Spontaner Winterurlaub daheim

Oder auch: Glück ist 30 cm Pulverschnee bei Sonnenschein. 😉

Hier im Norden ist ja selten richtig Winter. Meist ist wochenlang graues Schmuddelwetter mit Wind, Nieselregen und Temperaturen knapp über 0°C. Sobald die Temperaturen fallen, hören die Niederschläge auf, es sind knapp unter 0°C und es ist trocken. Schlimmstenfalls hat es kurz vor dem Kälteeinbruch geregnet, dann ist es glatt. Und als letzte Variante gibt es noch Schneeregen, der vielleicht mal für einen halben Tag in Schnee über geht. Dann liegt eine Weile sehr nasser Schnee auf dem Boden, der recht schnell nur noch braungraue Pampe ist. Wichtig ist aber: Sobald sich eine Schneeflocke nähert, bricht das Verkehrschaos aus – liegen gar zwei oder noch mehr übereinander, sollte man den Eingeborenen am besten den Führerschein temporär entziehen, denn fahrtauglich sind sie schlagartig nicht mehr.

Dieses Jahr läuft der Winter etwas anders. Nach der üblichen Schmuddelphase haben wir derzeit bereits die 3. Woche in Folge sehr schönes, sonniges Wetter. Und es ist kalt. Nachts herrschen tatsächlich zweistellige Minusgrade und auch tagsüber bleibt es frostig. Ungewohnt, aber sehr angenehm, finde ich. (Auch wenn ich da von meinen bibbernden Kollegen schräg angeguckt werde. „Ich hab schon lange Unterhosen an, aber es ist so kalt hier.“, sagte gestern einer – im Büro waren 21°C.) Am Sonntag schneite es dann und dank der Kälte blieb der Schnee tatsächlich liegen und wurde nicht sofort zu Dreckwasser. Am Montag Morgen dauerte der Arbeitsweg zwar etwas länger als gewohnt, weil die Autos mit 10 km/h dahin schlichen, aber der Anblick der schneebedeckten Bäume war schon sehr schön.

In der Nacht von Montag zu Dienstag gab es nochmal eine neue Ladung Schnee. Der beste Ehemann von allen verließ heute schon um 6 Uhr das Haus, als ich mit Saskia eine Stunde später ebenfalls das Haus verließ, waren keine Spuren mehr zu sehen – dafür aber gut 20cm Neuschnee. Uff. Also erstmal Saskia in den Schulbus gesetzt, dann zurück zum Haus gelaufen und einen Weg freigegraben. Und nun Auto ausgraben? Ach nöö, dazu hatte ich keine Lust, da gehe ich lieber zum Bus.

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Auf der Hauptstraße rollte der Verkehr – ein Bus kam allerdings erstmal nicht. Irgendwann aber kam er doch und war natürlich voll. Na ja, nützt ja nichts. Bis zur nächsten Haltestelle (ca. 500m) ging es recht flott, danach war es allerdings vorbei. Die nächste (ebenfalls nur etwa 500m entfernte) Haltestelle erreichten wir nach 20 Minuten. Wenn es in dem Tempo weiter ginge, könnte ich direkt wieder umkehren, wenn ich mein Büro erreicht hätte. Blöd. Ich versuchte, meinen Chef zu erreichen: Ans Telefon ging er noch nicht, auf SMS kam auch keine Reaktion, aber die Mail mit meiner spontanen Urlaubsanfrage wurde beantwortet, während der Bus 5 Minuten brauchte, um um die Ecke zu fahren. Ich stieg also nach 2 Haltestellen und 25 Minuten wieder aus und lief an einer Blechlawine von Autos, die sich zentimeterweise vorwärts bewegten, vorbei die 1,5km wieder nach Hause. Na, das war ja mal mal ein erfolgreicher Start in den Tag. 😉 Eine Stunde nach dem Losgehen war ich wieder daheim und hatte überraschend Urlaub. Und nun? Zu tun gäbe es reichlich, aber das Wetter lockte doch sehr nach draußen. Also noch fix dem Urlaubsantrag eingerecht (SAP auf dem IPhone macht exakt keinen Spaß!) und dann wieder raus.

