Runter gestuft

Wie vorhergesehen hat der MDK in seinem Gutachten deutlich weniger Pflegebedarf festgestellt als vor 3 Jahren. Das ist nicht überraschend, denn schließlich geht es Saskia ja deutlich besser und sie ist wesentlich selbstständiger. Im Vergleich mit einem gleichaltrigen normal entwickelten Kind gibt es allerdings noch immer eine ganze Menge Aufwand. Mindestens zwei Ärzte und eine Therapeutin hatten in den vergangenen Wochen erklärt, dass es eigentlich immer noch für Pflegestufe 2 reichen sollte.

Der MDK-Gutachter ist der Meinung, wir haben nun täglich noch 90 Minuten Aufwand für die Grundpflege (ehemals 272 Minuten) – und damit reicht es nur noch für Pflegestufe 1. Einerseits natürlich toll, weil es Saskias Entwicklung dokumentiert, andererseits bedeutet es natürlich erheblich weniger Pflegegeld (und ich bin jetzt gespannt, wieviel dann tatsächlich gezahlt wird, ich sehe seit dem „Pflegestärkungsgesetz“ hier (Tabelle Seite 2 oben) nämlich nicht mehr ganz durch) und auch weniger Rentenzahlung für mich als Haupt-Pflegeperson.

Ob sich ein Widerspruch lohnt, weiß ich noch nicht genau. Fest steht, dass die anerkannten Zeiten zum Teil deutlich geringer sind als die tatsächlich aufgewendeten Zeiten, aber um auf die 30 zusätzlich benötigten Minuten zu kommen, bräuchten wir schon sehr gute Argumente.

Ich tendiere also dazu, mich mit der Pflegestufe 1 abzufinden – das sichert uns zumindest weiterhin die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege – und das ist das, was wir am meisten benötigen. (Das Pflegegeld und die Rentenbeiträge sind natürlich nett, aber wir sind nicht zwingend darauf angewiesen.) Empfohlene Wiederbegutachtung ist erst in 4 Jahren – das wäre ja auch mal schön. Und da wir nun keine Pflegestufe 3 mehr haben, muss auch der „Pflege-TÜV“ der Lebenshilfe künftig nur noch halb- statt vierteljährlich stattfinden. Weniger Termine sind natürlich auch immer nett.

3 Gedanken zu “Runter gestuft

  1. Habt Ihr jemanden der Euch berät? Es sollte schon genau angeschaut werden, ob sich ein Widerspruch nicht doch lohnt.
    Durchblick haben wir auch nicht mehr so richtig gehabt, wir mussten uns viel erklären lassen. Alles krieg ich noch immer nicht in den Kopf.
    Auch bei uns ist einiges nicht anerkannt worden. z.B. die Reittherapie. Das tut dem Kind sehr gut, den Rest des Tages kann man gut mit ihm zurecht kommen, auch für die Schule arbeiten. Nein, wird nicht anerkannt, ist sozusagen unser „Privatvergnügen“ obwohl sogar der Rehaaufenthalt zum Ergebnis kam, dass therapeutisches Reiten sehr empfohlen wird.
    Es gibt da so einige Punkte …
    es ist immerwieder dasselbe mit den Einstufungen!
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

    • Ach, prinzipiell fühle ich mich ganz gut informiert. Die „Pflegefibel“, die ein Vater bei Rehakids erstellt hat, ist da schon recht hilfreich. Ich weiß im Moment nur nicht, ob wir nun (finanziell gesehen) die Pflegestufe 1 oder „1 + Demenz“ haben. Da lasse ich mich mal überraschen. 😉

      Momentan machen wir nur anerkannte Therapien: Ergo, Logo, Physio – die meisten finden allerdings in der Schule statt, fallen also nicht ins Gewicht. Die Logo, die wir nachmittags machen, wurde korrekt berechnet. Und reiten gehen wir zwar, aber es ist nicht offiziell Reittherapie, sondern einfach ein Reitkurs – Privatvergnügen (wie natürlich auch die Delphintherapie).

      Es sind eher die vielen kleinen Dinge: Wenn da für Zähneputzen 3 Minuten stehen, kann ich darüber nur lachen. Die 3 Minuten mögen ja fürs reine Putzen reichen, aber vorher braucht man oft mindestens 10 Minuten Überzeugungsarbeit und muss Saskia immer wieder animieren, überhaupt mal mitzumachen. Auch beim Anziehen oder beim Essen läuft es so. Es ist nicht mehr das rein körperliche Unvermögen, es ist eher die mangelnde Bereitschaft, irgendwas zu machen, was gerade nicht sooo lustig ist. Da kann man lieber noch ein bisschen hier und da und dort trödeln und wir müssen halt immer wieder sagen: „Mach doch mal.“ oder notfalls dann auch gegen ihren Willen selbst machen. Das geht zu wenig in die Berechnung ein, obwohl der Gutachter durchaus den Eindruck machte, als hätte er das Problem verstanden (und letztlich sind 90 Minuten, die er anerkannt hat, ja auch nicht wenig). Praktisch bedeutet es aber, wenn wir Widerspruch einlegen würden, müssten wir um „eine Minute hier, zwei Minuten da und 3 Minuten dort“ feilschen. Bringt es das? Uns geht es ja hauptsächlich um die Verhinderungs-/Kurzzeitpflege und die Sätze sind ja bei allen Pflegestufen gleich.

  2. Ja, das stimmt. Diese Sätze sind gleich und auch uns ist die Verhinderungspflege sehr wichtig!
    Auch wir „kämpfen“ ums Zähneputzen oftmals mehr als 10 Minuten.
    Das kann sich keiner vorstellen. Auch heute morgen wieder: Das Anziehen war nur noch anstrengend und zeitraubend. Zwei Tage schönes Wetter, Robert wollte absolut nicht einsehen, dass es nun regnet, frisch ist …. Bis er endlich in der Jeans und dann in der Jacke drin war …. fürchterlich! Er wäre einfach ohne Socken mit kurzer Hose gegangen …. das hat mit dem Autismus zu tun wird uns immerwieder gesagt. Susanne sagte heute morgen: „Hätte man ihm früher nicht einfach doch eine auf den Hintern gegeben?“ …. „Vielleicht, aber verstanden hätte er es auch nicht, denn man sieht ihm an, dass er es nicht verinnerlichen kann!“
    „Mama, Deine Nerven wären aber besser dran, glaub ich. Aber …. gut, dass keiner hier zuhaut!“

    Bis man schaut ist eine Stunde vergangen bis beide Kinder gut versorgt in die Schule gehen. Früher hab ich mit drei Kindern die Hälfte der Zeit gebraucht.
    Erzählt hab ich so ähnliches der Dame vom MDK schon. Sie hat nur wenig Möglichkeiten das „unterzukriegen“, war ihre Antwort …
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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