Brief von der Schule

Diese Woche erhielten wir einen Brief von der Schule, dass „das Küchenpersonal zum 1. Juli abgezogen“ werde. Ohne Küchenpersonal sei aber die Ausgabe des Mittagessens und der anschließende Abwasch nicht möglich und ohne Mittagessen kein Ganztagsbetrieb.

Man hoffe noch auf eine Einigung, ansonsten könne entweder der Ganztagsbetrieb oder der gesamte Schulbetrieb eingestellt werden. 😯

Ähmmm. Ja. Also. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Vielleicht: Habt ihr in der Schulverwaltung (oder wo auch immer der „Abzug des Küchenpersonals“ beschlossen wurde) den Schuss nicht gehört? 😕 Geht’s noch? Und was ist eigentlich mit der Schulpflicht?

Freizeitgestaltung

Irgendwann als ich mit dem besten Ehemann von allen mal wieder zum Square Dance ging, wollte Saskia auch unbedingt tanzen gehen und verstand gar nicht, warum das nicht ging. Letztlich erklärten wir ihr, dass das für Erwachsene sei, die die Tänze auch erst lernen müssten – aber so richtig befriedigend war es nicht. Andererseits: Zum „Tanzen für Kinder mit Handicap“, das vom örtlichen Sportverein direkt um die Ecke angeboten wird, wollte sie nach dem zweiten Schnuppertermin ja absolut nicht mehr hin. Richtig viele Alternativen gab es aber auch nicht. Ein anderer Verein (am anderen Ende der grooooßen Stadt) bietet einen ähnlich klingenden Kurs an, ansonsten gibt es für Kinder entweder Ballett, Hip Hop oder Disco-Tanz – alles nicht so das Wahre für Saskia.

Bei anderer Gelegenheit erzählte Saskia, sie wolle Pfadfinder werden. Aha. Das kam dann doch überraschend, denn viele Berührungspunkte haben wir nicht gerade mit der örtlichen Pfadfinderschaft. Vielleicht hat Saskia ja doch die CD mit dem Lied „Wir sind Pfadfinderkinder“ ein paar Mal zu oft gehört. „Na gut, wir können es ja mal versuchen.“, dachten wir uns und versuchten zunächst mal herauszufinden, wann sich die Gruppen denn überhaupt treffen und ob sich jemand vorstellen könne, dass unser Kind mit seinen Besonderheiten dort mitmachen könne. Wir stießen zumindest nicht gleich auf komplette Ablehnung und beschlossen, es bei Gelegenheit (also, wenn gerade mal keine Logopädie ist – denn die Wölflinge treffen sich mittwochs) einfach mal auszuprobieren. Zeitlich passt es so einigermaßen, wenn wir Saskia selbst von der Schule abholen und sie direkt zu den Pfadfindern bringen. Das übernahm bei den ersten beiden Terminen der beste Ehemann von allen.

Wer Saskia ein bisschen kennt, weiß, dass sie sich mit extremer Schüchternheit gern mal selbst im Weg steht. Sie möchte schon gern mit anderen zusammen sein und ist manchmal sehr traurig, weil sie nicht viele Freunde hat, aber auf andere zugehen oder auch nur antworten, wenn jemand auf sie zukommt, ist (zumindest in den ersten Stunden) nahezu unmöglich. Ich war daher positiv überrascht, als der beste Ehemann von allen anschließend erzählte, Saskia hätte zwar bei der Begrüßung (und auch bei der Verabschiedung) mit gesenktem Kopf am Rand gestanden, sei aber später plappernd mit den anderen losgezogen, als sie zur Schnitzeljagd aufbrachen. Saskia war anschließend nur darüber enttäuscht, dass es kein Lagerfeuer gab, sie wollte aber wieder hin. Beim nächsten Treffen wurden kleine Osterkörbchen und Schmetterlinge aus Krepp-Papier gebastelt und Saskia hatte offenbar auch diesmal ihren Spaß gehabt. Wir verlegten also den Logopädie-Termin auf den Montag, so dass Saskia nun mittwochs zu den Pfadfindern gehen kann. Vorige Woche brachte ich sie zur Abwechslung hin, hatte aber leider keine Gelegenheit, sie hinterher abzuholen und vielleicht nochmal mit den Betreuern zu sprechen. Heute übernahm der Papa den Fahrdienst wieder und es gab zum ersten Mal ein Lagerfeuer. Das war natürlich toll.

Im Moment ist Saskia zwar nach meinem Eindruck eher am Rande dabei statt mittendrin, solange sie selbst aber hingehen möchte, darf sie das natürlich. Ich bin sehr gespannt, wie es sich entwickelt.

Nachdem wir den Logo-Termin verlegt hatten, meldete sich die Lebenshilfe mit der Info, dass es ab Mitte März einen nagelneuen (integrativen) Tanz- und Theaterkurs gäbe. Der ist nun natürlich montags, aber nur ca. einmal im Monat. Auch hier waren jetzt zweimal dort und nachdem sich Saskia beim ersten Mal lediglich als Zuschauerin betätigte, erklärte sie mir diese Woche, sie hätte Spaß gehabt und wolle wieder hingehen. Auch hier gucken wir mal, was sich entwickelt und ob die Begeisterung anhält. Der Organisator erzählte mir am Montag noch, dass er noch auf der Suche nach nicht-behinderten Kindern sei, die bei dem Kurs mitmachen, denn gedacht sei es ja als integrative Veranstaltung.

