Jahresrückblick 2016

Auch in diesem Jahr gibt es zu Silvester einen Rückblick ausf vergangene Jahr.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Schwer zu sagen. Persönlich war es anstrengend, hatte aber auch viele gute Phasen. Wenn ich die Gesamtlage so ansehe, habe ich es als ziemlich schlimm empfunden. Ich gebe dem Jahr mal eine 7,5.

Zugenommen oder abgenommen?

Ganz böse Frage. Ich weiß gerade gar nicht, wie viel ich Ende 2015 exakt wog, derzeit ist es jedenfalls viel mehr als es sein sollte. Wahrscheinlich zugenommen oder auf hohem Niveau konstant.

Haare länger oder kürzer?

Minimal kürzer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Weder noch.

Mehr Kohle oder weniger?

Auf dem Gehaltszettel etwa gleich viel – und das ist inzwischen pro Stunde mehr als beim besten Ehemann von allen – wegen Teilzeit ist es insgesamt trotzdem weniger. Auf dem Konto viel, viel weniger. Wir haben bis auf eine Reserve für unvorhersehbare Notfälle in diesem Jahr nahezu alles ausgegeben. So leer wie Ende November waren unsere Konten schon lange nicht mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger als im vorigen Jahr, aber da war es auch extrem viel. Dieses Jahr war es immer noch sehr viel. Insgesamt gesehen haben wir unser Haus dank der Sanierungsarbeiten inzwischen fast zum zweiten Mal gekauft. 😮

Immmerhin ist es jetzt wenigstens außenrum soweit fertig (bis auf die Terrasse, aber die muss sich hinten anstellen). Sobald wir ausreichend Geld haben, sind erstmal Treppenhaus und Küche dran. Ich hoffe, der Kühlschrank hält noch solange durch.

Das meiste Geld ausgegeben?

Für die Sanierung unseres Hauses. Im diesem Jahr war es die komplette Dacherneuerung. Außerdem haben wir das Schlafzimmer renoviert, endlich die Wände von Balkon und Terrasse neu verkleidet (und gedämmt) und Ende November dann noch die Rollläden auf der Südseite erneuert (die auf der Nordseite haben wir schon 2011 mit den Fenstern ersetzt).

Außerdem haben wir eine große Reise für 2017 gebucht und bezahlt und mussten Waschmaschine und Geschirrspüler ersetzen.

Besseren Job oder schlechteren?

Denselben. Der beste Ehemann von allen hat ab übermorgen einen neuen und das ist gerade ein sehr seltsames Gefühl – auch für mich. Aber im alten Job passte einfach zu vieles nicht mehr.

Mehr bewegt oder weniger?

Zu wenig. Nachdem ich in der ersten Jahreshälfte festgestellt habe, dass mir Zumba zwar Spaß macht, aber die Drehungen und Sprünge meinen Gelenken nicht gut tun und Zumba Gold (das ist die „Alte-Leute-Variante“ von Zumba mit viel weniger Gehopse) leider nicht zu für mich kompatiblen Zeiten angeboten wird, sondern (zielgruppengerecht) Donnerstag vormittag oder so, blieb zumindest der regelmäßige Sport auf der Strecke. Ich war nur zwei- oder dreimal walken (im Jahr, nicht etwa in der Woche!). Immerhin sind wir zumindest im Sommer ein bisschen gewandert (und ich muss endlich mal noch darüber bloggen) und der laut Schrittzähler erreiche ich meist das Tagesziel von 8000 Schritten. (Die komplette Statistik dazu gibt es Anfang Januar, wenn ich das Ergebnis eines Jahres habe.)

Die meiste Zeit verbracht mit?
Saskia und dem besten Ehemann von allen. Und auch wieder mit Handwerkern und Bauarbeitern. Zum Glück auch mit Freunden und mit meiner Mutti, die nun nur noch ca. 1km entfernt wohnt.

Zum ersten Mal getan?

