Zweistellig

Geburtstagsticker_2015

Liebes Mausekind, zwischen all den Baustellen am und im Haus haben wir (schon vor  zweieinhalb Wochen) deinen Geburtstag gefeiert. Nicht irgendeinen Geburtstag, sondern den ersten zweistelligen. 10 Jahre bist du nun alt.

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns seit ich den letzten Geburtstagsbeitrag schrieb. Viele Dinge haben sich geändert. Manche ganz allmählich und für uns kaum zu spüren, manche sehr deutlich.

Noch immer kannst du zu Hause soviel plappern und erzählen, dass das Essen eine halbe Ewigkeit dauert, denn vor lauter reden kommst du gar nicht voran. Dein Wortschatz und deine Aussprache hat sich verbessert, aber trotzdem bist du nicht immer leicht zu verstehen. In Situationen, die fremd sind, sprichst du nicht und bei Menschen, die du nicht kennst oder eine Weile nicht gesehen hast, kann es sehr lange dauern, bis du etwas sagst – wenn überhaupt. Wenn du erzählst, verwendest du inzwischen auch Formulierungen, die du irgendwo aufgeschnappt hast und manchmal geraten diese etwas durcheinander. „Denkt euch mal vor“ ist so ein Fall – ein Mix aus „Denkt euch mal“ und „Stellt euch mal vor“ – und die Wortschöpfung „bibberkalt“ gefällt mir richtig gut. 😉

Leider hast du dir auch ein paar weniger schöne Sprüche angewöhnt. Wenn du etwas nicht willst – zum Beispiel morgens aufstehen oder abends ins Bad gehen – dann bekommt man schon mal „Hau ab!“ oder „Ich will dich nicht sehen.“ an den Kopf geknallt. Dass man leider in solchen Situationen so gar nicht zu dir durchdringt, macht mich oft richtig wütend. Wenn dann noch sehr ausführliches Getrödel dazu kommt, ist es sehr, sehr schwer, nicht aus der Haut zu fahren. Du willst viele Dinge selber machen (auch die, die du nicht sollst) und wenn es nicht klappt oder etwas dabei kaputt geht, meinst du „Das mat dot ga nits.“ oder „Das is dot nis so slimm.“ – das stimmt leider nicht immer. Das mit dem „Erst überlegen, dann ausprobieren“ müssen wir noch ein bisschen üben. Genau wie das Schleifen binden übrigens.

Du gehst meist gern zur Schule, auch wenn du manchmal „gar keine Lust“ hast, das zu tun, was von dir erwartet wird. Inzwischen hast du keine Schulbegleitung mehr und ich glaube, das war die richtige Entscheidung. Du bist selbständiger geworden – und auch ein bisschen selbstbewusster. Die Delfintherapie im vorigen Jahr hat sicher zu der Entwicklung beigetragen und wir überlegen, ob wir das im nächsten Jahr nochmal machen sollten. Der damals mitgebrachte Plüschdelfin wird heiß geliebt und du erzählst immer mal wieder, dass du zum echten Kanoa fliegen möchtest.

Für den langen Flug damals hatte ich ein Tablet gekauft, das inzwischen fast nur von dir genutzt wird: Mit Begeisterung schaust du die Lach- und Sachgeschichten der Sendung mit der Maus und zu fast jedem Thema hast du inzwischen einen Film gesehen. „Soll ich dir den mal zeigen?“, fragst du oft. Die MausApp ist toll. Ansonsten stehen Conni-Filme oder „Petterssons Erfindungen (1&2)“ hoch im Kurs und manchmal schaust du dir auch einfach Fotos von bunten Kuchen bei Chefkoch an. Ich finde es toll, wie selbstverständlich du vom ersten Tag an mit der vorher unbekannten Technik umgehst und inzwischen müssen wir dich öfter einmal bremsen, damit du nicht stundenlang am Tablet „versackst“. Faszinierend. Ein paar Mal waren wir auch im Kino und auch das hat dir Spaß gemacht – auch wenn ich nicht sicher bin, ob du alles verstanden hast.

Noch immer müssen wir im Auto fast immer deine CDs hören, was sehr anstrengend sein kann, weil es seit fast 9 Jahren (mit Beginn des Kinderturnens) immer wieder die gleichen Lieder sind. Mit wenigen Ausnahmen akzeptierst du hier leider nichts Neues. Du singst gern (solange man dich nicht dazu auffordert) und möchtest gern Pfadfinder werden, weil das entsprechende Lied („Wir sind Pfadfinderkinder“) dir so gut gefällt. Das fände ich zwar durchaus nett (auch nach den Geburtstagserfahrungen mit Pfadfinderkindern, die Frau Brüllen gerade gemacht hat 😉 ), allerdings scheint es mir derzeit nicht realisierbar (und weißt du eigentlich, was das ist?).

