Verdächtig

Es ist schon verdächtig, wenn des Exposé eines Hauses keine Innenaufnahmen enthält und in der Beschreibung etwas von „renovierungsbedürftig“ steht. Nun gut, wir haben uns das Haus trotzdem angesehen.

Es steht im Nachbarort, wir wären damit ca. 3,5 km näher an unseren Arbeitsstellen und würden ca. 5 Minuten Arbeitsweg (montags auch gern mal 20 Minuten Stau) sparen. Die Busanbindung ist Klasse: Hauptstraße und Bushaltestelle sind ca. 200 m vom Haus entfernt, Busse fahren in Richtung Großstadt mindestens im 10-Minuten-Takt. Das Haus selbst liegt in einer Sackgasse, umgeben von anderen Einzel- und Reihenhäusern direkt neben dem Friedhof. (Ruhige Nachbarn wären also garantiert. 😉 ) Etwas weniger gut wäre die Situation, was Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten angeht, die sind zwar auch nicht soo weit entfernt, aber eben auch nicht so nah wie jetzt. „Mal eben“ mit Saskia schnell zu ALDI wäre dann nicht mehr drin. Die Kinderärztin wäre dann eben auch 3 km entfernt und so oft, wie wir dort Rezepte für Medikamente oder Therapien brauchen, ist das zumindest nicht optimal. Klar, die Entfernung ist eigentlich ein Witz, wenn man mal schnell ins Auto hüpft, nur: Saskia ins Auto zu packen, ist inzwischen echte Arbeit. 5 Minuten später wieder raus und auf dem Rückweg das Ganze nochmal … unschön. Ein Grund, weshalb ich soviel wie möglich zu Fuß erledige.

Das Haus selbst macht von außen einen guten Eindruck. Es ist ein Bungalow mit ausgebautem Dachgeschoss, voll unterkellert. Der Keller ist allerdings nur teilweise unterirdisch, was einerseits das Risiko feuchter Wände verringert, andererseits aber dazu führt, dass es immerhin 6 Stufen bis zur Haustür sind. Mit Rampe nicht zu überbrücken, denn bei einer rollstuhltauglichen Neigung von max. 6% müssten wir die Rampe schon einmal ums Haus wickeln, um auf die nötige Länge zu kommen. Bliebe ein Lift, den wir eigentlich nicht wollen.

Das Haus von innen war … gewöhnungsbedürftig. Positiv ist: Der Grundriss würde gut passen. Dass Küche und Bäder noch aus der Bauzeit (70er Jahre) stammen – geschenkt. Immerhin hätten wir nach „bahamabeige“ und „curry“ diesmal zur Abwechslung „moosgrüne“ Sanitärobjekte 😉 Da wir nicht davon ausgehen, dass irgendein Bad von vornherein zu unseren Bedürfnissen passt, wäre der Renovierungsbedarf hier gewissermaßen ein Vorteil. Weniger vorteilhaft ist, dass fast sämtliche Türen zu schmal sind, um mit dem Rollstuhl durch zu kommen – Saskia blieb überall stecken. Wände, Decken und Fußböden schrien nach frischer Tapete, Farbe und neuen Belägen. Machbar, aber mit ziemlichem Zeit- und Kostenaufwand, denke ich.

Im Keller fand sich u.a. eine Werkstatt – mit einer ganzen Menge Zeugs. Hatte ich schon geschrieben, dass insgesamt unheimlich viel Kram rumstand und -lag? Die Tiefgarage könnten wir mit unserem Auto nicht nutzen, dazu ist sie nicht hoch genug, aber außerhalb gibt es einen Carport (an der falschen Stelle) und zusätzlich noch zwei Stellplätze – Platz wäre also genug. In der Tiefgarage könnte man ja dann Gartengeräte und Fahrräder lagern. Leider scheint auch die Heizung noch aus dem Originalbestand zu sein, oder zumindest ganz schön alt – auf Nachfrage bekam ich nur die Antwort, der Brenner sei vor 2 Jahren erneuert worden. Die wäre also fällig. Auch die Heizkörper selbst müssten überwiegend getauscht werden und auch einige Fenster gehören noch zum 70er-Jahre-Original-Inventar. Die vielen technischen Spielereien des derzeitigen Besitzers (ein ehemaliger Fernsehmechaniker) sind zwar amüsant, aber auch ein bisschen beängstigend. 😉 Es gibt Anzeigen zum Ölverbrauch, ein ferngesteuertes Garagentor, Kameras, eine Alarmanlage … ich fürchte nur, es ist alles komplett selbst gebastelt und nichts dokumentiert – und auch wenn ich vor ca. 100 Jahren mal Elektrotechnik studiert habe, bin ich da nicht die große Bastlerin (der beste Ehemann von allen ist es noch weniger). Mein Vati hätte sicherlich Spaß daran gehabt – ich habe eher Angst, dass in einem halben Jahr irgendwas nicht funktioniert und wir keine Ahnung haben, wo wir den Fehler suchen müssen.

Insgesamt wäre es neben nicht unerheblichen Kosten, die uns schon ganz schön rechnen lassen würden auch sehr, sehr viel Arbeit und ich glaube, die tun wir uns dann doch nicht an – auch wenn das Haus durchaus Potential hat. Ich glaube, wir schlafen noch ’ne Nacht drüber … oder zwei.

2 Gedanken zu “Verdächtig

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