Mit Saskia im Konzert gewesen. Es waren keine großen Konzerte, man musste auch nicht stundenlang stillsitzen, aber dafür hat überwiegend sehr gut geklappt. Gehört haben wir „Herr Cello und Herr Cello“ (bzw. wegen Krankheit des einen Herrn Cello eher „Herr Cello und Herr Piano“) – da war Saskia mit dem besten Ehemann von allen, während ich mit meiner Mutti in Leipzig die letzten Umzugskisten packte.
Außerdem gab es Beethovens „Frühlingssonate“ und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – jeweils in kindgerechten Häppchen.

Am meisten Spaß hatte ich persönlich an „Peter gegen den Wolf“ – der Fortsetzung von „Peter und der Wolf“ als Gerichtsverhandlung (vielleicht war der Wolf ja unschuldig und der besoffene Jäger hat auf die Ente geschossen). Sehr lustig, allerdings wurde da Saskia irgendwann unruhig und erzählte, es sei ihr zu laut.

Nach langer Zeit wieder getan?

Eine Reise in die Karibik gebucht.

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die ständigen Verzögerungen beim Dachdecken.
Saskias teilweise extremes Rumgezicke und Gemaule.

Lieblingsblogs des Jahres?
Seit Jahren:
Suomalainen Päiväkirja – Karens finnisches Tagebuch,
Gut gebrüllt und
Frau … ähh … Mutti
Elisabeth mit Robert und
Tanja mit Niklas

Neu entdeckt (durch einen Link bei Frau Brüllen): Rabensalat .

Größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Da es mit dem Weltfrieden dieses Jahr nicht geklappt hat, vielleicht ja 2017?!
Ansonsten ein weiterhin anfallsfreies Kind, das wieder etwas umgänglicher ist und natürlich Gesundheit für alle. Weniger Stress. Und einen guten Start in den neuen Job für den besten Ehemann von allen.

Fazit
2016 war ein durchwachsenes Jahr. Die Saniererei hat sich auch diesmal sehr hingezogen und mich ziemlich genervt. Folgen des Dachschadens sind im Keller noch immer zu sehen: Viele Dinge aus dem Schlafzimmer lagern noch immer unten und warten darauf, dass ich mal Zeit zum Räumen finde. Uff.

Wir hatten zum Glück keine größeren Krankheiten, Saskias Zähne konnte der Zahnarzt gut reparieren, die Verbrennung am Finger ist gut verheilt. Wir haben schöne Zeiten mit Freunden verbracht, hatten einen schönen Urlaub und haben endlich ein neues Dach überm Kopf (im alten Haus).

Ich wünsche uns allen ein gesundes neues Jahr!


2011, 2012, 2013, 2014 ,2015

Jahrestage

Gleich 2 Jahrestage gab es diese Woche zu feiern:

Einerseits die Tatsache, dass ich zu Weiberfastnacht vor 15 Jahren den (in Köln) freien Tag nicht dazu genutzt habe, ein paar Herren den Schlips abzuschneiden, sondern lieber in den Zug gestiegen bin, um einen ganz besonderen Menschen persönlich kennen zu lernen. Das war auf jeden Fall eine gute Entscheidung 😉

Andererseits konnten wir am Donnerstag 3-jährige Anfallsfreiheit feiern. Ist das nicht Klasse?

Wir haben beide Tage nicht wirklich gefeiert, aber wir überlegen gerade, ob (bzw. wann) wir mit der Reduktion von Saskias Medikamenten weiter machen. Wir hatten ab Dezember die morgendliche Orfiril-Dosis allmählich reduziert, so dass wir nun noch morgens eine halbe und abends eine ganze Kapsel haben. Mittelfristig soll das Orfiril möglichst komplett raus, wir würden wohl als nächstes die Abend-Dosis reduzieren und dann wieder weiter sehen.

Neben der Überlegung, wie wir wann am günstigsten reduzieren können, ohne die Anfallsfreiheit zu gefährden, spielen auch immer praktische Überlegungen eine Rolle: Wenn Saskia mit der Lebenshilfe auf Kurzzeitpflege-Freizeit unterwegs ist, sollten wir an einem sinnvollen Punkt sein. „Morgens 27 Kügelchen und abends 43.“ o.ä. wäre eher schwierig zu vermitteln. Das heißt, wir haben jetzt Zeit bis Anfang Mai.

