Geburtstagsgeschenk

Nachdem der beste Ehemann von allen sich im vorigen Jahr mit Anfallsfreiheit beschenken ließ, habe ich zu meinem gestrigen Geburtstag (an dem Saskia mal wieder nur einen halben Schultag hatte), die Gelegenheit zum Kontrolltermin beim Neurologen genutzt und mir ein normales EEG schenken lassen 😉 Im Normal-Bereich war das EEG zwar schon im Januar, aber damals war die Frequenz wohl noch im unteren Normal-Bereich, gestern war sie altersgerecht.

Ändern werden wir auch weiterhin nichts. Vielleicht reduzieren wir irgendwann (meiner Meinung nach frühestens nach 2-jähriger Anfallsfreiheit) tatsächlich das Orfiril – allerdings hatten der Neurologe und wir etwas unterschiedliche Meinungen über die Geschwindigkeit des Ausschleichens. Wir gehen von etwa einem Kügelchen (3mg) pro Woche (falls wir ganz mutig sind: pro Tag) aus, der Neurologe würde die halbe Kapsel (=75mg) auf einen Schlag weglassen. Ja nun … 😉 (Letztlich überließe er es aber uns – er kennt uns inzwischen auch gut genug, dass er weiß, dass alles andere ohnhin sinnlos wäre.)

Ansonsten gab’s ein bisschen Smalltalk über Curaçao, noch einen Krankenbesuch auf Station eine Etage tiefer, dann ging es wieder nach Hause und am Abend zum Square Dance, um mir meinen Geburtstags-Dangle zu verdienen.

Weihnachtswünsche

Mit ’nem Smartphone kann man ja lustige Sachen machen. Unter anderem bunte Bildchen bei Instagram angucken. Das führte dazu, dass Saskia sich spontan in einen Pulli mit Katze verliebte und so einen bitte zu Weihnachten haben möchte. Was wegen Zeitmangel, Stickmaschinenmangel und zu wenig Nähpraxis eher nichts wird. (Liebe Frau Brüllen, kann ich den in Auftrag geben?)

Außerdem wünscht sie sich einen Fußball und Fußballschuhe. Ähhh … wie jetzt?! Ich glaube, das Kind wird enterbt. Wie kommt sie denn auf so etwas?

Beim Ins-Bett-Bringen kam dann noch das Buch, in dem Conni staubsaugt und die DVD mit den Pinguinen dazu. OK, damit kann ich leben und die DVD hat der Weihnachtsmann bereits besorgt (das Buch vermutlich auch). Ich bin mal gespannt, was noch so dazu kommt, in den nächsten Tagen und Wochen. Konkrete Wünsche sind ja bisher doch noch was Neues.

Neulich hatte sie beim abendlichen Lesen schon festgestellt, dass ihr aus einer bestimmten Buchreihe zwei Bücher fehlen und sie die „unbedingt endlich“ haben wolle.

Strohelternwochenende

Für knapp 48 Stunden waren wir mal wieder „Stroheltern“. Saskia war zum zweiten Mal mit der Lebenshilfe auf Wochenend-Reise und wir haben uns einfach ein gemütliches Wochenende gemacht – wir waren im Kino (und während wir dort saßen, dachte ich, dass ich doch eine ganz andere Beschreibung des Films gelesen hatte – was, wie ich eben heraus gefunden habe, schlicht daran liegt, dass es ein ganz anderer Film war 😉 ), wir waren zur Rückenmassage und in der Sauna und abends mit Freunden nett essen (und ein ganz kleines bisschen spielen), haben ein paar Folgen „Dr. House“ geguckt … und dann war es auch schon Zeit, Saskia wieder abzuholen.

Da sie am Freitag sogar auf dem Weg zur Abfahrtsstelle noch erklärt hatte, sie wolle auf keine Reise gehen (und das, nachdem sie Ende Mai total begeistert war und am liebsten gleich wieder fahren wollte), war ich gespannt, wie sie es denn nun fand. Immerhin war Saskia dann doch fröhlich in den Bus eingestiegen und die SMS der Betreuerin gestern Abend machte ebenfalls Mut.

