Unterschiedliche Ansichten

Nach der Aktion mit den fehlenden Socken gestern hatte ich in Saskias Mitteilungsheft geschrieben, dass ich das nicht gut fand. Heute gab es eine Rückmeldung in diesem Heft, die mich mindestens genauso sauer macht. Diejenige, die gestern Nachmittag für Saskia zuständig war, sieht das offenbar recht locker und meinte, barfuß sei ja anders (immerhin hatte Saskia ja Schuhe an).

Nebenbei erklärt sie dann noch recht ausführlich, weshalb Saskia nun doch nicht an der Skireise Anfang 2015 teilnehmen kann. Warum sie das erläutert, weiß ich nicht genau – wir hatten vor ca. 2 Wochen mal in der Schule nachgefragt, weil es Anfang dieses Jahres hieß, sie würden Saskia gern mitnehmen und wir danach nie wieder was gehört hatten. Die Antwort lautete neulich, sie sei nun doch nicht dabei, was wir so akzeptiert hatten. Heute kommt (ungefragt) eine hanebüchene Erklärung, die letztendlich darauf hinausläuft, dass es (falls viel Schnee liegt) zu gefährlich sei, falls Saskia dort wegen eines längeren Anfalls in (wohl relativ nahe gelegene) Krankenhaus müsse. Das ärgert mich aus so vielen Gründen, dass ich gar nicht weiß, wie ich damit jetzt umgehen soll:

  1. ist Saskia seit fast 2 Jahren anfallsfrei
  2. hat Saskia auch in ihren schlimmsten Zeiten nie Anfälle gehabt, bei denen sie notfallmäßig ins Krankenhaus musste. Sie hatte hässliche Serien, bei denen wir dann irgendwann mal Notfallmedikamente gegeben haben, aber nichts akut Lebensbedrohliches. Ich kann zwar nicht garantieren, dass sie anfallsfrei bleibt, aber ich halte es für hinreichend unwahrscheinlich, dass sie ausgerechnet in dieser einen Woche so schlimm krampft, dass der potentielle Schnee auf dem Weg ins Krankenhaus ein ernsthaftes Problem darstellt.
  3. kam der Vorschlag mit der Reise von der Schule (und sogar von genau dieser Frau, die es sich „sehr gut vorstellen könne …“), sonst hätten wir ja gar nicht gefragt.
  4. nervt es mich, dass offenbar ein wesentlicher Anteil der Lehrer, Erzieher und Therapeuten ein Problem mit der Epilepsie hat und wir es jedes Mal ausbaden müssen. Immer wieder wird uns erzählt, was sie für tolle Sachen machen und jedes Mal wird zurück gerudert, sobald es konkret wird und Saskia teilnehmen soll oder will.
    Erst wird uns vom großartigen schuleigenen Schwimmbad vorgeschwärmt, dann folgen monatelang Ausreden, weshalb Saskia nicht ins Wasser darf; dann wird uns erzählt, dass es in der Schule therapeutisches Reiten gibt und es folgen Ausreden, als wir fragen, wann und wie Saskia teilnehmen kann (letztlich geht es nur mit Extra-Bescheinigung vom Neurologen und nach wie vor nur ausnahmsweise, wenn andere Kinder ausfallen – Saskia darf trotz wiederholter Anfragen unsererseits nicht regelmäßig zum Reiten, wir gehen inzwischen privat) – die Skireise reiht sich „wunderbar“ in die Reihe der leeren Versprechungen ein. Dass als Abschluss-Satz im Mitteilungsheft steht, auch bei diesen Reisen bekämen die Kinder gelegentlich kalte Füße (was ich dann doch so lese, dass ich mich wegen der nackten Füße gestern nicht so anstellen solle), macht meine Laune nicht gerade besser.

Wenn ich eine Wahl hätte, wäre Saskia wohl nicht mehr lange Schülerin an dieser Schule.

