Dämliche Bürokratie!

Einmal im Monat hat Saskia statt 16 Uhr schon um 12:45 Uhr Schulschluss, weil sich am Nachmittag Lehrer, Erzieher und Therapeuten zur Besprechung zusammen setzen. Für uns bedeutet das, dass ein Elternteil Urlaub nehmen muss, denn wenn Saskia erst um 8:30 Uhr das Haus verlässt und kurz nach 1 schon wieder zurück ist, brauche ich (mit einer Stunde einfachem Arbeitsweg) gar nicht erst aufzubrechen.

Dieses Mal fiel der Besprechungstermin auf einen Donnerstag und da Saskias Neurologe am Donnerstag (und Freitag Vormittag – sonst nicht) ambulante Sprechstunde hat, wollten wir die Gelegenheit für einen Kontrolltermin nutzen. So weit, so gut. Für diesen Termin brauchen wir allerdings eine Überweisung von der Kinderärztin. Diese Überweisung wollte ich vorige Woche holen und stand vor verschlossener Tür – die (einzige) Kinderarzt-Praxis im Ort hat seit Ostern Urlaub bis zum 17.4. Ein Anruf in der Neurologie ergab: Nein, ein Nachreichen der Überweisung ist nicht möglich. Auch nicht ausnahmsweise. Auch nicht, wenn das Quartal gerade erst begonnen hat und noch gaaanz viel Zeit dafür wäre. „Gehen Sie doch zum Vertretungsarzt und holen Sie sich dort eine Überweisung. Sonst müssen wir den Termin absagen.“ WTF?! Ganz ehrlich: Diese Bürokratie kotzt mich echt an. Ist ja nicht so, als wären wir nicht schon ca. 40 Mal dort gewesen. Sie kennen uns, es gab NIE Probleme – und ich bin ganz sicher, dass wir vor ca. 2 Jahren auch mal ’ne Überweisung nachgereicht haben, weil es aus irgendwelchen Gründen nicht anders ging. Diesmal führte kein Weg rein.

Problem beim Vertretungsarzt ist: Überweisungen macht man dort eher ungern, denn schließlich kennt der Arzt ja die ganze Vorgeschichte gar nicht und braucht auch den Bericht nicht. Abgesehen gibt es im Ort eben keine Vertretung, weil es nur eine Kinderärztin gibt. Der im Nachbarort, wo wir auch schon mal waren, hat leider so bekloppte Öffnungszeiten, dass es selbst mit einem Teilzeitjob nicht machbar ist. Also blieb nur eine allgemeine Arztpraxis im Ort, die vormittags auch Kinder behandeln und bei der wir vor Jahren auch schon mal mit ’ner Platzwunde waren. Anruf ergab: Kommen Sie morgen früh vorbei. Wir machen das, eventuell will die Ärztin sie kurz sprechen. Okay. Ich kam also um halb 9 in die Praxis, erzählte nochmal, worum es geht und bekam als Antwort: „Können Sie gegen halb 11 wieder kommen?“ Ähhh … neee. „Tut mir leid, ich muss zu Arbeit.“ „Hmmm … Dann nehmen Sie kurz im Wartezimmer Platz.“

9:20 Uhr wurde ich dann ins Sprechzimmer gebeten. Endlich. Und dort saß ich dann. Und wartete … wartete … wartete. Nach einer halben Stunde fragte ich an der Anmeldung nach, ob man mich vergessen habe. Nein, aber die Ärztin sei noch beschäftigt. Also weiter warten. Da sich die Praxis im Keller eines Einfamilienhauses befindet, gibt es nicht mal Handy-Empfang. Im Büro Bescheid sagen ging also nicht. Raus zu gehen traute ich mich nicht – denn laut Murphy wäre genau in diesem Moment die Ärztin erschienen. 10:05 Uhr tauchte eine mir unbekannte Ärztin auf (die wohl derzeit in der Praxis aushilft), guckte kurz auf den Computer, fragte, ob es um Epilepsie ginge, was ich bejahte … und unterschrieb den bereits ausgedruckten Überweisungsschein. Nach etwa 30 Sekunden verabschiedeten wir uns und dafür habe ich reichlich anderthalb Stunden dort verbracht. Aber zum Glück habe ich ja sonst nichts zu tun.