Als die Busse im Nieselregen ankamen, stiegen lauter fröhliche Kinder aus. Saskia hatte ein 2-Bett-Zimmer mit einem anderen Mädchen, mit dem sie sich gut verstanden hatte, es sei eine recht ruhige Gruppe gewesen, meinte die Betreuerin noch (was ich nach der sehr lauten Vorbesprechung eine Woche vorher nie und nimmer geglaubt hätte), aber sie hätten viel Spaß gehabt.

Saskia möchte auch nächstes Jahr wieder mitfahren, dann werde ich doch gleich mal den Anmeldebogen für 2015 ausfüllen, der vorige Woche in der Post war.

25 Jahre Mauerfall – Erinnerungen an den Herbst 1989

Am 9. November 1989 war ich gerade noch 18 Jahre, lebte in Leipzig, war im dritten Lehrjahr meiner Berufsausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur und würde diese gemeinsam mit dem Abitur im Sommer 1990 abschließen.

Ich war Jung- und später Thälmannpionier gewesen, war in der FDJ ebenso wie in der Jungen Gemeinde, ich hatte mit 14 an der Jugendweihe teilgenommen – und es auch nie in Frage gestellt. Ich wurde mit 17 konfirmiert – auf meinen Wunsch hin. Einigen reichte die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche, um mich skeptisch anzusehen, für größere Repressalien reichte es nicht. Dass ich meinen Wunsch-Ausbildungsplatz nicht bekommen habe, lag eher an den guten Beziehungen, die jemand anders hatte und die mir eben fehlten (genauso wie die West-Verwandtschaft, die nette Päckchen schickte). Ich wusste nach meiner Ausbildung immerhin, wo ich NICHT die nächsten Jahrzehnte arbeiten wollte – ist ja auch was wert. 😉

Über die Kirche bzw. die Junge Gemeinde lernte ich etliche Menschen aus anderen Gemeinden kennen, auch meinen damaligen Freund, der am anderen Ende Leipzigs wohnte. Wenn einer im Westen wohnt und im Nordwesten (außerhalb der Stadt) arbeitet, der andere im Südosten wohnt, dann kommt man zwangsläufig häufig durch die Innenstadt. Je nach Lust und Laune mit der Straßenbahn oder auch zu Fuß. Die Friedensgebete in der Nikolaikirche kannten wir, waren aber nur selten dort.

Im Sommer 1989 machte ich – ohne meinen Freund, aber mit 6 anderen Leuten aus unserem gemeinsamen Bekanntenkreis – eine Radtour durch Ungarn. Natürlich bekamen wir mit, was dort los war, sahen die Fotos in den Zeitungen von den an der ungarisch-österreichischen Grenze zurück gelassenen Trabis, wussten, dass die Grenze offen ist und interessierten uns nicht weiter dafür. Wir radelten unsere gut 500 km und fuhren schließlich wie geplant mit dem Zug zurück nach Leipzig.

Die Sommerferien waren zu Ende, die Schule hatte wieder begonnen, die Staatsbürgerkunde-Lehrerin war enttäuscht, weil noch keiner aus der Klasse Mitglied der SED war und weil sich keiner am Montag Abend nach dem alten Film im DDR-Fernsehen noch den „Schwarzen Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler ansah. Alles wie immer also. Allerdings gingen nun mehr Menschen zu den Friedensgebeten und irgendwann gingen sie anschließend nicht einfach nach Hause, sondern auf die Straße. Anfangs waren es wenige und man hörte am nächsten Tag von dem einen oder anderen, der am Montag „zugeführt“ und später wieder frei gelassen wurde. Es waren Menschen dabei, die ich mehr oder weniger gut kannte und es war jede Woche wieder ein beklemmendes Gefühl. Es wurden mehr Menschen, die auf die Straßen gingen. Ich war nicht bei jeder Montagsdemo dabei, aber bei vielen. Ich erinnere mich an die Demos Anfang Oktober 1989, als noch nicht klar war, wie die Polizei reagieren würde. Als plötzlich Polizisten mit Helm und Schutzschild vor uns standen (was ich so nur aus dem Westfernsehen kannte) und keiner wusste, wie sie reagieren würden. Ich erinnere mich an die Kerzen, an die Rufe „Keine Gewalt!“ und daran, dass alles friedlich blieb. An die Massen, die eine Woche später auf die Straße gingen und daran, dass plötzlich irgendwie alle dabei waren. Wir liefen den Ring entlang, am Stasigebäude („Runde Ecke“) vorbei und wir hatten wirklich das Gefühl, dass die Stasi uns nichts mehr anhaben könne.