Welt-Autismus-Tag

Heute ist Welt-Autismus-Tag und deshalb gehen ganz besonders herzliche Grüße in den Süden zu Robert und seiner Familie.

Den Film „Autisten – Integration Fehlanzeige“ werde ich mir noch ansehen.

In Saskias Klasse wird heute ein Junge verabschiedet, bei dem die Integration selbst in der kleinen Klasse gescheitert ist. Da er vorher schon in der „integrativen“ Grundschul-Klasse gescheitert war, finde ich es für den Jungen besonders schlimm. Er soll nun privat unterrichtet werden.

Und da ich es im März verpasst habe, möchte ich nachträglich auch auf den Welt-Down-Syndrom-Tag hinweisen (der war am 21. März), sowie auf den „Purple Day“ (26. März). Der Purple Day ist ein internationaler Gedenktag, der dazu dienen soll, über Epilepsie aufzuklären und Menschen die Angst vor den Erkrankten zu nehmen. Leider ist der „Purple Day“ noch recht (neu und) unbekannt und ich habe auch wenig dazu im Internet gefunden.

Das war’s dann

Das Kapitel „Schulbegleitung“ ist abgeschlossen.

Da wir mit Saskia gestern früh einen Arzt-Termin (zur Blutentnahme) hatten und sie anschließend selbst in der Schule abgeliefert haben, haben wir die Gelegenheit genutzt, mit der Klassenlehrerin nochmal kurz über die Schulbegleitung zu sprechen. Sie versicherte uns einerseits, dass sie vom Weggang der Schulbegleitung auch erst am Freitag erfahren habe und andererseits, dass Saskia momentan eigentlich niemanden brauche.

Was genau gelaufen ist, können wir nur vermuten. Ungefähr entsteht jedenfalls folgendes Bild: Saskias Schulbegleitung hatte einerseits einen recht umständlichen Arbeitsweg und wurde andererseits sowohl von der Schule als auch von uns gebeten, sich soweit wie möglich zurück zu halten. Was nun den Ausschlag gegeben hat, wissen wir nicht, aber offenbar hat sie sich – und das sehr, sehr kurzfristig – überlegt, dass sie dann lieber ein anderes Kind betreuen möchte. Warum sie dann allerdings nicht den „Allerwertesten in der Hose“ hatte, uns das auf eine vernünftige Art und Weise mitzuteilen, erschließt sich mir nicht. Wir wären ganz sicher die Letzten gewesen, die ihr da im Wege gestanden hätten. Zumal wir ja selbst schon überlegt hatten, ob es nicht kontraproduktiv ist (und Saskias Selbstständigkeit gefährdet), wenn sie jetzt nach 5 Monaten ohne wieder eine Schulbegleitung bekommt. Saskia neigt dann nämlich gern dazu, unliebsame Aufgaben zu delegieren 😉 Das sah die Schule wohl auch so und bat deshalb um Zurückhaltung, hätte aber (nach Aussage der Klassenlehrerin) gern erstmal abgewartet, wie sich das entwickelt.

Für uns bedeutet es, dass wir weiterhin keine direkte Kontaktperson haben – was nicht so schön ist. Es bedeutet aber auch, dass wir uns diesen Antrag fürs nächste Schuljahr sparen können. Und dass niemand meinem Kind, das (als einzige in der Klasse regelmäßig) Obst als Nachmittagssnack dabei hat, Kekse anbietet und das Obst wieder mit heim gibt.

Saskia scheint das Thema nicht sonderlich zu beschäftigen, sie hat zwar mal kurz gefragt, aber das war es dann auch. Die schwangere vorherige Schulbegleitung, die wir am Sonntag zufällig trafen, hat da wesentlich mehr Eindruck hinterlassen.

Welt-Down-Syndrom-Tag 2013

Welt-Down-Syndrom-Tag

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Ich leihe mir mal Oles Bild aus, weil ich sowohl seine strahlenden Augen als auch den Satz „Unterschätzt mich nicht“ so gut und treffend finde. „Unterschätzt mich nicht!“ könnte (ganz ohne Down-Syndrom) wohl auch Saskia häufig sagen – vielleicht denkt sie es gelegentlich.

Welt-Down-Syndrom-Tag_Ole

Viele Grüße an Ole, Jonathan, Johanna, Sonea … und ihre Eltern. Schön, dass es euch gibt und ihr uns „46er“ lehrt, das Leben auch mal aus anderen Perspektiven zu sehen.

