Verweigerung, Ignoranz und Aggressivität

Seit es Saskia gut geht, hat sie sich leider ein paar unangenehme Verhaltensweisen angewöhnt. Eine davon ist, erstmal allem zu widersprechen. Selbst, wenn es um Dinge geht, die sie mag: Wenn sie gerade in einer entsprechenden Phase ist, lehnt sie alles ab. Wenn man ihr helfen will, kommt ein „Tanni neine!“, soll sie etwas selbst machen, macht sie es aber nicht. Es liegt garantiert der falsche Medizinlöffel auf dem Tisch und sie möchte unbedingt genau jetzt das essen (oder haben), was ein anderer hat. Auch wenn sie sich 5 Sekunden vorher etwas anderes ausgesucht hat. Manchmal nervt das gewaltig.

Ganz besonders nervt es aber, wenn es um Dinge wie Körperpflege geht, über die es so gar nichts zu diskutieren gibt. Das Zähneputzen ausfallen zu lassen, ist keine Option. Eine Saskia, die auf die Aufforderung, ihre Zähne zu putzen, allerdings nur den Kopf schüttelt, ist allerdings sehr schwer dazu zu bringen. Ich bitte sie, ihre Zähne zu putzen – sie lehnt es ab. Ich bitte sie mehrmals – und sie lehnt mehrmals ab. Ich erkläre ihr, dass die Zähne kaputt gehen, wenn sie sie nicht putzt und sie dann Zahnschmerzen bekommt und bekomme zu hören, Zähneputzen sei doof. Ich sage, dass Zähneputzen gut ist und Zahnschmerzen doof sind und Saskia behauptet das Gegenteil. Wenn sie endlich vorm Waschbecken steht, entdeckt sie irgendetwas, was man zum Spielen benutzen kann (egal ob Qietsche-Entchen in der Wanne, Seifenspender am Waschbecken, Haargummis auf der Ablage oder was auch immer) und dann „muss“ sie erstmal dies oder jenes (zum Beispiel die Enten in die Wanne setzen oder die Gummis umsortieren oder oder oder). Der Dialog läuft dann meist irgendwie so ab: „Musse … matte.“ „Nein, musst du nicht.“ „Oh dot!“ „Putz dir bitte die Zähne!“ „Gleich …“ „Nein, jetzt.“ „…“ Sie spielt ungerührt weiter. „Saskia! Zähne putzen bitte.“ „… … …“

Keine Chance. Sie spielt und trödelt und ignoriert mich einfach … und treibt mich damit in den Wahnsinn. Das ist eine Art, die mich echt aggressiv macht und wo gewaltfreie Erziehung zur echten Herausforderung wird. Ich komme nicht zu ihr durch. Egal, ob ich es im Guten versuche oder laut werde oder ihr (wenn wir nach einer halben Stunde immer noch nicht weiter sind) selbst die Zähne putze. Was macht ihr in solchen Situationen?

5 Gedanken zu “Verweigerung, Ignoranz und Aggressivität

  1. Monique schreibt:

    Guten Abend,

    in solchen Situationen erstmal nicht bitten, sondern selbst wollen. Also hingehen, sie an der Schulter anfassen, ihr in die Augen schauen und sagen: ICH will, dass Du Dir jetzt die Zähne putzt. Und so lange in dieser Stellung bleiben und Sie in der Zwischenzeit nichts anderes machen lassen und auch selbst in der Zwischenzeit nichts anderes machen. Weil Du es willst und Du der Boss bist. Natürlich funktioniert das nicht immer… Ich kündige dann Konsequenzen an, so nach dem Motto: Es ist mir egal, ob Du putzt oder nicht, aber Süßes bekommst Du von mir nicht mehr. Meist wirkt das 🙂
    Wir haben solch eine Verweigerungshaltung beim Zähne putzen mehrmals die Woche. Immer wird gerade gespielt, man hat keine Zeit oder „Es ist mir zu langweilig“. Gerne wird auch gejammert, dass doch eigentlich erst der große Bruder mit Putzen dran ist. Solche Sachen eben. Gut wäre auch ihr klarzumachen, dass Sie jetzt bummeln kann, Du aber dann hinterher weniger Zeit für Sie hast, weil Sie dann eben schon ins Bett muss.

    Dieses Verhalten ist gaaaanz normal 🙂

    Viele Grüße aus Dresden,
    Monique

    • Hallo Monique,

      in solchen Situationen erstmal nicht bitten, sondern selbst wollen. Also hingehen, sie an der Schulter anfassen, ihr in die Augen schauen und sagen: ICH will, dass Du Dir jetzt die Zähne putzt. Und so lange in dieser Stellung bleiben und Sie in der Zwischenzeit nichts anderes machen lassen und auch selbst in der Zwischenzeit nichts anderes machen

      So einfach ist es leider nicht. Anfassen geht gar nicht. In der harmlosesten Variante bekomme ich dafür ein Kind, das sich entwindet und „Mama, nass das!“ ruft. In der heftigeren Variante wird meine Hand dann auch recht rüde zur Seite geschoben. Wenn ich versuche, Blickkontakt aufzunehmen, dreht Saskia sich weg. Auch mehrfach.
      Konsequenzen funktionieren zum Teil. Aber wenn Saskia morgens so lange trödelt, dass keine Zeit mehr fürs Frühstück bleibt, sieht Saskia das meist relativ locker – sie bekommt ja in der Schule ohnehin in absehbarer Zeit was zu essen. Ich dagegen werde grantig, wenn ich dann (zwangsläufig) ebenfalls hungrig aus dem Haus muss. Am Abend schränkt das Extrem-Trödeln im Bad die anschließende Vorlesezeit ein. Allerdings kann das dann gern zum nächsten Theater führen.

  2. Das klingt gut was Monique da schreibt. Ausprobieren!
    Normal ist es schon auch, und dass es so massiv alles aufeinmal kommt kann damit zu tun haben, dass Saskia früher nicht die Möglichkeit hatte „sich selbst zu beweisen“. Ich wünsche Euch viele Nerven und noch mehr Geduld.
    liebe Grüsse von Elisabeth, die es ja auch kennt dass Robert verweigert.

  3. Ritterspott schreibt:

    Klingt nach meiner Tochter. Die ist gerade in der Trotzphase, mittendrin. Meine Schwester – lebt in England – nennt diese Zeit „the terrible 2s“. Treffende Beschreibung, würde ich sagen. Bei unserer Großen hilft mitmachen und lachen. Wenn sie böse guckt – böse gucken, und dann lachen. Wenn sie brüllt – mitbrüllen, und dann lachen. Trotz funktioniert nur gegen Widerstand. Ohne Wand kein Kopp, um ihn dagegen zu hauen.
    Was auch hilft ist, den Fokus zu ändern. Kein Zähneputzen? Gut dann halt erstmal Hände einschmieren, und zwar mit Begeisterung, so, als wäre das das tollste überhaupt. Das reißt sie oft mit.
    Trotz ist anstrengend, aber auch zum Schreien komisch, und echt normal. 🙂

    • Ja, Ablenkung hilft zum Teil. Und auch das mit dem Widerstand ist richtig. Ich versuche in solchen Situationen, so wenig wie möglich drauf einzugehen. Aber trotzdem bringt mein Lieblingskind mich immer wieder zur Weißglut – gerade dieses Einfach-gar-nicht-Reagieren, wenn ich etwas sage, was ihr nicht gefällt, macht mich rasend.

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