Schule und Betreuung

Über Frau Brüllen und Karen bin ich auf das Thema (Grund-)Schule und Betreuung aufmerksam geworden und möchte hier auch meinen Senf dazu geben.

Ich selbst bin als Ost-Kind Baujahr 1970 (also noch vor Einführung des bezahlten Babyjahrs) mit Vollzeit- (noch dazu in unregelmäßigem Schichtdienst) arbeitender Mutti, sowie Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Oma und Opa aufgewachsen. An die Krippenzeit erinnere ich mich nicht, Kindergarten und Hort habe ich in guter Erinnerung – auch wenn sicher nicht alles perfekt war. Die allermeisten meiner Mitschüler hatten ebenfalls Vollzeit-arbeitende Eltern (und die zwei Mütter, die nicht arbeiten gingen, waren uns Kindern damals irgendwie suspekt). Wir gingen also ziemlich geschlossen von der Schule in den ca. 300m entfernten Hort. Dort gab es Mittagessen, im ersten Schuljahr auch noch Mittagsschlaf in 3-etagigen Stockbetten, dann wurde gespielt oder Hausaufgaben gemacht. Wenn ich nach Hause kam, war jemand da – entweder meine Oma oder meine Mutti. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten führten dazu, dass sie auch mal mitten in der Woche einen freien Tag hatte – das war ziemlich praktisch. Ich hatte etwa eine Viertelstunde Fußweg zur Schule und da in den Nachbarhäusern etliche Schulfreundinnen wohnten, gingen wir eigentlich immer in Grüppchen.

Als ich mit dem besten (damals noch nicht Ehe-)Mann von allen in eine westdeutsche Kleinstadt zog, war uns auch wichtig, dass es Kindergärten und verschiedene Schulen in der Nähe gibt, so dass unsere künftigen Kinder nicht stundenlange Wege haben würden oder auf unsere Fahrdienste angewiesen wären.

Vier Jahre lang besuchte Saskia einen integrativen Kindergarten hier im Ort – Betreuungszeiten von 8 bis 16 Uhr, 3 Wochen Sommerferien und 2 Wochen Weihnachtsferien. Damit konnte ich zwar nicht Vollzeit arbeiten gehen (das hätte ich aber auch gar nicht gewollt), aber immerhin 60% (ich habe leider eine gute Stunde Arbeitsweg pro Richtung).

Eine passende Förderschule gibt es allerdings vor Ort nicht und deshalb ist Saskia nun doch täglich mit dem Schulbus unterwegs. Bei der Wahl der richtigen Förderschule waren für uns auch die Betreuungszeiten wichtig und eine Schule, die um 13 Uhr endet – und „höchstens an einem Nachmittag pro Woche“ eine Nachmittagsbetreuung bietet, kam auch deshalb nicht näher in Betracht. Saskias derzeitige Schule bietet Ganztagsbetrieb – aus „wirtschaftlichen Gründen“ finden die Busfahrten allerdings in zwei Touren statt. Die „Kleinen“ sind jeweils in der zweiten Tour, was für uns bedeutet, dass Saskia derzeit morgens um 8:30 Uhr abgeholt wird und um 16 Uhr Schulschluss hat, also gegen 16:30 Uhr wieder daheim ist. Das passt für uns ganz gut. Problematisch werden die Ausnahmen: Freitags ist bereits 14 Uhr Schulschluss und ca. einmal im Monat gibt es eine Mitarbeiterbesprechung, da ist bereits um 12:45 Uhr Schulschluss. Dazu kommen gut 12 Wochen Ferien, in denen es von Seiten der Schule keine Betreuung gibt. Da wir hier keine Großeltern zur ständigen Verfügung haben und die Betreuung eines behinderten Kindes etwas aufwendiger ist (und man das Kind nicht mal eben zu Freunden „wegorganisieren“ kann), ist das immer mit einigem Organisationsaufwand verbunden. Ich habe mir zusätzlichen Urlaub erkauft, indem ich übers Jahr auf einen Teil meines Gehalts verzichte und damit ein Zeitkonto fülle. Außerdem gibt es einen privaten Verein, der für maximal 6 Wochen im Jahr (und 375 € / Woche) eine Ferienbetreuung anbietet. Eine Platzgarantie gibt es allerdings nicht und so bleibt immer ein etwas mulmiges Gefühl, ob es denn auch klappt mit der Zusage. (Bisher hat es zum Glück geklappt und gerade haben wir eine Zusage für zwei Wochen Ferienbetreuung in den Sommerferien bekommen.) Bleiben noch die halben Schultage. Hier haben wir es so gelöst, dass der beste Ehemann von allen freitags von zu Hause arbeitet und Saskia in Empfang nehmen kann, Saskia dann aber am Nachmittag trotzdem (bei uns zu Hause) fremdbetreut wird. Ab Mai von einer (hoffentlich netten) neuen Betreuerin, da die bisherige leider künftig wegen ihres Studiums keine Zeit mehr hat. Übrig bleiben die halben Tage mit den Mitarbeiterbesprechungen, die unregelmäßig verteilt sind. Das bedeutet meist einen Urlaubstag für mich, denn zum Arbeiten gehen reicht an diesen Tagen einfach die Zeit nicht.