Vorstellungsgespräch

Heute Nachmittag hatten wir ein „Vorstellungsgespräch“ mit der jungen Frau, die uns die Malteser als Schulbegleiterin anbieten. Sie hat schon 400km entfernt ein paar Jahre als Schulbegleitung an einer gB-Schule gearbeitet, ist vorige Woche hierher gezogen und wohnt nur etwa 10 Minuten Fußweg von uns entfernt. Klingt alles gut. Sympathisch war sie auch – wenn sie es sich also nicht noch anders überlegt, können wir die Suche erfolgreich beenden. Ich rufe morgen bei der Malteser-Chefin an und kläre die Details. (Und wenn alles klappt, beneide ich die junge Frau sehr um ihren kurzen Arbeitsweg. 🙂 )

Mit der Ex-FSJlerin aus dem Kindergarten haben wir uns trotzdem mal verabredet, vielleicht finden wir ja auf diesem Weg eine Ersatz-Babysitterin. Die Schulbegleiterin, die die Lebenshilfe für uns gehabt hätte, passte dann doch nicht, da sie in unmittelbarer der Schule wohnt und es dann doch „recht unpraktisch wäre, wenn sie erst zu uns raus und dann mit dem Bus mit Saskia wieder zur Schule fahren müsse“ und am Nachmittag das Ganze umgekehrt. Ob wir denn wirklich unbedingt die Busbegleitung bräuchten. Ja, brauchen wir. Gerade die.

Was fördern eigentlich Förderschulen?

Seit dem Elterngespräch vorige Woche und dem Schulbesuch des besten Ehemanns von allen am Dienstag grüble ich. Wir hatten damals lange überlegt und uns mit einem recht guten Gefühl für Saskias Schule entschieden. Momentan ist von diesem guten Gefühl nur sehr wenig übrig.

Ja, Saskia hat ganz sicher ihre Defizite, die sind nicht zu leugnen und nicht weg zu diskutieren und ob sie die jemals auch nur andeutungsweise aufholen kann, steht in den Sternen. Aber: Es gibt auch eine Menge Dinge, die Saskia kann – je nach Tagesform nicht immer gleich gut, aber immerhin so gut, dass es sich lohnt, es sie versuchen zu lassen.

Eine dünne Suppe kann Saskia nicht selbstständig essen. Sie kann sich auch kein Brot schmieren. Aber sie kann ein geschmiertes Brot in die Hand nehmen und abbeißen oder (noch besser) eine in Stücke geschnittene Scheibe Brot in den Mund stecken. Das geht (fast immer) ohne fremde Hilfe und man muss lediglich darauf achten, dass nicht zuviel auf einmal im Mund landet, sondern erst gekaut und geschluckt wird, bevor der nächste Bissen kommt. Dazu braucht Saskia niemanden, der ihr die Hand führt und auch niemanden, der das Brot püriert. Vielleicht dauert es auf diese Weise etwas länger, aber nur so kann sie es lernen. Und heißt es nicht immer, man soll die Kinder beispielsweise lieber selbst ihre Schuhe zu binden lassen statt einzugreifen, auch wenn es noch so lange dauert?

Manchmal muss man Saskia zu ihrem Glück zwingen, aber wenn sie zu Fingerspielen keine Lust hat, wird sich das auch nicht ändern, wenn ihr jemand gegen ihren Willen die Hände führt. Ja, ich weiß, dass es frustrierend ist, wenn man etwas mit ihr machen möchte, was sie nicht will, aber die Erfahrung lehrt mich, dass es sinnvoller ist, Saskia mit kleinen Tricks zur Zusammenarbeit zu bewegen als sie zu zwingen – denn das klappt gar nicht. Ja, dann besteht das Risiko, dass sie irgendwas nicht macht, aber das ist mir im Zweifelsfall immer noch lieber, als dass irgendjemand etwas mit ihr macht, nur um es abhaken zu können.

Wir haben uns gegen einen integrativen (oder von mir aus auch ‚inklusiven‘) Schulbesuch an der örtlichen Grundschule entschieden, weil wir Angst hatten, dass Saskia dort untergeht, ihre Zeit absitzen muss, ohne dem Unterricht folgen zu können und zum Klassenmaskottchen wird, das zwar mittendrin, aber eben doch nicht wirklich dabei ist. Deshalb eine Förderschule, die die Kinder „dort abholt, wo sie stehen“. In der Theorie klingen Sätze wie: „Wir wollen die Selbstständigkeit der Kinder fördern.“ oder „Sie sollen ‚das Leben lernen‘.“ ja toll, aber wie sieht es mit der Umsetzung im Alltag aus? Was lernt Saskia, wenn ihr in der Schule der Allerwerteste nachgetragen wird? Selbstständigkeit? Sicher nicht. OK, die Physiotherapeutin weiß inzwischen, dass Saskia sehr wohl selbstständig Rollstuhl fahren kann (was sie anfangs absolut ausschloss!) – aber was wird tatsächlich im Schulalltag gefördert?

Irgendwer hat offenbar in den ersten Schulwochen Saskia den Stempel „kann gar nichts eigenständig“ aufgedrückt und nun ist keiner bereit, das mal zu hinterfragen. Ich weiß, dass die Anfallssituation gerade kurz nach der Einschulung sehr schlecht und Saskia sehr, sehr schlapp war – aber davon kann doch nicht ihre gesamte schulische Zukunft abhängen?!