Es macht mich irre

Im April sollten Saskias Zähne geröntgt werden, was Saskia verweigerte. Gestern Abend fiel mir auf, dass der neue Termin ja heute ist – das passte aus verschiedenen Gründen eigentlich war nicht, aber zum Absagen bzw. Verschieben war es auch zu spät, also musste ich da wohl durch.

Zahnarzt um 17 Uhr bedeutet, dass es nicht ausreicht, wenn Saskia ganz normal mit dem Bus nach Hause kommt. Ich muss sie also von der Schule abholen, was wiederum bedeutet, dass ich mit dem Auto zur Arbeit fahren muss, was ich ungern mache. Praktisch sah das heute so aus: Auf dem Weg zur Arbeit (gut 20 km durch die Stadt) eine Viertelstunde im Stau gestanden, bei der Arbeit 2 Minuten vor Feierabend noch angerufen worden, weil es Probleme gab, die sich natürlich nicht in 2 Minuten lösen ließen. Also eine halbe Stunde später als geplant Feierabend gemacht. Zu Saskias Schule gefahren (ca. 10 km bzw. 35 Minuten im Berufsverkehr) und Punkt 16 Uhr mein Kind in Empfang genommen, dann mit ihr weiter zum Zahnarzt (nochmal gut 20 km und nochmal 35 Minuten).

16:55 Uhr kommen wir in die Zahnarztpraxis und erfahren als erstes, dass die Zahnärztin krank sei und man uns um 15 Uhr (zu Hause) angerufen habe, um den Termin abzusagen (Irgendwie nicht mein Tag, glaube ich.) Nach kurzer Diskussion konnte aber eine andere Zahnärztin übernehmen. Wir machten uns also wieder auf den Weg in Richtung Röntgenraum, denn heute sollte ja nun das Foto gemacht werden.

Saskia war allerdings der Meinung: „Ich will nicht.“ und blieb im Flur stehen. Kopf nach unten, nicht ansprechbar. Die Ärztin (oder Röntgen-Assistentin, ich weiß es leider nicht) war supernett und nahm sich Zeit, redete mit Saskia, mit mir, ich redete mit Saskia – außer „Ich will nicht.“ erfuhren wir nichts von ihr. Nach über einer halben Stunde(!) hatten wir Saskia zwar so weit, dass sie den Raum betrat und sich umsah und als die Ärztin den Raum verließ durchaus auch mit mir sprach und an den Geräten interessiert war – sie war allerdings nicht bereit, das Kinn auf die entsprechende Halterung zu legen (etwa 13 bis 15 Sekunden dauert die Aufnahme – dann wäre alles erledigt gewesen).

Eine weitere halbe Stunde später war die Sprechstunde zu Ende und wir verließen – erneut ohne Foto – die Praxis. Während wir die Treppe herunter gingen, plapperte Saskia auf mich ein. Als wir aus dem Haus kamen und in der Fußgängerzone standen, rief Saskia fröhlich: „Guck mal Mama, wollen wir uns dort was zu Essen holen?!“ In dem Moment hätte ich sie hauen können. Stattdessen antwortete ich nur: „Ganz sicher nicht.“ und fuhr mit ihr nach Hause (nochmal 10 km).

Mich macht dieses „Ich will nicht.“ inzwischen echt aggressiv, zumal man absolut nicht an sie rankommt. Ich weiß nicht, wie wir jetzt weiter vorgehen. Einen neuen Termin habe ich noch nicht, die Anmeldung war nicht mehr besetzt, als wir gingen. Aber selbst wenn – wer sagt mir, dass es nicht wieder so liefe? So war es vergeudete Zeit, sinnlos verfahrene Kilometer und am Ende „außer Spesen nichts gewesen“.

