Gebrauchter Tag

Am Montag Morgen brachten wir Saskia zum Schulbus und gingen zum Auto. „Klk … grgrl … klk.“ sagte dieses, statt fröhlich anzuspringen. Das fing ja gut an. Also auf zum Bus, der uns vor der Nase weg fuhr. Aber ich wollte ja eigentlich ohnehin bei ALDI nach den Schneeanzügen gucken. Als wir wieder rauskamen, sahen wir den nächsten Bus davon fahren. Okay, laufen wir zur übernächsten Haltestelle, da fährt ab und zu noch eine andere Buslinie. „Unser“ Bus fährt eigentlich im 10-Minuten-Takt, nur um diese Zeit nicht – da wechselt der Rhythmus und es sind 13 Minuten bis zum nächsten Bus, bevor es dann wieder im 10-Minuten-Takt weiter geht. Nun gut, das geht auch noch, die Anzeige an der Haltestelle verkündete jedoch, der nächste Bus käme erst in 14 Minuten. „Ähhh, da fehlt aber einer dazwischen.“ sagte ich zum besten Ehemann von allen. Immerhin waren wir seit dem letzten Bus ja schon einige Minuten zu Fuß unterwegs gewesen und eigentlich müsste in spätestens 4 Minuten ein Bus kommen. Er kam nicht. Stattdessen kamen nach 15 Minuten dann zwei Busse – natürlich rappelvoll. Immerhin kamen wir ohne weitere Ärgernisse zur U-Bahn. Im anschließenden Bus, der auch schon spät dran war, war der Busfahrer dann der Meinung, eine eingestiegene Frau nochmal zurück rufen zu müssen, um ihre Fahrkarte genauer anzusehen. Es stellte sich heraus, dass sie am 31.10. abgelaufen war. Die anschließende Diskussion, was sie denn jetzt tun solle, denn schließlich habe sie doch ein Abo, aber noch keine neue Wertmarke erhalten und der Verkauf der Fahrkarte beschleunigte die Abfahrt nicht gerade. Die Studentin, die zwei Haltestellen später mit Monatskarte, aber ohne die dazugehörige Kundenkarte einstieg (was dem sehr genauen Busfahrer nicht ausreichte), war zumindest etwas schneller, was die Entscheidung wieder auszusteigen anging. Dafür dauerte es, bis ihre Freundinnen dann ebenfalls den Bus verlassen hatten.

Irgendwann kam ich aber tatsächlich im Büro an. Natürlich wurde es kein ruhiger Tag. Zwischenzeitlich hatte ich dann zwei Leute abwechselnd am Telefon und einen mit einem sehr kaputten Gerät vorm Schreibtisch stehen und natürlich war alles sehr, sehr dringend. Irgendwann war der Arbeitstag zu Ende, der Heimweg verlief ohne besondere Vorkommnisse und ich traf in der U-Bahn sogar noch eine Bekannte, die mir die letzte Busfahrt ersparte, indem sie mich mit dem Auto mitnahm. Dann wartete ich auf Saskia und überlegte, ob ich den ADAC anrufen sollte, um das Auto zumindest in die Werkstatt fahren zu können. Leider ist Saskias Ankunftszeit derzeit sehr unberechenbar, so dass es schwierig würde, sie und den gelben Engel zu koordinieren. Auf jeden Fall würde es nicht möglich sein, um 18 Uhr zur Logopädie zu kommen, also sagte ich dort erstmal ab. Saskia kam letztlich erst kurz vor 5, wenn ich jetzt noch den ADAC riefe, käme ich nicht mehr bis 18 Uhr in die Werkstatt. Also klingelte ich bei den Nachbarn und bat um Starthilfe. Wir waren zwar beide etwas ungeübt, bekamen das Auto aber immerhin zum Laufen, ich packte Saskia ein und fuhr zur Werkstatt. Als wir um 17:45 Uhr dort auftauchten meinte eine der beiden Damen an der Annahme: „Sie kommen aber spät, heute wird das nichts mehr.“ (Ich hatte kurz nach Mittag angerufen und mich angekündigt.) „Na ja“, sagte ich, „ich musste ja erstmal von der Arbeit nach Hause und dann das Auto irgendwie hierher bringen. Mir reicht es aber auch, wenn sie mir einen Mietwagen geben – alles andere hat gern bis morgen Zeit.“ Sie druckste ein bisschen rum und schien nicht so recht überzeugt, während der Chef aus der Werkstatt kam, einen Teil des Gespräches hörte und meinte „Natürlich. Geben Sie Frau Graugrüngelb ein Auto. Wir gucken uns das an.“ Uff. Ich gab den Schlüssel ab und nahm den Mietwagenschlüssel in Empfang, vereinbarte noch, dass die Räder dann gleich mitgetauscht werden sollen, statt dass ich am Samstag zum vereinbarten Radwechseltermin komme und fuhr nach Hause.

