Zeitreise

Als ich Kind war – in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – wurde (zumindest gefühlt) überall geraucht: Auf der Straße, in Restaurants, im Fernsehen, im Zug, im Auto, in der Werkstatt … und natürlich auch zu Hause. Ich fand es immer schon eklig und meine Eltern konnten vermutlich ein Lied davon singen, weil ich das durchaus auch in Gegenwart von Freunden oder Verwandten zum Ausdruck brachte. Meine Großeltern, bei denen ich teilweise gelebt habe, rauchten zwar nicht – aber wenn rauchende Bekannte oder vielleicht rauchende Handwerker zu Besuch waren, räumte meine Oma nicht nur den Aschenbecher auf den Tisch, sondern auch die Zigaretten dazu. Als Nichtraucher in der eigenen Wohnung das Rauchen nicht zur zu dulden, sondern in gewisser Weise sogar zu fördern – auf so eine Idee käme ich NIE. Aber damals war es zumindest bei uns so – die Gastfreundschaft stand an erster Stelle.

Als Jugendliche in den 80er Jahren war ich immer noch Nichtraucherin und damit in meiner Umgebung auf ziemlich verlorenem Posten. Ich erinnere mich an Abende in der Jungen Gemeinde, an denen ich von 16 Leuten die einzige Nichtraucherin war. Der Pfarrer rauchte Pfeife (mit Vanillearoma), deren Geruch ich noch ganz angenehm fand, die Jugendlichen rauchten „f6“ oder „Karo“ – und ich habe es gehasst. Nach jedem Abend stanken die Klamotten, die Haare, einfach alles nach kaltem Rauch. Bähh.

Beim Udo-Lindenberg-Konzert im Januar 1990 in Leipzig wurden am Eingang Probepäckchen mit je 5 Zigaretten verteilt. (Auf die Idee käme heute zum Glück keiner mehr.) In der Messehalle herrschte den ganzen Abend dichter Nebel.

Als ich schwanger war, machte ich mit dem besten Ehemann von allen 3 Wochen (Bildungs-)Urlaub in Irland, wo gerade das Rauchen in Pubs verboten worden war. Es war so toll. Man konnte einkehren, ohne sich wie Räucherware zu fühlen. Ich genieße es wirklich, dass man auch in Deutschland inzwischen Essen gehen kann, ohne eingeräuchert zu werden. Und auch in meinem Umfeld sind die Raucher inzwischen deutlich in der Minderheit. Hallelujah! Wer heute noch raucht, tut das meist im Freien (gezwungenermaßen, weil es in vielen Gebäuden nicht mehr erlaubt ist oder freiwillig, weil selbst die Raucher sich am Gestank in der Wohnung stören).

Gestern waren wir mit einer Schulfreundin von Saskia und deren Mutter unterwegs. Das Mädchen geht seit 1,5 Jahren in Saskias Klasse und ist ihre beste Freundin. So weit, so schön. Wir hatten gemeinsam etwas vor und aus organisatorischen Gründen trafen wir uns bei ihnen zu Hause zum Kaffee trinken und um dann gemeinsam loszugehen. Wir kamen um 13:30 Uhr an, der Tisch war gedeckt und während wir etwas tranken und uns unterhielten, wurde die erste Zigarette angezündet. Kurze Zeit später die zweite. Als wir 14:15 Uhr aus dem Haus gingen, folgte Nummer 3 auf dem Weg zur U-Bahn, dann die vierte beim Warten auf dem Bus und die fünfte als wir am Ziel ankamen. Die Veranstaltung dauerte von 15:30 Uhr bis 16:30 Uhr, dann das gleiche Spielchen auf dem Rückweg wieder. Die Kinder äußerten den Wunsch, noch ein bisschen zusammen zu spielen und so kehrten wir auf dem Rückweg nochmal in der Wohnung mit ein. 5 Stunden und 10 Zigaretten nach unserer Ankunft verabschiedeten wir uns und ich stellte fest, dass ich Rauchen inzwischen noch ekliger finde als früher. Ich hatte Kopfschmerzen und fand es einfach nur wi-der-lich. Sämtliche Sachen wanderten wegen akutem Gestank unmittelbar in die Waschmaschine, Saskias und meine Haare wurden noch gestern Abend gewaschen, selbst die Jacken, die nur im Flur hingen, hatten den Geruch angenommen.