Du hast die Stadtbibliothek und die Möglichkeiten, Bücher und CDs auszuleihen, für dich entdeckt und so singen wir abends nach dem Vorlesen im Bett keine Schlaflieder mehr, sondern du hörst stundenlang CDs (und bist dann oft wieder richtig wach). Meist stehst du wieder auf und wir müssen dich ein paar Mal ins Bett schicken, denn vorher hast du immer noch zu tun und musst ganz dringend noch Bilder malen oder etwas schreiben – was offenbar nur abends um zehn möglich ist. Morgens dagegen hast du es nicht so mit dem Aufstehen, was an Schultagen leider immer wieder für Unfrieden sorgt.

Inzwischen muss man aufpassen, was man erzählt, denn du bekommst alles mit. Und auch Bücher wecken neue Begehrlichkeiten. Nachdem wir „Max wünscht sich ein Kaninchen“ gelesen hatten, wolltest du natürlich auch ein Kaninchen. Irgendwann sollte es doch lieber ein Meerschweinchen sein und als wir sagten, dass du kein Meerschweinchen zum Geburtstag bekommen wirst, wolltest du doch lieber ein Pferd (das gab es aber auch nicht 😉 ).

Andere Wünsche haben wir dir (mehr oder weniger gern) erfüllt: Fußballtore(!) hast du dir gewünscht (und bekommen). Und für diesen Wunsch könntest du in unserer fußballhassenden (oder zumindest -ignorierenden) Familie glatt enterbt werden. 😉 Und einen Fußballkuchen wolltest du in die Schule mitnehmen. Bitteschön (mein erster Versuch mit Rollfondant):

Freude

Fußballkuchen

Außerdem gab es Bücher, CDs, einen neuen Rucksack * (mit Eulen!) und erstmals Playmobil statt Lego Duplo. Stundenlang hast du mit Papa die Eisdiele aufgebaut und gespielt und auch das Playmobil-Mädchen im Rollstuhl, das du von einer Schulfreundin im Rollstuhl bekommen hast und die anderen Figuren kamen gut an.

Du hast dir eine Geburtstagsfeier mit 3 Kindern aus deiner Klasse gewünscht – und uns damit vor ein paar Probleme gestellt. Was macht man mit Kindern, die nicht sprechen, sich nicht bewegen und auch nichts essen können auf der einen und hibbeligen Kindern, die keine Minute still sein können, auf der anderen Seite? Letztlich hattet ihr alle Spaß, auch wenn der einsetzende Regen uns vorzeitig aus dem Maislabyrinth vertrieben hat und zum Kerzen ziehen am Ende leider keine Zeit mehr war (das holen wir nach).

Geburtstagstisch

Geburtstagstisch (hell)

Am vergangenen Wochenende warst wieder einmal mit der Lebenshilfe auf einer „Freizeit“ (das klingt viel netter als „Kurzzeitpflege“) und als du so los zogst mit deinem Koffer und dem neuen Rucksack, da wirktest du so groß und selbstständig.

Tschüß

Ich wünsche dir fürs neue Lebensjahr alles Gute und ganz viel Spaß, schöne Erfahrungen und Entdeckungen mit Menschen, die du magst.


* Den Rucksack („Everest“ der schwedischen Firma „Stadium“) habe ich nach längerer Suche übrigens auf Empfehlung von Karen gekauft (die mit ihrer Familie in Finnland lebt), die Eulenaufnäher stammen von Kunterbuntdesign. Es war etwas mühsam sie zu befestigen, aber Saskia findet den Rucksack toll, da hat es sich gelohnt.

4 Gedanken zu “Zweistellig

  1. Happy Birthday, Saskia!

    Ich schaue mir das Foto mit dem Rollkoffer an und staune. Ich staune, wie Saskia freihändig läuft und dabei auch noch den Koffer hinter sich her zieht. Wer hätte das gedacht, dass das für sie mal so selbstverständlich wird. 🙂

  2. Ach, süss, ich sehe das jetzt erst…! Wir haben gerade einen 50l-Rucksack für unseren Pfadfinder gekauft, falls du da demnächst auch Empfehlungen brauchst… 😉

    Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich der Zehnjährigen!!!

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