Die Fragen, die ich mir stelle:

  • Warum kann ich die Überweisung nicht ’ne Woche später nachreichen? Von mir aus gegen Unterschrift, dass sie die Leistung (EEG und Arztgespräch) sonst privat abrechnen.
  • Warum rufe ich vorher an und erkläre, worum es geht und werde aufgefordert, am nächsten Morgen vorbei zu kommen, wenn ich dann doch noch ’ne Ewigkeit warten muss?
  • Und warum wird man bereits eine Dreiviertelstunde, bevor der Arzt kommt, ins Sprechzimmer geschickt, wo es (im Gegensatz zum Wartezimmer) weder ’ne bunte Zeitschrift noch sonst irgendeine Beschäftigung gibt? Diese Unsitte greift in den letzten Jahren ganz gewaltig um sich. Ich habe kein Problem damit, ein paar Minuten im Sprechzimmer zu warten, damit der Arzt möglichst wenig Leerlaufzeit hat, aber es sind regelmäßig 20 Minuten und mehr – diesmal war es eine Dreiviertelstunde in einem kleinen Raum, der abgesehen von einer Liege, einem Wickeltisch sowie dem Computer in der Ecke recht leer war. Man guckt also die Wände an und wartet.

10 Gedanken zu “Dämliche Bürokratie!

  1. vielesommersprossen schreibt:

    Das ist nicht nur Bürokratie, dass ist auch Willkür. Völlig unverständlich. Wenn sie ihre Arbeit nicht als notwendiges Übel ansehen würden, wäre solch ein Arbeitsstil undenkbar.

  2. Oh weh, wie doof. Ich kenn es leider auch so. Hier dürfen die allg.Ärzte, warum auch immer, gar keine Überweisungen mehr schreiben wenn das Kind eine „besondere“ Untersuchung braucht. Wir haben so lang gebraucht einen guten Kinderarzt zu finden hier auf dem Land. Das hiess, dass ich fast 100 km gefahren bin um zum alten Kinderarzt zu kommen, und der wollte das Kind überhaupt nicht mehr sehen…. Ausfüllen, kurz mit mir reden, das war’s.
    In Behandlungszimmern zwischengelagert wurden wir auch schon oft. Das hab ich noch nie verstanden, denn Robert bleibt ja nicht ruhig sitzten. Er würde dann am liebsten alles genau untersuchen. Susanne nimmt inzwischen eine Zeitung mit aus dem Wartezimmer … „hab ich gelernt!“ sagt sie grad eben lachend, weil sie mitliest. Und ich soll Euch ganz lieb grüssen!
    Wenn ich mir vorstelle wieviele Urlaubstage dafür gebraucht werden ist das doch nur noch unverschämt vom System, oder?
    liebe Grüsse
    Elisabeth

    • Ja, auf dem Land ist das sicher noch blöder. Mir reichte es auch so, ich war (und bin teilweise noch) richtig sauer.
      Schönene Gruß zurück an Susanne. Ich nehme mir inzwischen auch schon manchmal Zeitschriften mit ins Sprechzimmer, aber mit dieser Wartezeit hatte ich vorgestern wirklich nicht gerechnet.

      Es ging in diesem Fall glücklicherweise kein Urlaubstag drauf, ich kam „nur“ eine Stunde zu spät zur Arbeit. Sollte man aber auch nicht dauernd – gerade wenn man eh‘ nur 5 Stunden da ist.

  3. Hesting schreibt:

    Das war definitiv Willkür. Ich habe schon zweimal Überweisungen nachgereicht, einmal beim Nuklearmediziner, wo ich Stammgast bin, und einmal bei einem Kardiologen (Ersttermin). Nicht, daß die jeweiligen Sprechstundenhilfen besonders fröhlich geguckt hätten beim eigentlichen Termin, aber sie haben es mitgemacht. Man muß es dann spätestens eine Woche vor Quartalsende abgeben.
    Das mit dem „im Sprechzimmer parken“ kenne ich gar nicht anders und finde es deshalb nicht tragisch. Bei meiner Darmstädter Hausärztin habe ich manchmal einfach die Zeitschrift aus dem Wartezimmer mitgenommen. 😉

    • Das mit den Überweisungen habe ich so, wie du es beschreibst, auch schon erlebt. Sollte ich mal wieder in die Situation kommen, frage ich gar nicht erst vorher.

