Chronologie einer Dachsanierung

Bei der Fassadendämmung im vergangenen Jahr wurde das Dach und damit die darunter liegende Schlafzimmerdecke beschädigt. Es war klar, dass etwas geschehen muss, aber zunächst unklar, was. Letztlich entschieden wir uns für die teure, aber hoffentlich langfristig auch beste Variante: Das ganze Dach wird abgerissen und erneuert. Bei der Gelegenheit wird gedämmt und das Dach bekommt eine geringe Neigung (2% statt der bisherigen 0% Gefälle – es bleibt damit trotzdem ein Flachdach). Im Mai sollte es losgehen, geplanter Zeitraum: ca. 2 Wochen.

Das geschah bisher:

Freitag, 6. Mai – am Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende sitzen plötzlich fremde Männer in unserem Garten, die sich schließlich als Gerüstbauer zu erkennen geben und das Gerüst aufbauen. Das kommt unerwartet, besprochen war, dass es am 9. Mai losgehen soll, aber letztlich macht das keinen Unterschied.

Dienstag, 10. Mai – die Dachdecker erscheinen, bringen eine Menge Material und einen Lastenaufzug mit und beginnen mit der Bestandsaufnahme. Es zeigen sich erste Probleme – die Dachhaut ist dicker als vermutet, von der darunter liegenden Polyethylenschicht wusste vorher niemand. Es wird also schwieriger mit dem Abriss. Etwa zweieinhalb Stunden diskutieren Dachdecker (Chef und Seniorchef) und Bauleiter/Energieberater in Beisein des besten Ehemanns von allen. Schließlich steht fest: Es wird etwas teurer und der Abriss wird aufwendiger, aber morgen geht es richtig los. Den Rest des Tages wird noch Material aufs Dach gebracht, sonst passiert nichts weiter.

Mittwoch, 11. Mai – sonniges Wetter, bis zu 27°C im Schatten. Die Dachdecker erscheinen kurz nach 7 und machen um 18 Uhr Feierabend. Wow. Das wäre definitiv kein Job für mich. Am Abend ist etwa ein Fünftel des alten Daches abgerissen (also deutlich weniger als geplant, trotz des überlangen Arbeitstages) und wieder verschlossen.

Donnerstag, 12. Mai – es wird weiter gearbeitet, allerdings nicht so lange wie am Vortag, der allen noch in den Knochen steckt.

Freitag, 13. Mai – die Lichtkuppel wird ausgetauscht und ein schmaler Streifen Dach erneuert, dann wird alles für Pfingsten dicht gemacht.

Saskia fährt mit der Lebenshilfe ins lange Wochenende. Gemeinsam mit dem besten Ehemann von allen räume ich Schlafzimmerschränke aus und zerlege Möbel, die der Liebste Stück für Stück in den Keller schleppt. Pfingstmontag sind wir endlich fertig und reißen noch die total versifften Tapeten von der Wand, dann reicht es.

Manche Dinge will man gar nicht so genau wissen

Dienstag, 17. Mai – am Morgen nieselt es und es erscheint kein Dachdecker. Es sagt aber auch keiner ab. Nun ja. Immerhin kommen die Tischler gegen halb 8 und beginnen mit dem Abriss der alten Schlafzimmerdecke. Nach einigen Telefonaten mit Bauleiter und Dachdecker-Chef steht letzterer plötzlich und etwas unerwartet vor der Tür, um die Dampfbremsfolie an einer Wand im Schlafzimmer zu befestigen, wo man von oben nicht ran kam. Eine halbe Stunde später verschwindet er wieder und die Tischler beginnen, die Unterkonstruktion für die neue Decke anzubringen.

Saskia kommt am frühen Nachmittag begeistert von ihrer Freizeit zurück, wir holen sie ab und lassen die Tischler solange allein im Haus.

Mittwoch, 18. Mai – am Morgen ist es grau und die Wetter-App des Dachdecker-Chefs sagt Regen voraus. Also erscheint wieder kein Dachdecker, was sehr schade ist, denn das Wetter wäre perfekt gewesen: Nicht zu warm, nicht zu kalt, bedeckt, aber trocken. Tja.

Immerhin sind die Tischler da und kommen flott voran. Statt nach den veranschlagten 3 Tagen werden sie am Nachmittag (also nach 2 Arbeitstagen) mit der Decke fertig. Es ist plötzlich sehr schön hell und wir haben wieder ein Schlafzimmer ohne Loch in der Decke. Vorläufig ist es allerdings noch Baustelle. Am 26. Mai waren die Tischler nochmal da, um die Abschlussleisten an der Decke anzubringen und die Möbel wieder aufzubauen. Wir haben inzwischen also wieder ein benutzbares Schlafzimmer.

Neue Decke - fast fertig

Unerwartete Schwierigkeiten gab es beim Anbringen der neuen Lampe – wir haben unsere etwas angeschmutzte Papierlampe entsorgt und ein wahrhaft drahtiges neues Modell gekauft. Leider sah einer der acht Lampenschirme nach dem Auspacken nicht so aus,

Neue Lampe

sondern so:

So sieht ein Lampenschirm aus, dessen Draht nicht richtig befestigt war

Immerhin reagierte die Angestellte im Baumarkt (nachdem ich erstmal eine halbe Stunde brauchte, um einen Ansprechpartner zu finden) recht pragmatisch: Sie schraubte einfach einen Schirm des Ausstellungsstücks ab und drückte ihn mir in die Hand. Nun ist die Lampe komplett und wir haben 24W Flutlicht 😉 (und finden hoffentlich endlich was im Schrank, wenn der irgendwann wieder eingeräumt ist).

