Es gibt schon ziemlich dämliche Krankheiten

Wenn ich unseren Dänemark-Urlaubs-Bericht schon zu Ende geschrieben hätte, hätte ich auch erzählt, dass ich im Urlaub krank war. Das hat nämlich ganz schön Nerven gekostet. Über den Urlaub kommt noch was, sobald ich dazu komme – zum Kranksein kommt aber direkt noch was – aus gegebenem Anlass.

Zunächst mal habe ich es ja im Urlaub nach wenigen Tagen geschafft, mich bei wochenlangem Dauersonnenschein und Temperaturen über 30°C zu erkälten. Nicht richtig dramatisch, aber immerhin tat der Hals ziemlich weh und ich ergoogelte mir das nötige Vokabular, um für den Ausflug in die Apotheke gerüstet zu sein:

Halsschmerzen

Es ging dann aber auch mit Englisch und die Erkältung verschwand dann auch wieder.

Ein paar Tage später hatte ich am späten Nachmittag das Gefühl, ich hätte mir den Hals verzerrt oder Zug bekommen. Vielleicht am Strand? Es war immerhin der erste kühlere Tag und ich hatte nach dem Baden nur flüchtig abgetrocknet in der Sonne und dem kühlen Wind gelegen. Leider blieb es nicht dabei: Am nächsten Tag hatte ich einen dicken Knubbel im Nacken, der Hals war rot und heiß – also äußerlich. Und ich konnte den Kopf nicht bewegen. Also wirklich gar nicht. Ich verbrachte den Tag auf dem Sofa der Ferienwohnung, während Mann und Kind unterwegs waren, Ibuprofen und ein kühlendes Gel besorgten. Allerdings führte schon die leichteste Berührung zu höllischen Schmerzen. Am Schlimmsten war, dass ich kaum schlafen konnte: Ich lag im Bett und hatte das Gefühl, ich müsste mich ein paar Millimeter zurecht rütteln, um die richtige Position zu haben. Aber rütteln geht nicht, ohne den Kopf zu bewegen. Ich nahm also meine Hand, schob sie unter den Kopf und hob den Kopf in die richtige Position … die dann doch wieder falsch war.

Am nächsten Tag (einem Sonntag) mussten wir unsere Ferienwohnung wechseln, denn wir wollten ja noch woanders hin. Die 300 km Autofahrt saß ich mit starr nach vorn gerichtetem Blick auf dem Beifahrersitz und freute mich nur darüber, dass die Straßen weitgehend glatt waren. In Kurven musste ich allerdings den Kopf immer festhalten. Den Rest des Tages verbrachte ich dann wieder liegend.

Am Montag fand ich dann heraus, dass es in Dänemark nette, gut deutsch sprechende Ärzte gibt, man geduzt und mit Vornamen angesprochen wird und auch der Arzt mit Vornamen angeredet wurde. Lustig. Es gab einen auffälligen CRP-Wert von 145 (der soll in Dänemark unter 20, in Deutschland unter 5 liegen – keine Ahnung, ob es die gleiche Einheit ist oder warum er in Dänemark höher sein darf) und die Diagnose, dass vermutlich die Mandeln eine Entzündung und einen Abszess verursacht hätten. Außerdem starke Schmerzmittel und hochdosiertes Penicillin. Als wir zwei Tage später nach Hause fuhren, konnte ich den Kopf auch schon wieder bewegen. Der Arzt in Deutschland schrieb „Seitenstrangangina“ als Diagnose auf den Krankenschein und zog mich erstmal aus dem Verkehr. Mir ging recht schnell wieder besser, der Knubbel im Nacken blieb aber auch nach Verschwinden der Schmerzen noch recht lange spürbar.

Am vergangenen Freitag fühlte ich mich dann wieder irgendwie matschig und angeschlagen, ich schleppte mich zur Arbeit, denn ein Kollege hatte seinen letzten Arbeitstag vor 3 Wochen Urlaub, ich sollte ihn vertreten und ein paar Dinge mussten noch übergeben werden. Das klappte auch, aber ich war sehr froh, als ich am Mittag nach Hause gehen und mich hinlegen konnte. Und weils so schön war, blieb ich am Samstag gleich liegen und schniefte viele, viele Taschentücher voll. Okay, nicht schön, aber so lange es nur Schnupfen ist, auch nicht tragisch. Am Sonntag war der Hals und der untere Teil vom Ohr dann rot – und zwar von außen. Immerhin konnte ich den Kopf bewegen und der Schnupfen war weg, ich hatte relativ gut geschlafen und fühlte mich recht gut – abgesehen von der heißen Stelle und gelegentlichen Schweißausbrüchen, gefolgt von kalten Füßen. Ich ging ins Bad und genoss das Duschen und merkte plötzlich, wie es von einer Sekunde zur anderen nicht mehr gut war. Das Gefühl: „Ich muss mich ganz schnell hinsetzen, sonst haut es mich um.“ führte dazu, dass ich mich eine Sekunde später auf dem Badezimmerfußboden wieder fand. Zum Glück ließ der Schwindel ziemlich schnell wieder nach, aber ein Arzt wäre vielleicht doch eine gute Idee.