Nebenbei war ich mit Saskia noch bei der Orthopädin und bei einem neuen Arzt im SPZ. Viel neue Erkenntnisse gibt es nicht – da Saskia Knick-, Senk- und Spreizfüße sowie einen Hallux valgus hat, wurden Abdrücke gemacht und es gibt demnächst wieder Einlagen.

Fußabdruck

Jahresrückblick 2015

Alle Jahre wieder – Zeit für den Rückblick aufs fast vergangene Jahr

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
7. Es war durchaus gut, aber sehr anstrengend, gerade in der zweiten Jahreshälfte.

Zugenommen oder abgenommen?
Ich sag mal so: Von den 10 Kilo, die ich dieses Jahr abnehmen wollte, sind derzeit noch 15 16 übrig. Das war also mal gar nichts. Stress führt bei mir nahezu zwangsläufig zur Zunahme – und Stress hatte ich reichlich. Kombiniert mit dem Mangel an Bewegung kann es für das Gewicht nur einen Trend geben: Aufwärts.

Haare länger oder kürzer?
Etwa gleich. Keine Ahnung. Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr beim Friseur.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weder noch.

Mehr Kohle oder weniger?
Viel weniger. Bei etwa gleichem Einkommen.

Besseren Job oder schlechteren?
Denselben, aber in anderer Umgebung. Das ist noch immer gewöhnungsbedürftig.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Soviel wie noch nie in meinem Leben. Und mein Girokonto war noch nie so leer wie jetzt.

Mehr bewegt oder weniger?
Noch weniger als im letzten Jahr. Und da war es schon zu wenig.

Erkrankungen dieses Jahr?
Außer ein paar Erkältungen gab es keine.

Das meiste Geld ausgegeben?
Für die Sanierung unseres Hauses und die anstehende Familienzusammenführung im kommenden Jahr.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Saskia und dem besten Ehemann von allen. Und mit vielen Handwerkern und Bauarbeitern.

Zum ersten Mal getan?
Eine 1000-Tage-Anfallsfrei-Party gefeiert.

Nach langer Zeit wieder getan?
Einen Kreditvertrag unterschrieben.
Mit vielen alten Freunden Bowling gespielt. – Auf jeden Fall wiederholungswürdig.

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die ständigen Verzögerungen beim Umbau.
Den Dachschaden im Schlafzimmer.
Saskias teilweise extremes Rumgezicke.

Die besten Filme
„Alles steht Kopf“ – fand ich sehr gut. Es ist aber meiner Meinung nach kein Kinderfilm.
„Der Marsianer“ – hat mich ebenfalls beeindruckt, obwohl ich ja eigentlich nicht der Science-Fiction-Fan in der Familie bin.

Die besten Bücher
Nochmal „Der Marsianer“ – nachdem ich den Film so toll fand wollte ich das Buch unbedingt lesen. Es steht beim besten Ehemann von allen als (sehr) dickes Taschenbuch im Regal, aus praktischen Gründen habe ich es mir trotzdem lieber in der Onleihe für den Reader ausgeliehen. Das ist einfach U-Bahn-tauglicher 😉

Lieblingsblogs des Jahres?
Seit Jahren:
Suomalainen Päiväkirja – Karens finnisches Tagebuch,
Gut gebrüllt und
Frau … ähh … Mutti, die nach langer Blogpause endlich wieder da ist.

Wieder entdeckt: Bis einer heult.

Einige Blogger mit behinderten Kindern bloggen nicht mehr oder kaum noch. Aber bei:
Elisabeth mit Robert und
Tanja mit Niklas
und ihren Familien lese ich nach wie vor regelmäßig.

Beim Sonnenschein und einigen anderen zumindest gelegentlich.

Auch bei Ole gucke ich halbwegs regelmäßig rein, aber mit der neuen Blog-Software stehe ich leider auf Kriegsfuß.

Größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Ein weiterhin anfallsfreies Kind und natürlich Gesundheit für alle. Einen problemlosen Umzug (nicht für uns) und ein gutes Einleben hier. Weniger Stress. Und Weltfrieden natürlich.

Fazit
2015 war ein anstrengendes Jahr. Wir haben entschieden, nicht mehr weiter nach einem neuen Haus zu suchen, sondern das alte schön zu machen. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung – aber es ist sehr teuer und langwierig. Ich hoffe, die weiteren Umbauten gehen problemloser als die bisherigen.

Ich wünsche uns allen ein gesundes neues Jahr!


2011, 2012, 2013, 2014

Jahresrückblick 2014

Schon wieder ein Jahr um – Zeit für einen kleinen Rückblick.

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Ziemlich gut – 8,5 (ich brauche ja noch Steigerungsmöglichkeiten).

Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen, geplant war es anders. 😐 Aber, wenn man den Hintern nicht hoch bekommt, wird das eben nichts.

Haare länger oder kürzer?
Etwa gleich, auch wenn eine entfernte Kollegin neulich was anderes behauptet hat. Aber die hatte mich bis dahin einfach nie mit offenen Haaren gesehen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weder noch.

Mehr Kohle oder weniger?
Etwa gleich.

Besseren Job oder schlechteren?
Denselben.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Etwa gleich viel. Aber für andere Dinge.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Leider keine Millionen, die wir offenbar bräuchten, um unser Traumhaus zu finanzieren.

Mehr bewegt oder weniger?
Auf jeden Fall viel zu wenig.

Erkrankungen dieses Jahr?
Hier zum Glück nur die üblichen grippalen Infekte.
Meine Mutti kämpfte sowohl im Sommer als auch zu Weihnachten mit heftigen Rückenschmerzen – Nerv, Bandscheibe oder was auch immer ist noch nicht ganz klar. Aber es macht mir Sorgen.

Das meiste Geld ausgegeben?
Für eine Delfintherapie auf Curaçao.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Saskia und dem besten Ehemann von allen.

Zum ersten Mal getan?
Viele Dinge:

  • Das erste Mal mit Kind geflogen
  • Urlaub in der Karibik gemacht
  • Einen Delfin gestreichelt und mit ihm geschwommen
  • Mit Saskia Filme geguckt („3 Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Die Eiskönigin“, „Happy Feet“)
  • Ohne Mutti Weihnachten gefeiert
  • Ein Tablet und ein Smartphone gekauft – und begeistert festgestellt, wie gut Saskia mit dem Tablet klar kommt
  • Saskia übers Wochenende zur Kurzzeitpflege geschickt

Nach langer Zeit wieder getan?
Über den Atlantik geflogen

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Verschwundene (=vermutlich geklaute) MP3-Player im Urlaub

Lieblingsblogs des Jahres?
Nahezu unverändert:
Suomalainen Päiväkirja – Karens finnisches Tagebuch,
Gut gebrüllt,
Frau … ähh … Mutti, die das Blog leider nicht mehr weiterführen will ;-(

Die Blogs von besonderen Kindern (bzw. ihren Eltern):
„Besonders gewöhnlich“ – Elisabeths Blog (Wir sollten uns mal wieder sehen!),
„Aenne und Henry sagen…“ – Connys Blog (Es war schön, Euch auf Curaçao zu treffen! Ich hoffe, es geht Aenne wieder besser.)

Zum Schmunzeln noch immer gern das Skizzenblog von Claus Ast
oder auch Herr und Frau Müller.

Manchmal zum Lachen, manchmal eher zum Weinen: Bestatterweblog
ebenfalls immer wieder interessant: Svenjas Blog – mit Reiseberichten und Alltäglichkeiten einer nicht alltäglichen Frau
und Jules Blog – eine junge Frau, die seit einem Unfall querschnittgelähmt ist, erzählt mit viel Humor aus ihrem Leben

Und natürlich immer noch das Blog des besten Ehemanns von allen, der ja leider eigentlich nicht mehr bloggen will

Größter Wunsch fürs kommende Jahr?
Gesundheit natürlich. Weiterhin ein anfallsfreies Kind und weitere Fortschritte in Saskias Entwicklung. Endlich ein bezahlbares Haus, das zu uns passt. Ein paar Kilo weniger.