11 Gedanken zu “Es macht mich irre

  1. Oh, das lief ja gründlich schief. Haben die dort noch nie was von Handys gehört? Muss doch eigentlich klar sein, dass eher keiner die Nachricht zu Hause abhört, wenn die erst am Nachmittag draufgesprochen wurde ….
    Mir fällt nichts ein zu Eurem Röntgenbild. Mir geht es mit Robert so beim EEG. Nichts zu machen…. immer- und immerwieder war all der Aufwand umsonst.
    Darum muss ein Mal im Jahr ein Schlaf-EEG gemacht werden, damit wenigsten halbwegs ein Bild dabei rauskommt. Sogar da wacht er auf und will das nicht …. es wäre gar nicht nötig diesen Aufwand zu haben, wenn er die kurze Zeit tagsüber einfach ein EEG zulassen würde.
    Ich muss gestehen, manchmal könnte ich auch vor Ärger den Robert sonstwas antun … in solchen Situationen.
    Ist noch nie passiert, aber kurz vor der Explosion war ich schon öfter. Ich versteh Dich so gut, kann mich einfühlen wie es in Dir „arbeitet“.
    herzliche Grüsse und eine feste Umarmung
    Elisabeth

    • Ich weiß gar nicht, ob sie meine Handy-Nummer haben. Aber im Auto wäre ich vermutlich ohnehin nicht rangegangen – zwei Stunden vorher ist einfach verdammt knapp, weil es leider alles nicht mal eben um die Ecke ist. Wenn ich einen Termin absagen will, muss das mindestens 24 Stunden vorher geschehen …

      Ich habe gestern auch an dich und Roberts EEG gedacht, in der Hinsicht sind sich unsere Kinder dann doch ähnlich und zwischen Epilepsie und Autismus scheint es irgendeinen Zusammenhang zu geben (mal ist das eine ausgeprägter, mal das andere). Ich kenne etliche Kinder mit Epilepsie, bei denen als weitere Diagnose ASS (Autismus-Spektrum-Störung) steht, in unterschiedlicher Ausprägung. Bei Saskia bin ich oft unsicher, wie weit das Verhalten noch völlig normal (nur nicht ganz altersgerecht) ist und ab wann es eben auch in eine autistische Richtung geht. Dieses ständige „Ich will nicht.“ und „Sich-Abkapseln“ klingt für Außenstehende vermutlich nicht dramatisch – es treibt mich aber regelmäßig zur Weißglut, weil es als Dauerwiederholung läuft und man überhaupt keine Chance hat.

  2. Hm, ich wollte es vorhin nicht so schreiben, aber manchmal denk ich auch „Steckt da eine autistische Richtung dahinter?“
    Ich habe vor kurzem drei Kinder mit Autismus kennengelernt, sie sind ganz anders als Robert. Aber dieses „Dauerwiederholen“ und das nicht rankommen haben sie auch ….
    Ändert sich wirklich was wenn man es genau diagnostiziert weiss? Es ist schwer immer die Geduld und Ausdauer für Kinder wie Robert zu haben.

    • Ich glaube, die Übergänge sind fließend. Ob sich durch die Diagnose was ändert? Keine Ahnung. Vielleicht geht man anders mit den betroffenen Kindern um. Andererseits verführt es vielleicht dazu, alles mit „Autismus“ zu begründen – auch dort, wo die Ursache ganz woanders liegt.

  3. Carolin schreibt:

    Meine kleine Dame hat das auch nicht mitgemacht. Ein Panorama-Röntgenbild, nicht wahr ?
    Nach 2 Versuchen wurde bei uns das Problem mit einem normalen Röntgenbild erledigt, d.h. Kind auf die Seite gelegt, festgehalten, klick, umgedreht, festgehalten, klick.
    Das diente vor allem dazu, um die Anlage der Zähne zu bestätigen.

    Schöne warme Grüsse 😉
    Carolin.

