Spongebob und die Vorurteile

Nachdem mein letzter Artikel offenbar nicht nur auf Zustimmung stieß, will ich mal versuchen, ein paar Dinge gerade zu rücken.

Vorurteile werden also gefällt. Welche denn? Dass ich Spongebob nicht schön finde? Tut mir leid, das ist kein Vorurteil, das ist eine Tatsache. Wie gesagt, ich kenne den Film und auch die Fernsehserie nicht, aber das, was einem im Alltag begegnet – egal ob als Aufkleber, T-Shirt, Radiergummi oder sonstwo – das gefällt mir persönlich nicht. Das ist kein Problem für mich, ich bin ohnehin nicht die Zielgruppe dieser Sachen und ich gehe nun auch nicht hin und zerstöre sie, weil ich sie ganz grässlich finde. Ich würde es nur nicht freiwillig kaufen. Vielleicht sind die Filme inhaltlich nett, das mag sein. Und vielleicht entgeht mir (oder meinem Kind) etwas, wenn wir uns das nicht ansehen, aber auch damit kann ich leben.

Saskia hat sich bis vor einem halben Jahr weder für Fernsehen noch für Kino interessiert. Die Aufmerksamkeitsspanne lag bei maximal 10 Minuten, wenn sie denn überhaupt mal was gesehen hat – und das war sehr, sehr selten. Bei uns läuft der Fernseher generell sehr wenig und tagsüber normalerweise gar nicht. Demzufolge kennt sie weder Werbung noch irgendwelche Kinderserien und die entsprechenden Figuren. Sie ist also ohne Spongebob, aber auch ohne Benjamin Blümchen, ohne Calliou, ohne Bibi Blocksberg, ohne Wickie, ohne Yakari und ohne Lauras Stern aufgewachsen – nicht, weil wir das so beschlossen haben, sondern weil sich das einfach so ergab. Das hat aber zumindest den Vorteil, dass man nicht ständig Artikel mit Bildern der Lieblingsserie kaufen muss. Auch Barbie oder Polly Pocket gibt es hier nicht.

Inzwischen guckt sie ab und zu mal „Shaun, das Schaf“ oder „Conni“ auf DVD, in den Weihnachtsferien haben wir „Urmel aus dem Eis“ und die „Eiskönigin“ geguckt und neuerdings ist sie großer Fan der Maus-App auf dem Tablet, guckt alle möglichen Lach- und Sachgeschichten und hat dabei Spaß. Ob die Aufmerksamkeit für einen kompletten Kinofilm reichen würde, ist schwer zu sagen. Im Flugzeug reichte es jedenfalls nicht, ich habe mir „Rio“ letztlich allein angesehen, Saskia hat sich durch verschiedene kurze Filmchen gezappt. So weit, so gut.

Ob Saskia irgendwo in der Schule oder im Hort schon mal mit Spongebob in Berührung gekommen ist, weiß ich nicht. Vielleicht kennt sie die Figur tatsächlich – zu Hause war es nie Thema. Warum auch? Saskia hat jedenfalls gesagt, sie möchte nicht ins Kino – das war ihre Meinung, ob die nun begründet ist oder nicht. Und ich werde sie ganz sicher nicht zwingen, sich Spongebob anzusehen. Ja, in gewisser Weise freue mich auch, dass die Tatsache, dass etliche andere Kinder sich den Film ansehen, nicht ausreicht, um Saskia ausreichend anzulocken.

Was Saskias eigene Meinung angeht, finde ich sehr spannend, was man aus ein paar Blogbeiträgen offenbar so alles rauslesen kann. Oh doch, Saskia hat durchaus eine eigene Meinung, die sich bei weitem nicht immer mit unserer deckt. Je nach Situation muss sie sich aber trotzdem unterordnen. „Ich finde Zähneputzen doof.“ mag ja ihre Meinung sein, ist aber inakzeptabel. „Ich will nicht zum Kindertanzen gehen.“ fand ich dagegen zwar schade, denn eigentlich hatte Saskia Spaß dabei, aber wenn sie nicht möchte, ist es eben so. Vielleicht probieren wir es irgendwann nochmal, aber derzeit ist das Thema vom Tisch. Da darf sie durchaus ihre eigene Meinung haben.

Zum Thema Schule habe ich hier im Blog bereits ausführlich geschrieben. Wir haben uns bewusst für diese Schule entschieden, weil es die einzige Schule im erreichbaren Umkreis ist, bei der Förderschwerpunkt, angebotene Betreuungszeiten und unsere Anforderungen einigermaßen zusammen passen. Nein, wir sind nicht rundum glücklich mit der Schule, aber ich sehe derzeit keine Alternativen. Wenn das jemand anders sieht: Nur her mit den Ideen!

Ob, wann und wie Saskia lesen, schreiben und rechnen lernen wird, wann sie ihr Abi macht und ob der Notendurchschnitt dann fürs Jura-Studium reicht, wird die Zukunft zeigen.

4 Gedanken zu “Spongebob und die Vorurteile

  1. Guter Beitrag und ich möchte noch etwas loswerden: Beiträge sind noch nicht per se dazu da, nur auf Zustimmung zu stossen, oder? Kontroverse Diskussionen machen das Leben und Lesen doch spannend. 🙂 🙂

    • Nein, es muss mir nicht jeder zustimmen und es darf gern diskutiert werden. Ich fand nur, ein paar Dinge sollten gerade gerückt werden und da es mir für einen Kommentar zu lang wurde, habe ich einen extra Beitrag daraus gemacht.

  2. Ich habe „Melanie“ direkt unter ihrem Kommentar im vorigen Post geantwortet.
    Saskia-Mama, ja ein guter Beitrag.
    Na klar, Diskussionen machen das Leben spannend. Stimmt wirklich. Aber machmal greifen die Kommentare an, da geht es gar nicht um Diskussionen.
    Elisabeth

  3. Ui, da hab ich ja was verpasst…. Find ich gut, deinen Post danach. Klar, keine Frage. Es ist spannend, wenn kleine Diskussionen oder eben Meinungsaustausch im Blog herrschen. Das ist in Blogs (leider) ohnehin sehr selten. Aber was ich nicht gut finde: als Kommentar einfach Vorwürfe in den Raum zu stellen…. und zu verschwinden….
    Beim Spongebob halt ich mich jetzt zurück 🙂 ich mag diesen Kerl. Meine Kids sehen die Sendung aber nicht. Hier wird eher das Kikaninchen geschaut. Oder Wickie, Yakari. Sowas halt (und nur kurz am Abend – weil die Mama – die Spaßbremse unter Tags so überhaupt nicht fernsehen will 🙂
    Ich möchte, dass meine Kinder so weit es geht, eine eigene Meinung haben. Kann mich aber nur den anderen Kommentaren anschießen: nicht alles kann man ohne wenn und aber „hinnehmen“. Und ja, wir betroffene Eltern müssen viel „dulden“. Den Vorwurf, aber der Einfachheit halber dem eigenen Kind keine eigene Meinung zu lassen find ich dreist.
    Saskia-Mama: ihr macht das mehr als toll! Und ich finds super, dass die Saskia so bestimmt schon sagt, was sie will und wozu sie keine Lust hat. Mann muss nicht ins Kino wollen und sich Schwämme ansehen 😀
    Übrigens: wir fliegen 10 Tage nach Spanien. 2 vor der Therapie (das wir uns mal zurechtfinden) und dann noch 2 nachher. Zum ausklingen lassen….
    liebe Grüsse
    tanja

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