Fazit: Ohne Ganztagsschule könnte einer von uns nicht arbeiten gehen, was schade wäre, da uns beiden unsere Arbeit wichtig ist (und sie eindeutig unserer geistigen Gesundheit dient, auch wenn es stressig ist). Für Freitage oder Besprechungstage reicht die schulseitig angebotene Betreuung trotzdem nicht aus und Ferien sind wohl bei allen beruftätigen Eltern problematisch. Leider ist uns in den vergangenen Jahren ein Großteil unserer Kontakte hier im Ort verloren gegangen, da der Alltag einfach zu unterschiedlich ist. Dass Saskia jetzt ganz woanders zur Schule geht, hat den Effekt noch verstärkt. Das bedeutet auch, dass Saskia leider keine Freunde hat, mit denen sie sich zum Spielen treffen kann. Angebote von (Sport-)Vereinen passen entweder zeitlich nicht (weil Saskia noch nicht zu Hause ist) oder weil sie auf einem völlig anderen Entwicklungsstand ist als andere Kinder. Eine (altersgemischte) Sportgruppe mit Bewegungsangeboten oder irgendwas mit Musik am Freitag Nachmittag oder am Wochenende wäre nett, aber da scheint es nichts zu geben. Ich suche aber weiter.

4 Gedanken zu “Schule und Betreuung

  1. Ich versteh Deine Gedanken so gut!
    Uns geht es auch so. Und …. seit vier Wochen wird Robert statt um kurz vor sieben Uhr erst um 7.35 Uhr abgeholt. Aufeinmal ohne Ankündigung … einfach so. Da ich aber an drei Tagen morgens ein Kind mit Behinderung abhole und in die Krippe fahre ist hier Stress entstanden. Nun muss ich meinen kleinen Nebenjob aufgeben, es ist mir nicht mehr möglich kurz nach 7 das Haus zu verlassen ….
    Zumind. wird Robert täglich bis 16 Uhr betreut und dann nach Haus gefahren. Bis auf den Freitag, aber auch da kommt er erst um ca. 15.20 Uhr heim. Das geht schon so …. bei Euch ist es schlimmer zu organisieren.
    Was mir momentan so viel ausmacht, ist zu spüren wie anderes und hilfbedürftig Robert ist. Nun ist er 13 Jahre, läuft viel draussen rum. Hat Freunde, aaaaber … ich muss ständig schauen was sie tun, wo sie sind. Er kann nichts abschätzen, keine Gefahren, keine Uhrzeiten … nichts. Wenn ein Gewitter kommt laufen andere 13jährige üblicherweis nach Hause. Er sitzt am Spielplatz, durchnässt und weint fast … 😦 … „Mama, alle haben mich allein gelassen!“
    Er will allein und gross sein, rumlaufen. Er will auch mal ein Handy, er will auch mal allein in die Eisdiele radeln…. aber all das geht nicht. Grad ist es sehr schwer es auszuhalten, dass seine Behinderungen doch so stark sind ….
    liebe Grüsse
    Elisabeth, die Saskia wieder eine Freundin in der Nähe wünscht. Das wäre so schön und wichtig für sie.

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