Ich fühlte mich mindestens 30 Jahre in die Vergangenheit versetzt, als Rauchen noch gesellschaftsfähig(er) war. Dass eine Mutter ihr eigenes Kind (und deren Freundin und Eltern) den ganzen Nachmittag einnebelt, habe ich zum Glück schon ewig nicht erlebt. Auf dem Tisch und dem Schrank direkt neben dem Tisch standen zwei volle Aschenbecher, das Mädchen hat 1a-Raucherhusten … und ich verstehe es einfach nicht.

Und ich weiß noch nicht so richtig, wie ich damit umgehe. Da es leider mit der Selbstständigkeit der Kinder nicht so weit her ist, ist das Ohne-Eltern-drußen-rumziehen o.ä. leider nicht drin. Und auch diese Freundin wohnt etwa 7km entfernt (und damit im Vergleich zu anderen Mitschülern noch recht nah), also hängen wir Eltern immer mit drin. Ich möchte Saskia nicht ihre Freundin vermiesen, aber auch nicht stundenlang in einer Räucherhütte lassen. Das nächste Mal ist erstmal treffen bei uns angesagt, aber eine Dauerlösung ist das ja auch nicht.

Zahnärzte und Wartezeiten

Als Kind im Kindergartenalter hatte ich gute Zähne, irgendwann im Schulalter änderte sich das dann: Karies hier, ein Loch da, eine Füllung dort. Wenn der Schulzahnarzt kam, fand er (oder sie) eigentlich immer etwas und schickte mich dann zu der für mich zuständigen Zahnärztin. Diese Ärztin hatte leider ihren Beruf völlig verfehlt, war absolut empathielos und wäre wohl besser Metzger geworden als ausgerechnet Kinderzahnärztin. Wie oft sie mir tierisch weh getan hat, ich heulend und zitternd im Stuhl saß, habe ich nicht gezählt. Ich erinnere mich an eine Szene, als sie mir auf den Nerv bohrte, ich vor Schmerz und Schreck den Mund zu machte und sie nur meinte: „Du beißt mich nicht nochmal“, sich einen Metallfingerhut überstülpte und weiter bohrte. Dieser Frau verdanke ich viele unnötige Schmerzen und eine jahr(zehnt)elange Angst vorm Zahnarzt.

Inzwischen hat sich mein Verhältnis zu Zahnärzten gebessert – es ist nicht gerade mein liebstes Hobby, aber ich gehe halt hin. Und ich versuche, meine schlechten Erfahrungen nicht auf Saskia zu übertragen.

Nachdem der Schulzahnarzt in der Vergangenheit an Saskias Zähnen nichts auszusetzen hatte, bekamen wir im November einen Zettel, auf dem um Vorstellung beim Kieferorthopäden gebeten wurde mit der handschriftlichen Anmerkung „Spange?“. Das kam nicht überraschend, denn besonders Saskias Eckzähne haben völlig andere Pläne als sich mit anderen Zähnen in eine Reihe zu stellen. Jede Vampirmutter wäre stolz auf diese Zahnstellung … wir eher nicht so. Da wir den Zahnarzt ohnehin schon mal darauf angesprochen hatten und kurz vor Weihnachten noch ein Termin anstand, (wo es unter anderem auch um das Thema gehen sollte,) beschlossen wir, das dann nochmal anzusprechen. Allerdings war die Zahnarztpraxis im Dezember der Meinung, es sei nur eine Zahnreinigung geplant und keine Untersuchung oder ein Gespräch mit dem Doktor – wir sahen nur die Helferin (deren genaue Berufsbezeichnung ich leider schon wieder verdrängt habe „Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin“ ich gerade googeln musste), die Saskia die Zähne reinigte, der Zahnarzt war anderweitig beschäftigt.

Also machten wir einen neuen Termin, um gezielt über das Thema „Zahnspange für Saskia“ zu sprechen. Der Termin war am Montag und wir sprachen nach kurzem Blick in Saskias Mund dann tatsächlich 10 Minuten darüber, dass sie eine Spange benötigt, dass dafür Abdrücke und Röntgenbilder für den Antrag bei der Krankenkasse benötigt werden, dass die Kasse sich beteiligt, wenn die Fehlstellung so gravierend ist, dass es nicht nur ein optisches Problem ist und die Behandlung voraussichtlich ca. 1,5 Jahre dauern wird, wahrscheinlich wird mit einer herausnehmbaren Spange begonnen und später auf eine feste gewechselt.