Winterspaziergang

Und es war soooo schön. Strahlend weißer Schnee, Ruhe, Sonne, glitzender Schneestaub, der ab und zu lautlos von den Bäumen rieselte … Über 2 Stunden war ich unterwegs, bin gelaufen, staunend stehen geblieben, habe unzählige Fotos gemacht und mich einfach an diesem Anblick erfreut.

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

Winterspaziergang

So darf Winter aussehen.

5 Jahre!

Seit 5 Jahren ist Saskia nun anfallsfrei! Eine lange Zeit und im Alltag spielt die Epilepsie bei uns zum Glück keine Rolle. Die Folgen der jahrelangen täglichen Anfälle und der dadurch verhinderten normalen Entwicklung allerdings spüren und erleben wir täglich. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die man schulterzuckend so hin nimmt, manchmal sind es Dinge, die mich traurig und ratlos machen.

Ich hoffe für Saskia und für uns als Familie, dass die Anfallsfreiheit uns dauerhaft auch während und nach der Pubertät erhalten bleibt und dass Saskia eines Tages selbstbestimmt leben kann. Im Moment habe ich manchmal das Gefühl, dass es gar nicht voran geht mit der Entwicklung – sowohl in der Schule, wo gefühlt seit 5,5 Jahren das Gleiche gemacht wird, als auch im Sozialverhalten, wo wir in puncto „Selbstvertrauen“ und „Selektiven Mutismus überwinden“ irgendwie so gar keine Fortschritte machen.

Andererseits: Wir haben schon so viel geschafft, woran auch nur wenige Menschen geglaubt haben. Als Saskia im Rollstuhl saß und keinen Zentimeter mehr gehen konnte, wurde ich manchmal irritiert angesehen, wenn ich sagte: „Wenn sie dann wieder laufen kann …“ Das war eigentlich auch schwer vorstellbar, aber irgendwie war ich immer davon überzeugt. Das Lesenlernen hat zwar einige Jahre gedauert, aber inzwischen klappt es recht gut (wenn das liebe Mädchen denn Lust hat). Und wenn der Knoten beim Rechnen noch irgendwann platzt … macht sie vermutlich trotzdem kein Abitur und mit dem Studium sieht es auch eher schlecht aus, aber wenn sie zumindest die Grundrechenarten beherrscht und weiß, wieviel Geld sie zur Verfügung hat und was sie wofür ausgeben kann und muss, wäre ja auch schon viel gewonnen. Mit Zeitangaben kann sie allmählich etwas anfangen und 14:30 Uhr beispielsweise zu „halb drei“ übersetzen.

Inzwischen sind wir die meisten Medikamente los und sind bei nur noch einer einzigen Tablette jeweils morgens und abends. (Okay, morgens gibt es momentan noch Vitamin D dazu.) Wer hätte das vor ein paar Jahren geglaubt?

Wir haben heute keine große Party gefeiert. Ich habe mich am glitzernden Pulverschnee bei Sonnenschein erfreut, der unter den Füßen knirschte, als ich zur Arbeit ging. (Pulverschnee! Schnee, der nach 24 Stunden immer noch lag und weiß war statt zu einer nassgrauen Masse zu werden. Ich weiß nicht, ob es das hier überhaupt schon mal gab. Falls ja, ist es sehr lange her.)
Saskia hatte mit der Tochter unserer Freunde einen sehr schönen Nachmittag, der mit einem gemeinsamen Abendessen endete.
Kleine Glücksmomente im Alltag.

Kann man auch den siebenten Termin vergeigen?

Yes, they can! (Jedenfalls teilweise.)

Nachdem die Küchenmonteure ja Ende Januar hier vor verschlossener Tür standen, gab es heute Nachmittag um 15 Uhr einen neuen Termin zur Endmontage. Zur Erinnerung: Zu montieren waren noch ca. 1,5m Sockelleiste und an den Türen von 4 Oberschränken Öffnungsbegrenzer, damit die Griffe nicht beim schwungvollen Öffnen an die Wand knallen.

