Schon toll, so ein kooperatives Kind

Glaub ich jedenfalls. Ich hab ja keins.

Vorige Woche hatten wir nach mehreren Wochen Pause wegen Ferien, Ostern u.ä. erstmals wieder Logopädie. Wir haben den Termin von Mittwoch Abend auf Montag Abend verlegt, weil Saskia am Mittwoch momentan andere Termine hat. Prinzipiell wussten das alle – auch Saskia. Allerdings hatte ich es bis Montag Mittag dann nicht mehr auf dem Plan und mit Saskia deshalb am Morgen nicht darüber gesprochen. Das rächte sich, als sie am Nachmittag nach Hause kam. Denn nun durfte ich ihr erklären, dass wir direkt wieder los müssen. Und schon ging das Gemeckere und Gemotze los. Nein, sie wolle auf gar keinen Fall jetzt zur Logo, erklärte sie mir und warf sich aufs Sofa. Dieser Unwillen liegt nicht etwa daran, dass sie generell nicht mag (in den Ferien motzte sie nämlich, dass sie es doof finde, dass keine Logo stattfindet), sondern nur daran, dass sie überrascht war. Klar, war in diesem Falle mein Fehler, weil ich sie nicht nochmal erinnert hatte, aber das nützte ja nun auch nichts. Saskia blieb stur und erklärte, sie fände es doof, dass wir jetzt montags zur Logo gehen, sie wolle lieber wieder am Mittwoch und zu den anderen Terminen, die nun mittwochs sind, wolle sie ohnehin nicht mehr. Nach etwa einer Viertelstunde vergeblicher Überzeugungsarbeit, gelang es schließlich mit einem fiesen Trick, sie zum Mitkommen zu bewegen – zu spät kamen wir trotzdem, es hielt sich aber glücklicherweise in Grenzen.

Ich bin ja lernfähig, also war diese Woche klar, dass am Montag Nachmittag Logo ist und Saskia stieg völlig ohne Diskussion ins Auto. So weit, so gut.

Am Dienstag hatten wir einen Termin bei der Kinderärztin zur Vorsorge. Die letzte Vorsorge ist zwar schon 2 Jahre her, aber Dank „Conni geht zu Arzt“ wusste auch Saskia, was sie erwartet. Saskia kennt die Ärztin seit Jahren, es war klar, dass nur die U11 stattfindet, Impfungen oder Blutentnahme standen nicht an, also alles im grünen Bereich. Dachte ich. Messen und wiegen klappte auch noch problemlos. Danach hatte es sich dann allerdings mit der Kooperationsbereitschaft erledigt. Hörtest? „Keine Lust!“ Sehtest? „Mag ich nicht.“ Die Arzthelferin versuchte alles Mögliche und schaffte es immerhin, das Farbsehen zu prüfen (auch wenn Saskia sich weigerte, mit ihr zu sprechen und nur knurrte). Schließlich schafften wir auch noch halbherzig den Hörtest für Kleinkinder, nicht jedoch den eigentlich anstehenden. Der Sehtest wurde weiter verweigert. Ein paar Bildchen zeigte Saskia dann – allerdings, ohne sich ein Auge zuzuhalten. Nicht für Geld und gute Worte. Dann ging es zur Ärztin. Angucken und ansprechen ging noch, sie bekam sogar ein paar gemurmelte Antworten. Auf Zehenspitzen gehen? Auf den Fersen gehen? Nach vorn beugen? Hüpfen? Hinlegen? Fehlanzeige! Hätte ich auf dem Elternfragebogen doch ankreuzen sollen: „Mein Kind ist aufsässiger und ungehorsamer als andere Kinder seines Alters“? Anderthalb Stunden ließ sich die Ärztin Zeit (Saskia war die letzte Patientin und genau zum Ende der Sprechstunde bestellt) – ich hätte mir gewünscht, dass wir wenigstens ein paar Sachen abhaken können. Nun muss ich wohl doch mal einen Termin beim Augenarzt machen, da Saskia gelegentlich über Kopfschmerzen klagt und ich nicht weiß, ob die Augen in Ordnung sind oder sie womöglich ’ne Brille braucht.

Der letzte Termin in dieser Woche war ein Termin beim Neurologen. Vor genau einem Jahr waren wir zum letzten Mal dort, es stand ein EEG, VNS-Kontrolle und ein Gespräch mit dem Arzt auf dem Plan. Saskia wusste Bescheid. Die Untersuchung hat sie schon ca. 100 mal erlebt, den Arzt kennt sie, schmerzhafte Dinge standen nicht auf dem Programm. Wir holten Saskia also um 14 Uhr aus der Schule ab … und wurden zunächst mal angemeckert. Wieso wir sie denn ausgerechnet JETZT abholen würden. Sie wolle lieber in der Schule bleiben. So verpasse sie den Sportunterricht und sie sei SAUER! Klar. Was auch sonst? (So oft, wie wir den Satz „Ich bin SAUER!“ hören, nimmt das ohnehin keiner mehr Ernst.) Also wurde nochmal erklärt, dass wir einen Termin haben … Ja, aber dann könnten wir doch später zum Arzt und nicht jetzt. „Dann ist der Arzt aber nicht mehr da. Wir haben jetzt den Termin. Einmal im Jahr wirst du es verkraften, die Sportstunde zu verpassen.“ Etliche „Warums“ später kamen wir in der Kinderklinik an, nach etwas Wartezeit ging es zum EEG. Das Verkabeln klappte relativ gut, das Hinlegen erst nach mehrfacher Aufforderung. Aber „Augen zu machen“ war nicht drin. Nö. Nein. Kann ich nicht. Will ich nicht. Geht nicht. Is nich. Musste es also so gehen.

Immerhin ist das EEG in Ordnung. Keine epilepsietypischen Merkmale zu sehen. Wir schleichen das Orfiril weiterhin aus, beobachten dann, wie es Saskia geht und wenn alles gut läuft, reduzieren wir etwas später das Diacomit. Der VNS arbeitet, wie er soll, es war aber nicht auslesbar, wie voll die Batterie noch ist. Das verunsichert mich etwas, da Saskia das kleinste Modell mit der kleinsten Batterie implantiert hat und der VNS ja nun bereits seit knapp 4 Jahren im Einsatz ist. Wäre ja blöd, wenn wir irgendwann plötzlich feststellen, dass das Gerät nicht mehr funktioniert, weil die Batterie leer ist. Ich muss da nochmal forschen, ob das bei diesem Modell tatsächlich nicht geht oder Neurologe nur an der falschen Stelle geguckt hat. Die Anzeige auf dem Programmier-/Auslesegerät war leider sehr schlecht zu erkennen (und von schräg hinten schon gleich gar nicht).

Ein Gedanke zu “Schon toll, so ein kooperatives Kind

  1. Ich schreibt:

    Herrlich so ein eigentlich völlig normal kooperatives Kind. Es ist nervig, stressig, peinlich aber in euren Fall einfach nur schön der eigene Wille des Kindes.

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