Die Umsetzung gestaltete sich am Sonntag Abend dann doch etwas komplizierter als gedacht. Wir hatten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 angerufen und waren wie üblich in der benachbarten Großstadt rausgekommen. Dort gehören wir zwar vorwahltechnisch dazu, es ist aber ein anderes Bundesland und Krankenwagen o.ä. zerfallen (ähnlich wie Schulbusse) augenblicklich zu Staub, wenn sie die Landesgrenze unbefugt überqueren. Soll heißen: Man ist dort für uns nicht zuständig, wir landen aber durchs Telefonnetz immer wieder in der falschen Zentrale. Nach etwas Weitervermittlung und laaaanger Warteschleife sagte man uns, das wäre ein Fall für die Anlaufpraxis im Krankenhaus – dort sei bis 21 Uhr geöffnet und wir sollen doch bitte hinkommen. Ähhh, ja, … Neee! Ich kann so nicht selbst fahren und der beste Ehemann von allen muss sich ums Kind kümmern, das am nächsten Morgen früh raus muss, wir können jetzt nicht in den Nachbarort zum Krankenhaus fahren. Also nochmal angerufen, weiter verbinden lassen und schließlich erreicht, dass ein Arzt nach Hause kam.

Der verschrieb dann ein Antibiotikum, falls ich es gar nicht aushielte. Wenn ich es aber aushielte, solle ich es lieber nicht in der Apotheke holen und am Montag Morgen zum HNO-Arzt gehen, weil der genauer untersuchen und dann ggf. ein anderes Antibiotikum verschreiben könne. Okay, das ist ein Deal. Sooo schlimm fühlte ich mich nicht, also blieb das Rezept uneingelöst und ich stand am Montag Morgen vor der HNO-Praxis … die leider wegen Operationen geschlossen war. Uff. Dann eben zum HNO im Nachbarort. Der diagnostizierte ein Erysipel und verschrieb zwar tatsächlich ein anderes Antibiotikum, die Untersuchung war allerdings extrem kurz und nicht sehr vertrauenerweckend. Hmmmm?! Und nun? Ich löste das Rezept ein, nahm am Montag im Laufe des Tages die verordneten 3 Tabletten und stellte am Dienstag fest, dass sich die Rötung und Schwellung inzwischen noch weiter ausgebreitet hatten. Nun war das komplette linke Ohr knallrot und dick geschwollen, der Hals darunter ebenfalls rot und wenn ich den Kopf bewegte, stach es und beim Kämmen tat mir jedes einzelne Haar weh.

Das Antibiotikum hatte die Ausbreitung der Entzündung also nicht verhindert. (Dass es weg ist, hatte ich nicht erwartet. Aber zumindest sollte gestoppt werden, dass sich der Mist weiter verbreitet.) Also wieder zum HNO (diesmal zum hiesigen) und auch wenn ich in der Praxis an der Anmeldung sehr komisch angesehen und auch sehr unschön angemotzt wurde (und dann zwei Stunden warten musste) – hatte ich beim Arzt selbst zumindest das Gefühl, ernst genommen zu werden. Im Gegensatz zu seinem Kollegen am Vortag untersuchte er mich etwas gründlicher und wies mich schließlich in Krankenhaus ein.

Dort gab es nach einer Blutentnahme und ’nem Entzündungswert von  203,7 mg/l (erlaubt sind Werte zwischen 0 und 5!) dann 3 mal täglich das Antibiotikum direkt in die Vene und schon zwei Tage später sehen Ohr und Hals wieder normal aus. Hurra! Ich durfte dann heute heim und darf den Rest Antibiotikum in den nächsten Tagen als Tabletten nehmen, die Schmerzen sind fast weg – dafür ist der Schnupfen jetzt wieder da. Irgendwas ist immer …

2 Gedanken zu “Es gibt schon ziemlich dämliche Krankheiten

  1. vielesommersprossen schreibt:

    Mensch , solche schlimmen Sachen hatte ich ja in meinen 67 Jahren nicht. Liest sich ja schaurig.
    Hoffe, dass nun endlich alles auskuriert ist und Du wieder voll durchstarten kannst.
    Alles Gute !!!

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