14:50 Uhr klingelt das Telefon, sie seien jetzt unterwegs und in 15-20 Minuten hier. Passt. 10 nach 3 klingelt es an der Tür:
„Wir montieren heute die Sockelleisten.“
„Ja. Und die Öffnungsbegrenzer für die Türen.“
„Die sollten Ihnen per Post zugeschickt werden.“
„Aha?! Davon weiß ich nichts und geschickt wurde uns auch nichts. Dann wird es wohl heute wieder nicht der letzte Termin. Da bin ich ja froh, dass ich nicht schon wieder Urlaub genommen habe.“

Vorher

Eine halbe Stunde später heißt es: „So, der Sockel ist fertig.“

Nachher

Der Monteur kramt seine Unterlagen raus, guckt auf die Daten und meint:
„Und der Betrag ist noch offen?“
„Ja.“
„Respekt! Wie hoch war denn der Gesamtpreis?“ Ich sage es ihm.
„Und wieviel zahlen Sie heute?“
„Nichts.“ sage ich grinsend. „Ist mit dem Kundendienst so vereinbart. Wenn alles fertig ist, gibt es ein Abnahmegespräch und erst danach zahlen wir.“
„Na, wenn das so ist, machen wir hier einen Strich. Und hier noch eine Unterschrift. … Schönes Wochenende!“
„Ja, Ihnen auch.“

35 Minuten nach ihrem Erscheinen waren die Monteure wieder verschwunden. Und ich war sehr froh, dass ich nicht noch die Oberschränke (teilweise) ausgeräumt hatte, um Baufreiheit zu schaffen.

Im Prinzip ist die Küche jetzt komplett, die fehlenden Scharniere sind kein echtes Problem. Ich werde jetzt also in aller Ruhe abwarten, wann sich jemand für die tatsächliche Endmontage und das Abschlussgespräch meldet.

Zeitreise

Als ich Kind war – in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – wurde (zumindest gefühlt) überall geraucht: Auf der Straße, in Restaurants, im Fernsehen, im Zug, im Auto, in der Werkstatt … und natürlich auch zu Hause. Ich fand es immer schon eklig und meine Eltern konnten vermutlich ein Lied davon singen, weil ich das durchaus auch in Gegenwart von Freunden oder Verwandten zum Ausdruck brachte. Meine Großeltern, bei denen ich teilweise gelebt habe, rauchten zwar nicht – aber wenn rauchende Bekannte oder vielleicht rauchende Handwerker zu Besuch waren, räumte meine Oma nicht nur den Aschenbecher auf den Tisch, sondern auch die Zigaretten dazu. Als Nichtraucher in der eigenen Wohnung das Rauchen nicht zur zu dulden, sondern in gewisser Weise sogar zu fördern – auf so eine Idee käme ich NIE. Aber damals war es zumindest bei uns so – die Gastfreundschaft stand an erster Stelle.

Als Jugendliche in den 80er Jahren war ich immer noch Nichtraucherin und damit in meiner Umgebung auf ziemlich verlorenem Posten. Ich erinnere mich an Abende in der Jungen Gemeinde, an denen ich von 16 Leuten die einzige Nichtraucherin war. Der Pfarrer rauchte Pfeife (mit Vanillearoma), deren Geruch ich noch ganz angenehm fand, die Jugendlichen rauchten „f6“ oder „Karo“ – und ich habe es gehasst. Nach jedem Abend stanken die Klamotten, die Haare, einfach alles nach kaltem Rauch. Bähh.

Beim Udo-Lindenberg-Konzert im Januar 1990 in Leipzig wurden am Eingang Probepäckchen mit je 5 Zigaretten verteilt. (Auf die Idee käme heute zum Glück keiner mehr.) In der Messehalle herrschte den ganzen Abend dichter Nebel.

Als ich schwanger war, machte ich mit dem besten Ehemann von allen 3 Wochen (Bildungs-)Urlaub in Irland, wo gerade das Rauchen in Pubs verboten worden war. Es war so toll. Man konnte einkehren, ohne sich wie Räucherware zu fühlen. Ich genieße es wirklich, dass man auch in Deutschland inzwischen Essen gehen kann, ohne eingeräuchert zu werden. Und auch in meinem Umfeld sind die Raucher inzwischen deutlich in der Minderheit. Hallelujah! Wer heute noch raucht, tut das meist im Freien (gezwungenermaßen, weil es in vielen Gebäuden nicht mehr erlaubt ist oder freiwillig, weil selbst die Raucher sich am Gestank in der Wohnung stören).