Die Demonstrationen am Montag-Abend gehörten nun zu unserem Leben und wir hofften, wir können etwas verändern. Reisefreiheit war ebenso ein Wunsch wie „Mehr Demokratie“. Wir hofften auf eine Erneuerung des eigenen Landes, auf den Rücktritt der gesamten „Partei- und Staatsführung“ und auf freie Wahlen und konnten es uns kaum vorstellen.

Was ich am 9. November 1989 gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Freitag, dem 10. November, beschlossen mein Freund und ich, am nächsten Tag nach Berlin zu fahren, um wenigstens einmal im Westen gewesen zu sein und unsere 100 DM Begrüßungsgeld abzuholen – schließlich wusste ja keiner, wie lange die Grenze offen bleiben würde.

Gummiartig

Am Donnerstag der zweiten Therapiewoche hatten wir Eltern endlich die Gelegenheit, auch mal mit einem Delfin zu schwimmen, während Saskia von zwei Praktikantinnen betreut wurde. Es war leider nicht Saskias Therapiedelfin, da dieser noch bei einem anderen Kind im Einsatz war. Wir versuchten es zunächst mit Papito, der allerdings andere Pläne hatte und bekamen dann Bonnie zugeteilt.

Wir hatte vorher eine kurze Einweisung, Schwimmgürtel und Flossen bekommen, nun ging es ins Wasser und es war schon ein seltsames Gefühl, nun plötzlich ein doch recht großes Tier auf sich zuschwimmen zu sehen. Andererseits wirken Delfine so freundlich, dass man sie am liebsten knuddeln möchte. Die Haut fühlt sich warm und ziemlich gummiartig an. Da Festhalten an der Rückenflosse für Erwachsene nicht erlaubt ist, um dem Delfin nicht weh zu tun, blieb nur, die Hand bzw. den Arm an die Seite zu legen und zu versuchen, neben dem Delfin herzuschwimmen. Bonnie hatte teilweise ein ganz schön flottes Tempo drauf und es war gar nicht so einfach, ihr zu folgen. Also schwammen wir mal gemeinsam, mal schwamm ich mit ihr ein Stückchen, mal der beste Ehemann von allen.

Ich bin bekanntlich nicht die allerbeste (und vor allem nicht die schnellste) Schwimmerin, aber insgesamt klappte es recht gut. Das sehr salzige Wasser sorgte für guten Auftrieb und dank der Flossen kam man gut voran. Allerdings war es für die Fußgelenke recht anstrengend, fand ich.

Der Delfintrainer zeigte uns noch einige Gesten, mit denen wir Bonnie dazu brachten, uns ein (oder auch mehrere) Küsschen zu geben (so eine Delfinschnauze ist erstaunlich hart 😉 ), mit uns zu tanzen, Kopfstand zu machen und ähnliches. Natürlich ist Bonnie auch im hohen Bogen über eine Stange gesprungen – gesehen habe ich davon wegen des Gegenlichts allerdings fast nichts.

Es hat Spaß gemacht und die Zeit verging sehr schnell. Gefühlt waren wir etwa 20 Minuten im Wasser – da wir jedoch (inklusive Duschen und Umziehen) erst nach einer Stunde wieder bei Saskia waren, war die tatsächliche Zeit wohl etwas länger. 😉