Wer nun aber denkt: „Schön, dann machen wir doch gleich den Abdruck und die Röntgenbilder“, liegt falsch. Wir machten … einen neuen Termin für Ende Februar. Und ich bin von dieser Art der Terminplanung etwas genervt. Ja, früher saß ich manchmal stundenlang im Wartezimmer, aber dafür wurde dann auch gemacht, was anstand (und gerüchteweise waren auch damals nicht alle Zahnärzte so brutal wie meine). Wenn der Zahnarzt heutzutage beim Kontrollbesuch ein Loch findet, greift er nicht zum Bohrer, sondern zum Terminkalender und man muss wiederkommen. Dadurch minimieren sich zwar die Wartezeiten pro Besuch (meist sind es sowohl bei meinem als auch bei Saskias Zahnarzt weniger als 5 Minuten, diesmal war es eine unglaubliche Viertelstunde!), aber wenn ich dafür x-mal antreten muss, ist der Zeitgewinn dahin. Und wenn wir schon zum Gespräch wegen der Spange kommen, könnte man doch die Zeit für Abdruck und Röntgen gleich mit einplanen, oder?

Sei vorsichtig mit deinen Wünschen …

… sie könnten in Erfüllung gehen.

Seit Jahren wünscht Saskia sich, mit uns Skifahren zu gehen. Woher dieser Wunsch kommt, ist nicht ganz klar (wahrscheinlich zu oft „Conni fährt Ski“ oder ähnliches gelesen), denn eigentlich kennt sie Schnee und insbesondere Skifahrtauglichen Schnee nur vom Hörensagen. Hierzulande kennt man ja eher Nieselpieselregen – im Winter auch mal mit Schneeregen gemischt (aber das ist schon selten) oder des Nachts mal mit „überfrierender Nässe“ und dem daran gekoppelten Chaos. Aber ich schweife ab.

Saskia lag uns jedenfalls in den Ohren, sie wolle Ski fahren. Vor knapp zwei Jahren war sie dann auf einer Ski-Freizeit der örtlichen Körperbehindertenschulen (worüber ich irritierenderweise gar keinen Blogbeitrag finde). Sie hatte Spaß dabei, war aber gleichzeitig enttäuscht, weil es dort ja keine echten Skier für sie gab, sondern die – auch für Rollifahrer geeignete – Monoski-Variante. Okay, dann versuchen wir es eben mal mit dem Skifahren – nur wann und vor allem wo? Die Orte, die mit sinnvollem Aufwand erreichbar sind, sind nicht schneesicher – schon gar nicht Anfang März, wenn Saskia Ferien hat. Und einen riesigen Aufwand betreiben und fast 1000 km fahren, um dann festzustellen, dass es womöglich gar nicht klappt mit dem Ski fahren, ist ja auch doof.

Und davon, dass es klappt, war ich nicht wirklich überzeugt. Schließlich braucht man zum Skifahren ja nicht nur Schnee und die richtige Ausrüstung, sondern auch ein bisschen Übung. Und genau das ist leider gar nicht Saskias starke Seite. Sie geht davon aus, dass sie alles auf Anhieb kann. Wenn das nicht der Fall ist, ist sie aber auch nicht bereit, mal zu probieren und zu üben. Und wir Eltern sind nun auch nicht gerade die perfekten Skifahrer. Ich habe Verwandtschaft in Thüringen und als Kind bin ich durchaus mit einiger Begeisterung in den Winterferien Ski gefahren. Allerdings war das damals auch irgendwie unkomplizierter: Normale, stabile Stiefel und ein paar Skier mit Seilzugbindung … und schon gings los, über Berg und Tal, übers Feld und durch den Garten oder auch mal den Schieferbruch runter. Im Erwachsenenalter habe ich nur ein einziges Mal auf Skiern gestanden und das ist 20 Jahre her. In Erinnerung ist mir, dass ich die neumodischen Ski-Stiefel furchtbar fand und überhaupt nicht klar kam. Danach gab es dann keine weiteren Versuche.