14 Gedanken zu “Unterschiedliche Ansichten

  1. Ich war die letzten Wochen viel mit einer Freundin zusammen, deren Kind auch in eine Einrichtung „zur geistigen Förderung“ geht. Nun frag ich mich, warum sich ihre, Deine und meine Erfahrungen so ähneln …. das kann und darf einfach nicht sein. Und ist es doch … scheinbar im ganzen Land immerwieder!
    Auch diese Mutter ist nicht überempfindlich, überängstlich etc. Das Kind darf immer noch nicht dabei sein wenn „Schwimmen“ im Stundenplan steht. Das Kind muss noch immer püriert essen, obwohl nun schon lang gut gekaut wird … etc.
    Und nun darf das Kind nur mit ins Schullandheim wenn die Eltern jemanden organisieren, der dieses eine Kind begleitet. Das Kind ist aber schon drei Jahre in dieser Schule, ohne Individualbegleitung. Hat auch seit fast 2 Jahren keine Anfälle mehr ….
    So wie Du den Abschlusssatz (mit 3 „sss“, oder? … hm ich weiss nicht genau!) in Eurem Mitteilungsheft deutest würden wir das auch sehen.
    Es ist nicht richtig wie das läuft!
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

  2. Wibbel schreibt:

    Boah – da werde ich ja als komplett Unbeteiligte gleich mit sauer. So etwas darf doch wohl (gerade an einer Schule für so besondere Kinder wie Saskia!) nicht wahr sein!
    (Wobei ich es auch als Mutter von gesunden Kindern nur allzu gut kenne, dass beim Tag der Offenen Tür an einer weiterführenden Schule das Blaue vom Himmel versprochen wird, was es alles für tolle pädagogischen Konzepte, Unternehmungen und Aktivitäten geben werde – nichts davon wurde eingehalten! Aber das betraf dann ja wenigstens die komplette Klasse/Jahrgangsstufe und nicht ein einzelnes Kind. Aber ich bin Jahre nach dem Abitur dieser Kinder immer noch sauer…)

    • Ja, wahrscheinlich gehört das beim „Tag der offenen Tür“ irgendwie dazu, dass man alles in den tollsten Farben ausmalt. Ich möchte ja so gern mal Mäuschen sein und mal wissen, wie ein normaler Tag in Saskias Klasse abläuft. Aber, wenn ich zum Hospitieren käme, wäre es eben schon wieder kein „stinknormaler Tag“. Und beim diesjährigen „Tag der offenen Tür“ gibt es in Saskias Klasse (wie auch in den letzten Jahren) wieder kein Angebot. Auch irgendwie seltsam. In fast allen anderen Klassen kann man am Unterricht teilnehmen, nur in dieser nicht. Warum eigentlich?

  3. Lars schreibt:

    Ich bin sprachlos. Ich glaube, ich wäre mittlerweile ein paar mal emotional explodiert (liegt aber auch an meiner derzeit etwas gestressten Verfassung). Kann Dich gut verstehen und ich würde das Gespräch suchen, um denen mal aufzuzeigen was sie da eigentlich tun. Hoffnung aufbauen und dann mit nem Laster drüber fahren. Ich glaube nicht, dass den handelnden Personen vor Ort das klar ist.

    • Ja, wir haben vor, um ein Gespräch zu bitten – haben nur telefonisch noch niemanden erreicht. Bezüglich der Hoffnungen: Wir erzählen Saskia gar nicht erst von irgendwelchen Möglichkeiten, bis es nicht wirklich feststeht. Auf diese Weise bleiben zumindest ihr die Enttäuschung und uns sinnlose Diskussionen erspart.

  4. V.Zuellig schreibt:

    Also ich bin entsetzt ob den letzten Posts. Ohne Unterwäsche, ohne Socken, das geht ja wirklich nicht, das ist Kindsmisshandlung. Und die leeren Versprechungen…………. Schlimm ist vor allem, dass man kaum eine Wahl hat bei der Auswahl der Schulen und darum wohl nicht so energisch auf die Barrikaden steigen kann wie man möchte. Aber wehrt euch, Saskia hat wirklich eine „menschenwürdige Behandlung“ verdient, wie alle Kinder es verdient haben.
    liebe Grüsse
    Vreni CH

  5. Hesting schreibt:

    Mir fällt jetzt noch eine Geschichte ein, erzählt von einer befreundeten Sozialpädagogin. Sie arbeitete mitten im Odenwald, also zwischen grünen Hügeln und viel Natur, und war in der Kindernachmittagsbetreuung. Und da begab es sich mit einem bestimmten Kind mehrmals, dass es auf den 2km (?) Marsch von der Schule zur Betreuung einen Schuh im Bach verlor. Einfach so. Meine Bekannte hat das sehr fuchsig gemacht.

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