  4. Ritterspott schreibt:

    Hallo Graugrüngelb und alle, ich weiß ja nicht wie ausgeprägt dieser Bock bei euren Kleinen ist, aber rein beim Lesen des Beitrags kam mir das alles sehr normal vor. Meine Tochter jedenfalls, bald vier und in jeder Hinsicht kerngesund, macht das ganz genauso. Und der Sohnemann, nahezu zwei, kann das auch schon. Treibt mich natürlich ab und zu auf die Palme. 😉 Also, im besten Falle ist das einfach nur das entsprechende Kindesverhalten. Mir gefällt dieser Gedanke jedenfalls angesichts Saskias Entwicklung, die wir hier in der kleineren Stadt neben der großen Stadt begeistert verfolgen. 🙂
    Zum Röntgen: Unser Zahnarzt hat eine Röntgeneinheit am Schwenkarm, die hält er einfach links und rechts an die Wange und da ist das Bild. Keine Kinn-Einlege-Vorrichtung. Evtl. gibts sowas auch in eurer Nähe. Gut wenigstens ein paar Sekunden stillhalten muss man, aber vllt. geht das mit Ablenkung? Liebe Grüße!

    • Na ja, das ist halt so’ne Sache. Ich habe keinen wirklichen Vergleich. Als Saskia so 3-4 Jahre alt war und die Gleichaltrigen ihre Trotzphasen durchlebten, hatte sie ganz andere Probleme. Insofern ist da sicher einiger Nachholbedarf. Dummerweise funktionieren die üblichen Reaktionen meinerseits in ihrem jetzigen Alter nicht mehr (da hätte ich sie nämlich notfalls untern Arm geklemmt). Mag also sein, dass sie eine ganz normale Phase mit Verspätung nachholt – gefühlt ist es manchmal allerdings ziemlich extrem (aber auch hier frage ich mich, ob das nicht alle Eltern denken). Ich weiß es wirklich nicht, mich persönlich macht es halt manchmal rasend.

      Das Röntgengerät mit dem Arm hat der Zahnarzt dort auch – Saskia hätte auch das nicht akzeptiert. Das andere wurde mir als besonders strahlungsarm und besonders schnell vorgestellt. Aber wenn sie in ihrer „Ich-will-nicht-Phase“ ist, kommt man sehr schlecht zu ihr durch – daran scheitert auch die Ablenkung (ist ja nicht so, dass ich’s nicht probiert hätte).

      Ich würde ja sagen, komm vorbei und bild dir deine Meinung, aber ihr habt ja derzeit andere Pläne. 😉 (Wie geht’s Nr. 5?)

      • Ritterspott schreibt:

        Ja, ohne Vergleich ist sicherlich schwer. Als unsere Große in den Trotz kam dachten wir auch „du meine Güte, was ein Drachen“. Bis mir dann eine Kollegin von ihrer Tochter erzählte, die gerade eine Supertrotzphase hatte. Wow, dagegen war unsere lammfromm. Und dann kam mal jemand zu Besuch mit einem trotzigen Sohn. Seitdem… 😉 Bei ihr hilft manchmal (!) mitmachen. Also, du willst nicht? Klar, ich würde auch nicht wollen. Schmollen wir beide gemeinsam. Dann fühlt sie sich nicht mehr allein gegen den Rest der Welt und kommt aus der Blockadehaltung raus. Oder von vornherein das, was man von ihr will, auschließen: Heute gibts den Apfelsaft nur ohne Wasser! Neeeeeeiiiinn! 😉 Bei Schreikrämpfen geht sehr gut: aufs Zimmer bringen und mit ihr dort bleiben. „Jetzt beruhige dich erstmal, dann gehen wir wieder runter.“ Inzwischen sagt sie das auch selbst: „Ich muss mich jetzt erst mal wieder beruhigen.“ 😀 Gegen die Wand klappt bei ihr auch überhaupt nicht.
        Dem fünften der drei Geschwister gehts gut, der werdenden Mama auch. Und wenn er dann da ist, lese ich ihm die fünfbändige Trilogie von Douglas Adams vor. 😉 Liebe Grüße!

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