Im Moment hat Saskia ja noch Weihnachtsferien und wir überlegten wieder einmal, wie wir ihr denn den Wunsch Ski zu fahren erfüllen könnten. Letztlich fiel mir dann doch eine schneesichere Variante in der Nähe ein: Eine Indoor-Skihalle. Ja, ja, das ist beinahe Blasphemie, das ist mir schon klar. Aber auf diese Weise könnten wir mit relativ geringem Aufwand ausprobieren, ob und wie das mit Saskia (und uns) und dem Ski fahren überhaupt funktioniert. Wir suchten uns also einige Sachen zusammen und machten uns auf den Weg in den Schnee.

Beim Ausleihen der erforderlichen Ausrüstung stellte ich mal wieder fest, dass meine Beine nicht nur generell stiefelinkompatibel sind, sondern Skistiefel noch mal eine ganz spezielle Nummer sind. Die ersten passten gar nicht, die nächsten gingen mit Ach und Krach einigermaßen zu, nachdem ich von Jeans auf Skihosen gewechselt war und die nächsten (die dann eine Nummer größer waren), gingen zwar zu, quetschten mir aber die Schienbeine so fies, dass mir an dieser Stelle schon der Spaß verging. Diese seltsam nach vorn geneigte Beinstellung (die offenbar so sein soll), trägt auch nicht gerade zur Bequemlichkeit bei, finde ich. (Ich will meine alten Skier mit Seilzug wieder!) Es dauerte fast eine Stunde, bis wir endlich in einigermaßen passenden Schuhen steckten und zur Ausgabe der Skier humpeln konnten. Saskia war ebenfalls nicht besonders begeistert vom Komfort ihrer Schuhe und dem besten Ehemann von allen verging vermutlich allein durch unser Gejammer allmählich auch die gute Laune. Aber nun waren wir hier – nun würden wir das auch durchziehen.

Das erste Mal auf Skiern

Saskia fand allerdings schon das Geradeauslaufen mit Skiern so anstrengend, dass sie sich entweder sofort hinsetzen oder zum Lift wollte. Das hätte allerdings bedeutet, dass wir dann einen relativ steilen Hang wieder runter fahren müssten – und dazu war realistisch betrachtet keiner von uns in der Lage. Also erstmal zum Anfängerhügel. Hier gab es keinen Lift, also kletterten wir mühsam den flachen Anstieg nach oben. Begeisterung sieht aber irgendwie anders aus.

Wer runter will, muss erstmal hoch ... mit Skiern

Recht schnell kam der Ruf nach Essen und Trinken und wir verließen die Halle erstmal wieder. Und nun? Wagen wir nach der Stärkung eine zweite Runde? So richtig Lust hatte keiner dazu und irgendwie graute uns auch davor, wieder in die schweren harten Stiefel steigen zu müssen. Also guckten wir uns noch eine Weile um und liehen uns schließlich einen Tubing-Reifen aus. Mit dem musste man zwar auch erstmal nach oben …

... oder auch mit Tubing-Reifen

… aber die Abfahrt war deutlich lustiger als unsere Versuche auf Skiern, so dass der Ausflug dann doch noch ein gutes Ende hatte.

Lustiger Ausklang

Eine Dreiviertelstunde später waren wir daheim mit dem Fazit: Winterurlaub können wir gern machen, Skifahren muss aber vorläufig nicht (wieder) sein.

Der gehaltvollste Elternabend der letzten 5 Jahre

Wie in jedem Jahr sollte auch diesmal zu Beginn des neuen Schuljahres ein Elternabend stattfinden. Wobei „Beginn des Schuljahres“ schon relativ ist, wenn die Schule Ende August beginnt, der Elternabend aber für den 4. Oktober geplant wird. Immerhin noch knapp vor den Herbstferien. In diesem Schuljahr jedoch sagte die Schule den Elternabend kurzerhand ganz ab – beziehungsweise verschob ihn auf unbestimmte Zeit. Begründung: Es gibt niemanden, der nach dem Ende der Veranstaltung die Schule abschließen und gegen unbefugte Nutzung sichern kann. Ehrlich. (Warum weder LehrerInnen noch Schulleiter einen Schlüssel bedienen können, erschließt sich mir allerdings nicht.)