Donnerstag, 19. Mai – da Saskia Schulferien hat, fährt sie mit dem Papa und der Bahn zu Oma und Opa nach Thüringen. Während die Dachdecker mit der Arbeit beginnen, bringe ich Mann und Kind zur U-Bahn, dann die abgerissenen Tapeten in den Müll und gehe mit meiner Mutti einkaufen. Unterwegs erreicht mich ein Anruf der Dachdecker: Sie haben keinen Strom mehr. Eine halbe Stunde später und mehrfaches Einschalten und Wiederrausfliegen der Sicherung später steht fest: Der Aufzug ist defekt. Das ist blöd, denn so können die Dachdecker den Bauschutt nicht abtransportieren. Sie machen erstmal weiter, aber so richtig voran geht es nicht mehr.

Freitag, 20. Mai – auf dem Dach wird lautstark gearbeitet, es klingt, als würde nicht nur das Dach, sondern direkt das ganze Haus abgerissen. Nach jedem Arbeitstag sind die unter dem jeweiligen Abrissbereich liegenden Zimmer verdreckt und vollgekrümelt – es ist erstaunlich, wieviel Dreck zwischen Paneelen und Wand so durchpasst.

Kurz vor 10 kommt wie versprochen ein Freund, der passenderweise Maler ist und klebt in den nächsten 4,5 Stunden einige Rollen Vliestapete an die Wände. Ich bin positiv überrascht, wie einfach und absolut kleckerfrei das funktioniert: Wand dünn einkleistern, trockene Tapete anlegen, soweit ziehen, dass das Muster passt, festdrücken, abschneiden, nächste Bahn.

Tapete

Zwischendurch treffe ich kurz den Chef der Dachdecker, der mir erzählt, der Aufzug sei leider immer noch defekt und würde erst am Montag repariert. Auf meine Frage, wie der weitere Zeitplan aussieht, antwortet er, er rechne noch mit 8-10 Tagen Arbeit, davon etwa 3 Tage für die restlichen Abrissarbeiten. Nun gut, das klingt einigermaßen überschaubar. Gegen 13 Uhr wird es dann ruhig – die Dachdecker haben das Wochenende eingeläutet. Der Freund und ich klettern mal nach oben und stellen fest, es sieht alles gut und aufgeräumt aus.

Dach

Samstag, 21. Mai – der erste Hochzeitstag, den ich nicht mit dem besten Ehemann von allen gemeinsam verbringe. Stattdessen fliegt er mit einem kleinen Flugzeug über Thüringen rum und ich verbringe Nachmittag und Abend mit einigen verrückten Square-Dancern beim Garagen-Dance.

Sonntag, 22. Mai – am Abend ist die Familie wieder komplett. Meine Mutti und ich holen die Kurzurlauber am Bahnhof ab.

Montag, 23. Mai – am Morgen steht der Chef der Dachdecker vor der Tür. „Mist“ meint er mit Blick aufs Nieselwetter. Immerhin wird der Aufzug repariert und der gesammelte Müll vom Dach geholt.

Dienstag, 24. Mai – auf dem Dach wird gearbeitet. Ungefähr zwei Drittel der Gesamtfläche sind nun geschafft.

Wenn der Abriss fertig ist, ist das Wetter nicht mehr ganz so wichtig. In der Abrissphase ist allerdings zwischenzeitlich das Dach komplett offen. Das heißt, die uralten und eindeutig nicht besonders dichten Paneele an den Zimmerdecken sind dann alles, was uns von der Außenwelt trennt. Es gibt keine weitere Zwischenschicht, keine Betondecke oder ähnliches. Bisher sah das Dach so aus:

* mehrere EPDM-Bahnen („Elefantenhaut“ und ähnliches)
* Polyethylenschaum auf Alufolie kaschiert (ziemlich spröde und krümelig)
* Rauholz
* Gefache mit Luft gefüllt und durch (senkrechtes) Sperrholz voneinander getrennt
* Paneele

Jetzt wird alles oberhalb der Gefache abgerissen, dann kommt die Dampfbremsfolie rein und wird ringsum befestigt, darauf kommt ganz viel Dämmung (sieht aus wie Holzwolle), dann eine neue Rauholzschicht und darauf eine Dampfsperrfolie, die ringsum wasserdicht verschweißt wird. Wenn das auf dem gesamten Dach geschafft ist, kommt eine Art „Polystyrol-Keil“ darauf (für die Neigung), der dann mit der EPDM-Bahn wasserdicht abgedeckt wird. An guten Tagen schaffen die Dachdecker etwa 2 Gefach-Breiten (jeweils ca. 75cm). Dieses Raster ist also quasi vorgegeben.

Leider war das Wetter in den vergangenen Tagen sehr wechselhaft. Und da es nicht möglich ist, einfach mittendrin aufzuhören und „einfach eine Folie drüber zu legen“, sobald es anfängt zu regnen, ist seit über einer Woche exakt gar nichts geschehen. Ja, das nervt ungemein, zumal die geplanten und im Angebot enthaltenen 4 Wochen Gerüststandzeit Ende der Woche vorbei sind und ich schon wieder Zusatzkosten auf uns zukommen sehe. Andererseits: Was ist die Alternative? Morgens anfangen, weil gerade die Sonne scheint und dann feststellen, dass es doch plötzlich anfängt zu regnen oder zu gewittern? Wenn die den Dreck sehe, der so nach unten krümelt, möchte ich mir ganz gewiss nicht vorstellen, dass dieser Dreck vom Regenwasser nach unten gespült wird.
Das will man nicht!

Also bleibt uns nur Geduld.

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