      Teilweise habe ich das mit den Zeitschriften aus dem Wartezimmer auch schon gemacht – diesmal bin ich reingefallen, weil ich nicht geglaubt hätte, dass ich für ein „Mini-Gespräch“ soooo lange warten muss.

  4. ohja. zu viel fragen, ist nix 🙂
    Bei uns in Österreich gibts ja nur mehr die ECard. Die hat man immer dabei. Das ist dann schon praktisch.
    Das warten trotz Termin ist aber auch immer wieder ne Sache, die mich ganz narrisch macht. Mühsam….
    Lass dir liebe Grüsse hier,
    Tanja

    • Hier ist es die „elektronische Gesundheitskarte“, die man immer dabei hat. Dass und wo Saskia versichert ist, ist also ohne Probleme feststellbar, die Karte wird auch auf jeden Fall gebraucht und eingelesen, ohne sie geht (nahezu) nichts. Fachärzte verlangen aber oft trotzdem eine Überweisung vom Haus- bzw. Kinderarzt. Warum es manchmal auch ohne geht und manchmal nicht, erschließt sich mir nicht.

      Viel Spaß übrigens beim Bad-Umbau. Ich bin gespannt auf Vorher-Nachher-Fotos. Wir haben das demnächst auch noch vor uns – allerdings zum Glück inzwischen ohne den Pflege-Aspekt. (Dafür aber ein Bad in „curry“ und beige aus den 70er Jahren – Bedarf ist also da und neuerdings werden die Leitungen mürbe ….)

  5. Heute hat es mich getroffen, das Bürokratismus-Monster.
    Robert schläft sehr unruhig, verdacht auf kleine Anfälle. Heute früh Anruf vom SPZ, ich könnte morgen zum EEG kommen und gleich noch Gespräch mit der Ärztin.
    Ist ja schon für sich so ne Sache, weil eines meiner Tageskinder muss ich mitnehmen.
    Schule, HPT ist er befreit, ging schnell.
    Kinderarzt: „Ja, kommen sie heute Nachmittag mit Kind, dann gibt es die Überweisung!“ sagt die nette Sprechstundenhelferin.
    „Kind ist in der HPT“
    „Der Herr Doktor muss ihn schon sehen!“
    „Wir waren dieses Jahr doch schon 7 Mal da!“
    „Ausnahmsweise, aber bitte das nächste Mal den Termin früher ausmachen und mit Kind kommen!“
    Ich bin nun am Nachmittag einfach in die Praxis und was passiert?
    „Ah ja, nun kommen Sie schon heute, die Überweisung ist noch nicht fertig!“
    Kommt Roberts, mir sehr ans Herz gewachsener Arzt daher, grinst und sagt: „Ohne Kind? Was fehlt IHNEN denn? Oder sind sie doch wegen Robert hier!?“
    Kurze Erklärung, er saust an den PC, drückt hier und da und dort … brummt der Drucker, unterschreibt der Arzt und dann: „Aber gebts mir fei scho Bscheid was die gscheiten Doktoren im grossen Krankenhaus rausgfunden haben! Viel Spass mit Robert dort!“ und schon geht er mit breiten Grinsen wieder zum nächsten Patienten.

    Ich musste dann auch grinsen und bin mit der Überweisung wedelnd aus der Praxis raus ….
    Wie wird es wohl morgen werden? Mit was kauf ich mir mein Kind, er hasst doch dieses EEG-machen.

    schönen Abend
    Elisabeth

    • Schön, dass der Arzt so wunderbar unkompliziert ist.
      Auf deine Frage habe ich leider keine Antwort – beim EEG letzte Woche hat es nach einigem Zureden geklappt – wobei Saskia eigentlich kein Problem mit dem EEG hat, sie braucht nur ewig, um „aufzutauen“ und vorher steht sie dann in zusammen gekrümmter Haltung da und die Schwester kann sie nicht verkabeln. Da ist dann auch kein Rankommen. Zeit würde helfen, aber wo hat man die? – Die nächsten Patienten warten ja draußen bereits.
      Gestern beim Zahnarzt hab ich es nicht geschafft, sie zu überreden. Ich hoffe, du bist bei Robert erfolgreicher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s