Beim Abendessen erzählte der beste Ehemann von allen, dass er am Nachmittag mit dem Chef der Baufirma telefoniert habe. Es geht derzeit hier nicht weiter, weil sie kein Material mehr haben. Sie haben nämlich zu wenig Verblender bestellt! Wie das passieren kann, ist mir absolut unklar. Wir haben ein derartig rechteckiges Haus, dass die Flächenberechnung vermutlich schon ein Drittklässler hinbekäme – wie können da über 10 Quadratmeter fehlen? Ich war sooo sauer und wütend. Außerdem kam noch ein Brief mit zwei Rechnungen von der Heizungsfirma u.a. für Fehlersuche, weil der Einrohrheizkreis nicht warm wurde. Insgesamt über 800 € … und ich sehe üüüüberhaupt nicht ein, diese Rechnungen zu bezahlen. Der Heizkreis funktionierte von Anfang an nicht, also gehört das doch wohl bitteschön noch zur Neu-Installation. Ich kann doch nicht eine Heizung einbauen und wenn etwas nicht funktioniert, die Fehlersuche separat berechnen. Erstmal muss doch einmal alles fehlerfrei funktionieren und eine definierte Abnahme / Übergabe erfolgen. Der Bauleiter ist bis Ende der Woche im Urlaub, aber da sehe ich gerade sehr großen Gesprächsbedarf.

Der Abend verlief ansonsten normal, als Saskia im Bett war, suchte ich noch Unterlagen zusammen, die wir am nächsten Tag brauchen würden. Gegen halb eins schaltete ich den Computer aus und wollte ins Bett gehen, als ich Saskia draußen hörte. „Sicher geht sie nochmal auf Toilette“, dachte ich. Als ich das Arbeitszimmer verließ, stand sie vor mir, zeigte auf seltsame Flecken an ihrem Hosenbein und fragte, was das sei. Hmm?! Wenn sie es nicht weiß … Richtig erkennbar war es nicht. Ich sagte ihr, sie solle die Hose ausziehen und ging in ihr Zimmer, um ihr einen neuen Schlafanzug zu holen. Beim Blick aufs Bett wurde klar, woher die Flecken kamen: Saskia hatte sich übergeben und nicht zu knapp. Kopfkissen, Bettdecke, Bettlaken, Kuscheltiere … alles war betroffen. Und der Geruch! Boah, das brauchte ich ja jetzt dringend. Unser Hin und Her weckte den besten Ehemann von allen, der sich nun um Saskia kümmerte, während ich das Bett neu bezog und die erste Fuhre Wäsche ansetzte. Saskia übergab sich nochmal im Bad und schlief dann in meinem Bett. Ich kroch irgendwann (bei weit geöffneter Balkontür) in ihres. Um halb 5 wurde ich von seltsamen Geräuschen aus dem Bad geweckt. Der Magen war offenbar noch nicht komplett leer gewesen. Na gut, wenn ich schon mal wach war, konnte ich außer Tee kochen auch gleich die erste Ladung Wäsche in den Trockner und die nächste Fuhre in die Waschmaschine packen, bevor ich noch ein bisschen schlief. Insgesamt waren es dann doch etwa 3 Stunden Schlaf in dieser Nacht. Schlaf wird ja ohnehin völlig überschätzt.

Um 7:40 Uhr klingelte der (stellvertretende) Bauleiter, um einige Dinge zu besprechen. Immerhin konnte ich so zumindest alles zu Protokoll geben, was hier gerade schief läuft, ob er was ändern kann, wird sich zeigen. Während ich mit ihm sprach, wurden auch Mann und Kind wach. Wir beschlossen, dass Saskia mit Papa daheim bleibt (und zwischendurch mal die Kinderärztin besucht) und ich gegebenenfalls den Mittwoch übernähme, falls das nötig wäre. Als ich mich gerade auf den Weg zur Arbeit machen wollte, klingelte das Telefon. Die Werkstatt rief an, das Auto sei fertig. Morgens um halb 9 – Respekt! Es hat nun eine neue Batterie und die Winterräder sind auch dran, so konnte ich also noch vor der Arbeit den Mietwagen abgeben und mein Auto abholen – ist ein viel angenehmeres Fahrgefühl als mit dem Mietwagen 😉

Saskia war nach reichlichem Schlaf wieder fit, bekam im Laufe des Tages auch wieder etwas Farbe im Gesicht und konnte, da Essen und Trinken schließlich wieder dort blieben, wo sie hingehören, auch am Mittwoch wieder in die Schule gehen. Nur den eigentlich für Dienstag Abend geplanten Laternen-Umzug ließen wir auf ihren Wunsch hin lieber sein.

Der Montag (und die anschließende Nacht) aber war echt ein „gebrauchter Tag“ – das muss ich nicht öfter haben, so was.

Ein Gedanke zu “Gebrauchter Tag

  1. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass es ein gutes Wochenende wird. Nach so vielen Tagen voller Ärger und Unvorhersehbarem MUSS es doch schön werden, oder?
    liebe Grüsse, ich sende Dir noch ein paar Sonnenstrahlen mit. Wir haben so viele davon seit Beginn der Ferien.
    Elisabeth

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s