Dieser nicht in nächster Zeit stattfindende Elternabend ist (zumindest in unserer Klasse) der einzige Elternabend im Schuljahr, die Kommunikation ansonsten eher unterirdisch (siehe Montag) und da sich in diesem Schuljahr auch für die Kinder sehr viel geändert hat, da sie von der Unterstufe in die Mittelstufe gewechselt sind, viel mehr Selbstständigkeit erwartet wird, andere Fächer auf dem Stundenplan stehen, neue Kinder in die Klasse gekommen sind, neue Lehrer, neue Erzieher … war für uns klar: Das geht so nicht. Wir warten nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag, sondern treffen uns notfalls in irgendeiner Kneipe. Zum Glück ist die Mutter eines Mitschülers von Saskia ebenfalls Lehrerin und weiß noch dazu, wie man einen Schlüssel benutzt – sie lud uns kurzerhand in ihre Schule ein.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, wo wir ja (auf Elternseite) auch schon mal zu zweit zusammen saßen, waren diesmal von 9 Schülern die Eltern da (10 Schüler sind insgesamt in der Klasse). So eine gute Quote hatten wir nicht mal beim allerersten Elternabend zu Beginn der 1. Klasse. Der Vorteil diesmal war außerdem, dass wir nicht nur ein kleines Zeitfensterchen zur Verfügung hatten, weil eben nicht der Gesamtelternabend der Schule gleichzeitig stattfand und man nach 30 Minuten mit dem Klassenelternabend durch sein musste. So hatten wir reichlich Gelegenheit, viele viele Fragen zum neuen Ablauf zu stellen und tatsächlich auch beantwortet zu bekommen.

Interessant war, dass die Antworten fast ausschließlich vom neuen Mitglied des Klassenteams kamen und man bei dem Erzieher auch das Gefühl hatte, er weiß ziemlich genau, was er will und setzt es auch durch. Die Klassenlehrerin ist mir persönlich ja immer ein bisschen zu ruhig und eher unauffällig. Ich bin also sehr gespannt, wie sich das alles in Zukunft entwickelt.

Das Problem mit den Konferenztagen ist übrigens noch nicht abschließend gelöst. Am Montag wurde Saskia letztlich doch von ihrem Busunternehmen abgeholt – um 14 Uhr – als Einzeltransport. Das ist so aber keine Dauerlösung. Da die Schule der Meinung ist, sie können das nicht beeinflussen, das Busunternehmen der Meinung ist: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ und ich der Meinung bin, dass das so trotzdem nicht geht, bleibt mir wohl nur der Weg zum Landkreis als Träger der Schulbeförderung – oder eben das Selbstabholen.

Nebenbei bemerkt ist das Chaos bei den Bustransporten für die restlichen Kinder aus Saskias Klasse (die aus der großen Stadt kommen und mit anderen Busunternehmen befördert werden) wohl noch wesentlich schlimmer, erfuhr ich sowohl am Montag als ich in der Schule anrief als auch am Mittwoch beim Elternabend. Da werden schon mal Kinder vergessen oder der Bus fährt entgegen der Vereinbarung (ohne Kind) morgens früher ab (so dass das Kind dann an diesem Tag nicht zur Schule kam) oder der Fahrer übergibt das Kind nicht persönlich, sondern lässt es einfach aussteigen und fährt weiter, ohne sicher zu sein, ob jemand daheim ist … usw. usf. Aber man muss sich ja nicht am Schlimmeren orientieren.

Montag – 7 Uhr und schon auf 180

Einmal im Monat gibt es an Saskias Schule eine Mitarbeiterkonferenz. Alle LehrerInnen, BetreuerInnen und TherapeutInnen sitzen zusammen – die SchülerInnen haben an diesen Tagen am Nachmittag frei. Eine Betreuung gibt es nicht. Bisher bedeutete das, dass Saskia statt 16 Uhr um 12:45 Uhr Schulschluss hatte (und gegen 13:15 Uhr ohne Mittagessen daheim war). Da sie morgens um 8:30 Uhr abgeholt wurde und ich einen einfachen Arbeitsweg von einer Stunde habe, bedeutete dies auch, dass ich an den Konferenztagen Urlaub nehmen musste – denn zur Arbeit zu fahren, lohnte sich schlicht und ergreifend nicht. Das sind mal eben 10 Urlaubstage pro Schuljahr, die für diesen Zweck benötigt werden.