Fazit
2014 war für uns ein sehr gutes Jahr. Curaçao hat uns tief beeindruckt und wir denken darüber nach, das irgendwann zu wiederholen. Sicher nicht 2015, aber vielleicht 2016. Die Haussuche geht mir inzwischen gewaltig auf die Nerven. Ich möchte endlich wissen, woran ich bin und nicht gedanklich die ganze Zeit „auf gepackten Koffern sitzen“.

Ich wünsche uns allen ein gesundes neues Jahr!


2011, 2012, 2013

25 Jahre Mauerfall – Erinnerungen an den Herbst 1989

Am 9. November 1989 war ich gerade noch 18 Jahre, lebte in Leipzig, war im dritten Lehrjahr meiner Berufsausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur und würde diese gemeinsam mit dem Abitur im Sommer 1990 abschließen.

Ich war Jung- und später Thälmannpionier gewesen, war in der FDJ ebenso wie in der Jungen Gemeinde, ich hatte mit 14 an der Jugendweihe teilgenommen – und es auch nie in Frage gestellt. Ich wurde mit 17 konfirmiert – auf meinen Wunsch hin. Einigen reichte die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche, um mich skeptisch anzusehen, für größere Repressalien reichte es nicht. Dass ich meinen Wunsch-Ausbildungsplatz nicht bekommen habe, lag eher an den guten Beziehungen, die jemand anders hatte und die mir eben fehlten (genauso wie die West-Verwandtschaft, die nette Päckchen schickte). Ich wusste nach meiner Ausbildung immerhin, wo ich NICHT die nächsten Jahrzehnte arbeiten wollte – ist ja auch was wert. 😉

Über die Kirche bzw. die Junge Gemeinde lernte ich etliche Menschen aus anderen Gemeinden kennen, auch meinen damaligen Freund, der am anderen Ende Leipzigs wohnte. Wenn einer im Westen wohnt und im Nordwesten (außerhalb der Stadt) arbeitet, der andere im Südosten wohnt, dann kommt man zwangsläufig häufig durch die Innenstadt. Je nach Lust und Laune mit der Straßenbahn oder auch zu Fuß. Die Friedensgebete in der Nikolaikirche kannten wir, waren aber nur selten dort.

Im Sommer 1989 machte ich – ohne meinen Freund, aber mit 6 anderen Leuten aus unserem gemeinsamen Bekanntenkreis – eine Radtour durch Ungarn. Natürlich bekamen wir mit, was dort los war, sahen die Fotos in den Zeitungen von den an der ungarisch-österreichischen Grenze zurück gelassenen Trabis, wussten, dass die Grenze offen ist und interessierten uns nicht weiter dafür. Wir radelten unsere gut 500 km und fuhren schließlich wie geplant mit dem Zug zurück nach Leipzig.

Die Sommerferien waren zu Ende, die Schule hatte wieder begonnen, die Staatsbürgerkunde-Lehrerin war enttäuscht, weil noch keiner aus der Klasse Mitglied der SED war und weil sich keiner am Montag Abend nach dem alten Film im DDR-Fernsehen noch den „Schwarzen Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitzler ansah. Alles wie immer also. Allerdings gingen nun mehr Menschen zu den Friedensgebeten und irgendwann gingen sie anschließend nicht einfach nach Hause, sondern auf die Straße. Anfangs waren es wenige und man hörte am nächsten Tag von dem einen oder anderen, der am Montag „zugeführt“ und später wieder frei gelassen wurde. Es waren Menschen dabei, die ich mehr oder weniger gut kannte und es war jede Woche wieder ein beklemmendes Gefühl. Es wurden mehr Menschen, die auf die Straßen gingen. Ich war nicht bei jeder Montagsdemo dabei, aber bei vielen. Ich erinnere mich an die Demos Anfang Oktober 1989, als noch nicht klar war, wie die Polizei reagieren würde. Als plötzlich Polizisten mit Helm und Schutzschild vor uns standen (was ich so nur aus dem Westfernsehen kannte) und keiner wusste, wie sie reagieren würden. Ich erinnere mich an die Kerzen, an die Rufe „Keine Gewalt!“ und daran, dass alles friedlich blieb. An die Massen, die eine Woche später auf die Straße gingen und daran, dass plötzlich irgendwie alle dabei waren. Wir liefen den Ring entlang, am Stasigebäude („Runde Ecke“) vorbei und wir hatten wirklich das Gefühl, dass die Stasi uns nichts mehr anhaben könne.

