Kopffüßler

Saskia hat mit ihrer Hortgruppe gestern einen Ausflug in eine nahegelegene Mittelstadt* gemacht. Sie waren mit Bus und Regionalbahn unterwegs und sie erzählte mir, als ich sie abholte, schon ausführlich von defekten Aufzügen und Rollstühlen, die getragen werden mussten – genau so, wie sie es später auch Papa erzählte. Ich fragte sie dann, was sie denn gemacht hätten, als sie am Ziel angekommen waren. Keine Antwort. „Seid ihr spazieren gegangen?“ fragte ich sie. „Eintaufe!“ bekam ich zur Antwort. OK, das war mir schon aufgefallen. Saskia hielt einen lila Osterkorb und einen ebenfalls lila Hula-Hoop-Reifen in der Hand – beides vom Ferientaschengeld selbst gekauft. Den Korb wolle sie in den Garten stellen, damit der Osterhase viele bunte Eier reinlegen könne. Meine Erklärung, dass es aber noch einige Wochen dauere, bis Ostern ist, wurde nicht beachtet.

Zuhause angekommen, wollte Saskia sofort in den Garten. Sie stellte das Osterkörbchen auf die Wiese und begann, den „Frühstückstisch“ zu decken: Sie holte Brettchen, Messer, Löffel, Milch, Kakao, Kekse und Schokoküsse und deckte den Tisch. Ich sollte ihr dann noch das Apfelmus und die Medikamente geben, aber Medikamente habe ich mit der Begründung, dass man damit nicht spielt abgelehnt. Anschließend wurde ich zum Essen gebeten.

Frühstück!

Es war schön in der Sonne, aber doch etwas zu kühl, um lange draußen zu sitzen. Also schlug ich vor, doch allmählich rein zu gehen. Das wurde allerdings abgelehnt. Saskia wollte Seifenblasen machen, ich räumte inzwischen den Tisch ab. Den Reifen durfte ich allerdings nicht wegräumen, den legte Saskia auf den Rasen, stieg ein paar Mal rein und raus und erklärte schließlich, das sei „Papa!“. Okay?! Papa brauchte zunächst ein paar Beine, nach längerer Suche und nachdem Saskia zwei etwas ungleiche Stöcke abgelehnt hatte, einigten wir uns auf die Tomaten-Stützen, die im Blumenkasten steckten. Nun brauchte der Papa auch Arme. Wieder wurden meine Vorschläge abgelehnt und Saskia griff schließlich zu zwei Clementinen-Kisten, die auf dem Kaminholzstapel auf der Terrasse lagen. Ich hatte inzwischen den Bindedraht, der noch an den Tomaten-Stäben hing, aufgedröselt und zu einem akzeptablen Mund verarbeitet. Eine rosa Wäscheklammer konnte ich Saskia als Nase verkaufen, zwei Kieselsteine wurden die Augen. Dann stellte Saskia fest, dass Papa auch Ohren braucht und griff sich zwei weitere Klammern.

Kopffüßler

Ich finde, der Papa ist gut gelungen. Meine Frage, ob der Papa noch Haare braucht, wurde verneint. Auch als Bart war das angebotene Moos unerwünscht. 😉 Angeordnet hat Saskia das alles selbst – ich hätte die Arme ja etwas tiefer und die Ohren weiter außen angebracht, aber das nennt sich wohl „künstlerische Freiheit“. 🙂


* Schönes Wort! Ich wusste bis eben gar nicht, dass es so etwas gibt.

2 Gedanken zu “Kopffüßler

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