Das Ende?

Nach dem Brief vom gegnerischen Anwalt am Dienstag, der meinen Blutdruck vermutlich auf astronomische Werte steigen ließ, erwartete ich von der Gerichtsverhandlung am Donnerstag nicht allzu viel. Ein Einlenken der Gegenseite war nicht in Sicht, im Brief war wieder einmal der Tenor, es sei alles gar nicht nötig gewesen, die Beweisfotos könnten von sonstwann sein (damit unterstellt er ja nicht nur uns, wir würden lügen, sondern auch dem Sachverständigen, der die Arbeiten begleitete und einen Bericht dazu schrieb), es könne sein, dass das Wasser erst bei oder nach der Öffnung des Daches hineingekommen sei (nein, da war strahlender Sonnenschein und wir haben das Dach nicht zum Spaß geöffnet), die Unterkonstruktion (Holzleisten, die die Gipskartonplatten tragen) sei übertrieben und die Gipskartonplatten wären ja nur nötig, weil wir diesmal statt der Holzfaserdämmung eine Einblasdämmung verwendet hätten (nein, die Gipskartonplatten bilden die Zimmerdecke – völlig unabhängig von der Art der darüber befindlichen Dämmung) und überhaupt sei es nicht nötig gewesen, das komplette Dach zu erneuern, wir hätten aber offenbar einfach ein neues Dach mit einem völlig anderen Aufbau (sprich: Einblas-Zellulosedämmung statt Holzfaserdämmung) gewollt (klar, Dachsanierung mit allem Pipapo alle zwei Jahre ist unser liebstes Hobby).
Meine Güte, ich bekomme schon wieder Puls, wenn ich den Mist hier nur aufschreibe.

Wahrscheinlich würden also Zeugen geladen werden müssen und wir würden uns nach wenigen Minuten auf einen Termin in einem halben Jahr vertagen.

Allerdings war der Richter offenbar ebenfalls vom Rumgejammer der Gegenseite genervt und begann die Sitzung mit dem schönen Satz an den gegnerischen Anwalt: „Ich bin sehr entäuscht.“ Er sei enttäuscht von der kleinlichen Auflistung von Einzelheiten, die doch eigentlich unstrittig seien. Schließlich hätte ja sogar der gerichtliche Gutachter geschrieben, dass das Dach (bzw. die obere Schicht des Daches) komplett geöffnet werden müsse, um nachzusehen, wie weit die Schäden gehen. Gemurmel von der Gegenseite, man hätte dann aber nicht alles erneuern müssen („Aber das Dach war dann weg!“, rief der Richter) und die Randbalken seien gar nicht verfault, sondern nur nass (und schwarz, wie man auf den Fotos sieht). Der Richter meinte dazu, dass auf den Fotos deutlich zu sehen sei, dass die Folie eben nicht wie vereinbart über die Randbohlen ginge, sondern schon vorher ende. Aber nicht überall, antwortete der generische Anwalt. „Ja, soll die Familie das Dach dann stückweise erneuern?“, fragte der Richter und erhielt Zustimmung vom Anwalt. Das sei uns nicht zuzumuten gewesen, antwortete der Richter.

Er hätte uns zu diesem Termin bestellt, damit wir nochmal versuchen könnten, einen Kompromiss zu finden. (‚Och nöö, ich will keinen Vergleich‘, dachte ich – nicht, nachdem uns die Gegenseite Anfang des Jahres schlappe 40% der Hauptforderung angeboten hatte.) Er schlage vor, dass die Beklagten Dreiviertel der Kosten tragen und wir das restliche Viertel. Hmmm … Wir gingen kurz mit unserem Anwalt vor die Tür, um das Angebot zu besprechen und entschieden, es anzunehmen, auch wenn es ganz am unteren Ende des Bereichs liegt, den wir uns als Schmerzgrenze gesetzt hatten. (Vielleicht hätten wir feilschen müssen, dachten wir hinterher – einfach sagen, wir wollen 80% statt 75. Aber vielleicht wäre uns der Richter dann nicht mehr so freundlich gesonnen gewesen.) Immerhin hätte der ganze Quatsch dann endlich ein Ende, wir (hoffentlich bald) einen großen Teil unseres Geldes und müssten nicht fürchten, dass die Firma doch irgendwann insolvent ist und wir gar nichts bekommen.

Wir gingen also wieder in den Gerichtssaal, stimmten dem Vergleich zu, es wurden Details besprochen – wie zum Beispiel, dass auch die Anwalts- und Gerichtskosten entsprechend geteilt würden, dass die Gegenseite aber die Gutachterkosten aus dem selbstständigen Beweisverfahren vollständig übernehmen muss (das waren immerhin knapp 5000 €) und dass die Gegenseite jetzt 3 Wochen Zeit hat, das mit ihrer Versicherung zu klären … oder gegebenenfalls vom Vergleich zurück zu treten. Das bedeutet: Wir wissen Mitte Dezember, ob der Vergleich bestehen bleibt und bekommen (hoffentlich) zum Jahreswechsel unser Geld – oder es geht Mitte Januar in die nächste Runde.

Der Richter diktierte nebenbei alles in sein kleines Diktiergerät, spielte uns am Ende alles ncohmal vor, alle nickten zustimmend und nach 20 Minuten war die Sitzung beendet.

4 Gedanken zu “Das Ende?

  1. Monique Erdt schreibt:

    Hallo,

    zum Thema “das Beweisfoto kann ja von irgendwann sein” möchte ich kurz anmerken, dass Bilder in ihrem Header automatisch das Aufnahmedatum speichern. Einfach mal suchen nach “Bild Metadaten auslesen”, falls ihr weiter kämpfen möchtet. Einige dieser Daten kann man ändern. Inwieweit die Beweispflicht bei der Gegenseite liegt, ob das Aufnahmedatum geändert wurde, weiß ich leider nicht.

    So oder so: Ich wünsche euch erholsame und stressfreie Weihnachten!

    Viele Grüße
    Monique

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