Die Demonstrationen am Montag-Abend gehörten nun zu unserem Leben und wir hofften, wir können etwas verändern. Reisefreiheit war ebenso ein Wunsch wie „Mehr Demokratie“. Wir hofften auf eine Erneuerung des eigenen Landes, auf den Rücktritt der gesamten „Partei- und Staatsführung“ und auf freie Wahlen und konnten es uns kaum vorstellen.

Was ich am 9. November 1989 gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Aber am Freitag, dem 10. November, beschlossen mein Freund und ich, am nächsten Tag nach Berlin zu fahren, um wenigstens einmal im Westen gewesen zu sein und unsere 100 DM Begrüßungsgeld abzuholen – schließlich wusste ja keiner, wie lange die Grenze offen bleiben würde.

Schule und Betreuung

Über Frau Brüllen und Karen bin ich auf das Thema (Grund-)Schule und Betreuung aufmerksam geworden und möchte hier auch meinen Senf dazu geben.

Ich selbst bin als Ost-Kind Baujahr 1970 (also noch vor Einführung des bezahlten Babyjahrs) mit Vollzeit- (noch dazu in unregelmäßigem Schichtdienst) arbeitender Mutti, sowie Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Oma und Opa aufgewachsen. An die Krippenzeit erinnere ich mich nicht, Kindergarten und Hort habe ich in guter Erinnerung – auch wenn sicher nicht alles perfekt war. Die allermeisten meiner Mitschüler hatten ebenfalls Vollzeit-arbeitende Eltern (und die zwei Mütter, die nicht arbeiten gingen, waren uns Kindern damals irgendwie suspekt). Wir gingen also ziemlich geschlossen von der Schule in den ca. 300m entfernten Hort. Dort gab es Mittagessen, im ersten Schuljahr auch noch Mittagsschlaf in 3-etagigen Stockbetten, dann wurde gespielt oder Hausaufgaben gemacht. Wenn ich nach Hause kam, war jemand da – entweder meine Oma oder meine Mutti. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten führten dazu, dass sie auch mal mitten in der Woche einen freien Tag hatte – das war ziemlich praktisch. Ich hatte etwa eine Viertelstunde Fußweg zur Schule und da in den Nachbarhäusern etliche Schulfreundinnen wohnten, gingen wir eigentlich immer in Grüppchen.

Als ich mit dem besten (damals noch nicht Ehe-)Mann von allen in eine westdeutsche Kleinstadt zog, war uns auch wichtig, dass es Kindergärten und verschiedene Schulen in der Nähe gibt, so dass unsere künftigen Kinder nicht stundenlange Wege haben würden oder auf unsere Fahrdienste angewiesen wären.

Vier Jahre lang besuchte Saskia einen integrativen Kindergarten hier im Ort – Betreuungszeiten von 8 bis 16 Uhr, 3 Wochen Sommerferien und 2 Wochen Weihnachtsferien. Damit konnte ich zwar nicht Vollzeit arbeiten gehen (das hätte ich aber auch gar nicht gewollt), aber immerhin 60% (ich habe leider eine gute Stunde Arbeitsweg pro Richtung).

