird nicht (wie die anderen Schulanfänger aus ihrem Kindergarten) in eine der beiden örtlichen Grundschulen gehen und bereits Freundinnen in der Klasse haben. Es wird eine komplett neue Umgebung mit zunächst unbekannten Menschen sein und wie sie damit klar kommt, werden wir nicht von ihr erzählt bekommen. Gesunde Kinder fiebern dem Schulanfang entgegen, freuen sich darauf, lesen zu lernen, entwickeln sich weiter, so dass die Einschulung ein ganz logischer Schritt ist … Wenn es nach Saskia ginge, würde sie wohl auch die nächsten Jahre täglich in den Kindergarten gehen.

5 Gedanken zu “Abschiede sind doof

  1. Sommersprosse schreibt:

    Habe gestern an ihren letzten Kindergartentag gedacht. Es fällt schwer – aus den von Dir genannten Gründen. Auch ich denke oft an den Wechsel. Das Schllimme ist, dass sie Nichts erzählen kann, vor allem, wenn es auch nicht gut läuft. Da kann man nur hoffen und besonders aufmerksam sein.

    Liebe Grüße
    Trautel

  2. Mich macht das jetzt ganz traurig. Und doch gibt es ja Hoffnung. Wir haben unsere kleine Freundin S. als so feines Beispiel. Sie hat es geschafft und kann sich nun mit Computer, Zeichensprache etc. mitteilen.
    Ach Saskia, ich wünsch Dir so viel, ich denk so oft an Dich…. alles Liebe
    Elisabeth

  3. Carolin schreibt:

    Also Moment mal, liebe Graugrüngelbe,

    warum glaubst du, Saskia würde gerne im KiGa bleiben ?
    Für mich & Tochterdame war der KiGa Abschied auch scheußlich, aber ich war trotzdem sehr froh, dass meine große Dame nun endlich auch zu den Großen kommt ! Das ist gerade für unsere Kinder sehr wichtig – Gleichaltrige.

    Nicht alle Kinder erzählen, was sie in der Schule machen. Viele behalten es für sich, da kenne ich aus dem Freundeskreis der Tochterschwester einige Beispiele.
    Ihr werdet es sehr gut merken, wie es Saskia in der Schule geht. Ihr könnt auch durchaus aufdringlich sein und JEDEN TAG fragen, was genau gemacht wurde, wie Saskia so beieinander war.

    Nur Mut ! Auch Saskia wird groß.
    Vielleicht ist euch diese Veränderung suspekt, deswegen ist sie es aber nicht unbedingt für Saskia. Behaupte ich einfach mal.
    Neues ist spannend und positiv, behaupte ich ebenso 😉 !

    Viele liebe Grüße,
    Carolin.

    • Hallo Carolin,

      das Problem ist, dass Saskia irgendwie jegliche Neugier verloren gegangen ist. Sie interessiert sich nicht für Neues, wendet sich ab. Egal ob es Musik ist – es dürfen immer nur die gleichen Lieder sein, die wir hören. Egal ob es Spiele sind – auch wenn sie sich inzwischen selbst zu langweilen scheint. Egal ob es Bücher sind, wir lesen immer wieder die gleichen und es ist selten, dass wir ihr mal ein neues „unterjubeln“ können.

      Früher hat sie gern Geschenke ausgepackt, war neugierig, was drin ist – heute nicht mehr. Beim Sommerfest im Kindergarten gab es diverse kleine Spiele – Saskia war nicht mal zu bewegen, dorthin zu gehen, sie wollte in den Sandkasten, sonst nichts.

      Diese Sachen sind es, die mir die meisten Sorgen machen. Wie soll sie etwas lernen, wenn sie sich bei allem Neuen sofort abwendet?

      Das mit dem Erzählen ist ein zusätzliches Problem, weil das Fragen eben nicht mehr so einfach ist. Im Kindergarten haben wir die Erzieher und Zivis täglich gefragt, wie der Tag war, ob es Besonderheiten gab, wie es Saskia ging. In die Schule bringen wir sie aber nicht selbst, die Kommunikation wird also (wenn überhaupt) über Mitteilungsheftchen laufen – und dabei bleibt erfahrungsgemäß vieles auf der Strecke.

  4. Carolin schreibt:

    Liebe GGG,

    genau aus den von dir gelisteten Gründen finde den Ortswechsel für Saskia besonders angebracht. Sie kann sich dem Neuen ja gar nicht entziehen !

    Vielleicht wird sie eine zeitlang meckern und ihren Unmut äußern (umso besser !), aber auf Dauer werden ihr diese neuen Perspektiven sehr gut tun. Ich bin mir sicher, sie wird nicht das einzige Kind in der Schule sein, was sich neuem erstmal entziehen möchte. Damit werden sie schon umgehen können, dazu sind diese Leute doch da – ich denke, sie haben das sogar gelernt !

    Die Kommunikation mit Saskias „Personal“ müsst ihr einfordern, wenn sie nicht angeboten wird. Mindestens ein Telefonat pro Woche, warum nicht zwei ? Das kannst du ganz freundlich bei Schulanfang verhandeln und wenn du den geringsten Widerstand merkst, dann machst du ihnen mit der Epilepsie und den Anfällen Angst ! Du musst wissen was geschieht, damit du medizinisch die Dinge anpassen kannst (Medikamente, Frequenz des VNS usw.).

    Ihr seid doch zu zweit, jeder kann ein mal pro Woche anrufen.
    Ich würde euch auch raten, Saskia ein Mal die Woche selber hinzubringen oder abzuholen. So könnt ihr die Atmosphäre spüren, das macht eine Menge aus.

    Ich habe vielleicht eine rosa Brille auf, aber ich gehe davon aus, dass Schulen für doch recht schwer behinderte Kinder wohlwollend sind und eine gewisse Flexibilität den Eltern gegenüber haben.

    Bei meiner Tochterdame bin ich immer wieder erstaunt, dass die Erzieherinnen nichts vergessen, nichts überhören von dem was ich ihnen sage. Es geht nicht alles, aber das meiste !

    Courage !

    LG Carolin.

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