Gestern waren wir mit einer Schulfreundin von Saskia und deren Mutter unterwegs. Das Mädchen geht seit 1,5 Jahren in Saskias Klasse und ist ihre beste Freundin. So weit, so schön. Wir hatten gemeinsam etwas vor und aus organisatorischen Gründen trafen wir uns bei ihnen zu Hause zum Kaffee trinken und um dann gemeinsam loszugehen. Wir kamen um 13:30 Uhr an, der Tisch war gedeckt und während wir etwas tranken und uns unterhielten, wurde die erste Zigarette angezündet. Kurze Zeit später die zweite. Als wir 14:15 Uhr aus dem Haus gingen, folgte Nummer 3 auf dem Weg zur U-Bahn, dann die vierte beim Warten auf dem Bus und die fünfte als wir am Ziel ankamen. Die Veranstaltung dauerte von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr, dann das gleiche Spielchen auf dem Rückweg wieder. Die Kinder äußerten den Wunsch, noch ein bisschen zusammen zu spielen und so kehrten wir auf dem Rückweg nochmal in der Wohnung mit ein. 5 Stunden und 10 Zigaretten nach unserer Ankunft verabschiedeten wir uns und ich stellte fest, dass ich Rauchen inzwischen noch ekliger finde als früher. Ich hatte Kopfschmerzen und fand es einfach nur wi-der-lich. Sämtliche Sachen wanderten wegen akutem Gestank unmittelbar in die Waschmaschine, Saskias und meine Haare wurden noch gestern Abend gewaschen, selbst die Jacken, die nur im Flur hingen, hatten den Geruch angenommen.

Ich fühlte mich mindestens 30 Jahre in die Vergangenheit versetzt, als Rauchen noch gesellschaftsfähig(er) war. Dass eine Mutter ihr eigenes Kind (und deren Freundin und Eltern) den ganzen Nachmittag einnebelt, habe ich zum Glück schon ewig nicht erlebt. Auf dem Tisch und dem Schrank direkt neben dem Tisch standen zwei volle Aschenbecher, das Mädchen hat 1a-Raucherhusten … und ich verstehe es einfach nicht.

Und ich weiß noch nicht so richtig, wie ich damit umgehe. Da es leider mit der Selbstständigkeit der Kinder nicht so weit her ist, ist das Ohne-Eltern-drußen-rumziehen o.ä. leider nicht drin. Und auch diese Freundin wohnt etwa 7km entfernt (und damit im Vergleich zu anderen Mitschülern noch recht nah), also hängen wir Eltern immer mit drin. Ich möchte Saskia nicht ihre Freundin vermiesen, aber auch nicht stundenlang in einer Räucherhütte lassen. Das nächste Mal ist erstmal treffen bei uns angesagt, aber eine Dauerlösung ist das ja auch nicht.

Sonntagsausflug

Als wir heute aufstanden, schneite es in großen Flocken. Das passte recht gut zu unserem geplanten Ausflug, der wieder einmal hier hin führte:

Blick von der Plaza

Allerdings ging es diesmal noch ein Stück höher hinaus …

Aufwärts

… bis in die 12. Etage, von der man einen wunderbaren Blick zur Bühne hatte und so Orchester und Erzähler gut hören und sehen konnte. Musikalisch erzählt wurde die Geschichte „Der Schneemann“.

Elphi - Großer Saal

Wir haben ja schon einige Familienkonzerte aus der Reihe „Discover Music!“ erlebt, in der Elbphilharmonie waren wir aber bislang noch nicht und so wussten wir auch nicht genau, was uns erwarten würde und wie streng würde es wohl in der Elphi beim Familienkonzert zugehen? Mitsingen sei erwünscht, stand in der Beschreibung – aber wie ist es mit Stillsitzen? Würde auch die kleine Tochter unserer Freunde das Konzert durchhalten? Mitgesungen wurde leider nicht soooo stark wie eigentlich gewünscht, aber die Schneeballschlacht im Großen Saal sah schon lustig aus. Und die Geschichte vom Schneemann, der zum Leben erwacht ist sehr hübsch und wurde sehr anschaulich erzählt und auch die Musik gefiel sowohl uns Großen als auch den Kindern.

Alles in allem ein gelungener Nachmittag und wir kennen die Elphi nun auch von innen 😉

Draußen hatte sich der Schnee inzwischen in Wasser aufgelöst und die Kleinste aus unserer Runde war eine Weile traurig über den geschmolzenen Schneemann in der Geschichte.

Mülleimer vor der Elphi