Komisches Gefühl

Anfang der Woche war ich kurz in Leipzig, um meiner Mutti beim Vorbereiten des Umzugs zu helfen. Da sie in den letzten Wochen schon sehr fleißig war, ging es eher um organisatorische Dinge und ums Abschrauben von Gardinenstangen und weniger um das Packen von Kartons.

Umzugskartons

Bei der Fahrt zum Bahnhof am Dienstag Mittag dachte ich so: Da müsste man eigentlich mal wieder hin und da auch … und es war ein sehr merkwürdiges Gefühl, plötzlich irgendwie „heimatlos“ zu sein. Ich bin ja in den vergangenen Jahren einige Male umgezogen – zunächst 1990 mit kleinem Gepäck nach Dresden ins Studentenwohnheim. Einige Zeit später mit dem damaligen Freund zusammen in ein anderes Wohnheim und später in (s)eine kleine Wohnung. Zwischendurch für 4 Monate nach München zum Praktikum, nach Studienende zurück nach Leipzig in die erste eigene Wohnung. Anfang 2000 dann nach Köln – zunächst in eine möblierte Wohnung zur Zwischenmiete und ein halbes Jahr später in eine eigene Wohnung – das war dann schon ein größerer Umzug, denn es mussten ja auch alle Sachen aus der Leipziger Wohnung nach Köln. 2 Jahre später zog ich dann mit dem besten Ehemann von allen, mit dem ich damals noch nicht verheiratet war, in den Norden. Und weitere 4 Jahre später zogen wir hier ins Haus. Reicht an Umzügen, finde ich.

Meine Mutti wohnt seit 40 Jahren in der gleichen Wohnung und wohnte vorher zumindest immer im gleichen Stadtbezirk. Seit Saskias Geburt und besonders seit Beginn der Epilepsie gab es immer mal Überlegungen, ob sie zu uns in den Norden ziehen sollte. Es gab ein paar mehr oder weniger konkrete Überlegungen und bei zwei Wohnungen gab es schon sehr konkrete Pläne, bevor diese dann doch noch andere Bewohner fanden.

Nach der Herz-OP vor 5 Jahren schien das Thema plötzlich sehr dringend – denn dass meine Mutti zurück in ihre Wohnung hoch oben unterm Dach könnte, schien unvorstellbar. Sie hat es geschafft, aber was wäre, wenn mal wieder etwas ist? Mal eben hinfahren und helfen ist bei der Entfernung nicht so einfach.

Malerarbeiten

Nun wird das „Projekt Familienzusammenführung“ also konkret – derzeit ist der Maler noch schwer beschäftigt, die neuen Kleiderschränke stehen bereits im künftigen Schlafzimmer und in anderthalb Wochen verringert sich der räumliche Abstand von ca. 430 auf etwa einen Kilometer.

Malerarbeiten

Liebe Mutti, ich hoffe, dass du dich hier schnell und gut einlebst und die alte Heimat nicht allzu sehr vermisst.

2 Gedanken zu “Komisches Gefühl

  1. Omama schreibt:

    Ja, es wird eine große Umstellung werden!! Habe so bissel das Gefühl des Emigrierens in mir.
    Da kann dann nur der Frühling trösten und ein hoffentlich schön bepflanzeter Balkon. Die Küchenuntensilien habe ich mehr oder weniger gepackt- bin gespannt, ob ich alles wiederfinde.

  2. Ich weiß, was Du meinst. Bei der Wohnungsauflösung meiner Oma war ich zwar nicht persönlich beteiligt, aber auch sie hatte mehrere Jahrzehnte in derselben Wohnung gewohnt (und zwei Kinder dort aufgezogen, es könnten also knapp 60 Jahre gewesen sein),
    Wenn ich mal weiterrechne: meine Eltern wohnen jetzt auch schon das 22. Jahr im selben Haus, ihre Rentenzeit naht. Dort sind auch noch Sachen von meiner Schwester und mir.
    Familienzusammenführung? Da wäre die Frage, wo, so verteilt, wie wir alle wohnen.

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