Eine passende Förderschule gibt es allerdings vor Ort nicht und deshalb ist Saskia nun doch täglich mit dem Schulbus unterwegs. Bei der Wahl der richtigen Förderschule waren für uns auch die Betreuungszeiten wichtig und eine Schule, die um 13 Uhr endet – und „höchstens an einem Nachmittag pro Woche“ eine Nachmittagsbetreuung bietet, kam auch deshalb nicht näher in Betracht. Saskias derzeitige Schule bietet Ganztagsbetrieb – aus „wirtschaftlichen Gründen“ finden die Busfahrten allerdings in zwei Touren statt. Die „Kleinen“ sind jeweils in der zweiten Tour, was für uns bedeutet, dass Saskia derzeit morgens um 8:30 Uhr abgeholt wird und um 16 Uhr Schulschluss hat, also gegen 16:30 Uhr wieder daheim ist. Das passt für uns ganz gut. Problematisch werden die Ausnahmen: Freitags ist bereits 14 Uhr Schulschluss und ca. einmal im Monat gibt es eine Mitarbeiterbesprechung, da ist bereits um 12:45 Uhr Schulschluss. Dazu kommen gut 12 Wochen Ferien, in denen es von Seiten der Schule keine Betreuung gibt. Da wir hier keine Großeltern zur ständigen Verfügung haben und die Betreuung eines behinderten Kindes etwas aufwendiger ist (und man das Kind nicht mal eben zu Freunden „wegorganisieren“ kann), ist das immer mit einigem Organisationsaufwand verbunden. Ich habe mir zusätzlichen Urlaub erkauft, indem ich übers Jahr auf einen Teil meines Gehalts verzichte und damit ein Zeitkonto fülle. Außerdem gibt es einen privaten Verein, der für maximal 6 Wochen im Jahr (und 375 € / Woche) eine Ferienbetreuung anbietet. Eine Platzgarantie gibt es allerdings nicht und so bleibt immer ein etwas mulmiges Gefühl, ob es denn auch klappt mit der Zusage. (Bisher hat es zum Glück geklappt und gerade haben wir eine Zusage für zwei Wochen Ferienbetreuung in den Sommerferien bekommen.) Bleiben noch die halben Schultage. Hier haben wir es so gelöst, dass der beste Ehemann von allen freitags von zu Hause arbeitet und Saskia in Empfang nehmen kann, Saskia dann aber am Nachmittag trotzdem (bei uns zu Hause) fremdbetreut wird. Ab Mai von einer (hoffentlich netten) neuen Betreuerin, da die bisherige leider künftig wegen ihres Studiums keine Zeit mehr hat. Übrig bleiben die halben Tage mit den Mitarbeiterbesprechungen, die unregelmäßig verteilt sind. Das bedeutet meist einen Urlaubstag für mich, denn zum Arbeiten gehen reicht an diesen Tagen einfach die Zeit nicht.

Fazit: Ohne Ganztagsschule könnte einer von uns nicht arbeiten gehen, was schade wäre, da uns beiden unsere Arbeit wichtig ist (und sie eindeutig unserer geistigen Gesundheit dient, auch wenn es stressig ist). Für Freitage oder Besprechungstage reicht die schulseitig angebotene Betreuung trotzdem nicht aus und Ferien sind wohl bei allen beruftätigen Eltern problematisch. Leider ist uns in den vergangenen Jahren ein Großteil unserer Kontakte hier im Ort verloren gegangen, da der Alltag einfach zu unterschiedlich ist. Dass Saskia jetzt ganz woanders zur Schule geht, hat den Effekt noch verstärkt. Das bedeutet auch, dass Saskia leider keine Freunde hat, mit denen sie sich zum Spielen treffen kann. Angebote von (Sport-)Vereinen passen entweder zeitlich nicht (weil Saskia noch nicht zu Hause ist) oder weil sie auf einem völlig anderen Entwicklungsstand ist als andere Kinder. Eine (altersgemischte) Sportgruppe mit Bewegungsangeboten oder irgendwas mit Musik am Freitag Nachmittag oder am Wochenende wäre nett, aber da scheint es nichts zu geben. Ich suche aber weiter.