Seit diesem Schuljahr gehört Saskia zur Mittelstufe. Das bedeutet, dass sie morgens bereits um 7 Uhr abgeholt wird (das ist hart für die ganze Familie, denn es bedeutet 5:20 Uhr aufstehen für die Großen und ca. 5:50 Uhr für Saskia) und um 14:30 Uhr Schulschluss hat (also gegen 15 Uhr daheim ist). Gewöhnungsbedürftig, aber wir haben uns darauf eingestellt und unsere Arbeitszeiten entsprechend angepasst. Positiv an den neuen Zeiten ist, dass die Mittelstufe an den Koferenztagen noch in der Schule Mittagessen bekommt und dann um 14 Uhr Schulschluss hat. Also nur eine halbe Stunde früher als normal – das würde ich künftig ohne Urlaub hinbekommen. Hurra! Dachte ich. Bis heute früh. Denn heute ist der erste Konferenztag im neuen Schuljahr. Der Busfahrer wies beim Abholen extra nochmal darauf hin. „Ja, ja,“ dachten wir und nur aus Interesse fragte ich, wann ich denn ungefähr mit Saskia rechnen könnte. Er guckte mich etwas verständnislos an und meinte, sie würde (wie immer an Konferenztagen) um 12:45 Uhr in der Schule abgeholt und zeigte auf seinen Spickzettel mit den Namen der Kinder, Zeiten und Schulen. „Nein, nein,“ sagte ich, „Saskia ist ja jetzt in der großen Gruppe, die haben bis 14 Uhr Schule.“ Er widersprach. Wir diskutierten noch ein Weilchen, kamen aber nicht weiter. Schließlich fuhr der Bus los und ich rief im Büro des Busunternehmens an. Dort bestätigte man mir, dass dieses Unternehmen – unabhängig von der Aussage der Schule alle Kinder um 12:45 Uhr mit nur einer Tour abholen würde. Das hätten sie schon immer so gemacht und die Schule wisse das natürlich auch. Großes Kino. Wirklich. Nur toll, dass weder Schule noch Busunternehmen die Eltern darauf hinweisen, dass für Schüler, die mit Busunternehmen X fahren, eine andere Regelung gilt als die, die die Schule den Eltern schriftlich mit den Terminen der Konferenztage mitteilt.

Ich erklärte, dass das nicht vereinbart sei und ich um 13:15 Uhr auch nicht daheim sei – sie stünden also vor verschlossener Tür. Wann ich denn da wäre, wurde ich gefragt. „14:30 Uhr“ antwortete ich. „Dann sorgen wir dafür, dass Saskia nicht vor 14:30 Uhr zu Hause ist.“ Ähhmmm … NEIN! Sie werden ganz bestimmt nicht meine Tochter zwei Stunden mit dem Bus durch die Gegend fahren! (Dann hole ich sie notfalls selbst um 14 Uhr in der Schule ab. Ihre Mitschüler fahren mit anderen Bussen, sind also nicht betroffen, die Betreuung sollte damit auch gewährleistet sein und das Essen ist ebenfalls bestellt … und ließe sich auch so spontan nicht mehr abbestellen.)

Die haben doch alle einen an der Waffel! Jetzt muss ich erstmal die Schule erreichen – da war um kurz nach 7 natürlich noch niemand im Büro – und klären, dass sie Saskia nicht um 12:45 Uhr mitfahren lassen. Das wird ein Spaß.

Jubiläum … ganz ohne Party

Gestern hatten wir ein Jubiläum, das wir nicht gefeiert haben: 10 Jahre Epilepsie. Abgesehen von zwei Fieberkrämpfen war bis April 2007 alles in Ordnung, Saskia war gesund und ganz normal entwickelt. Am 20. April 2007 begann dann eine sehr, sehr schlimme Zeit und aus „Es kann schon mal 6 Monate dauern, bis das Kind richtig ‚eingestellt‘ ist.“, wurden schließlich ganze 6 Jahre. Wenn mir das vor 10 Jahren jemand gesagt hätte, wäre ich vermutlich durchgedreht.

EEGSaskia und ich haben den Tag genutzt und Saskias Neurologen besucht. Das EEG sieht (wie immer in den vergangenen 3 Jahren) zwar nicht völlig normal aus, aber es zeigt zumindest keine Anfallsbereitschaft.

AuslesenDer VNS konnte mit dem neuen Programmiergerät nun auch endlich wieder ausgelesen werden. Die Einstellungen bleiben unverändert, die Batterie ist noch voll genug – also alles in Ordnung, falls nicht etwas Unerwartetes passiert, sehen wir uns in einem halben Jahr wieder (bis dahin hoffentlich nur noch mit einem Medikament).

VNS-EinstellungenVNS-Einstellungen 2

Frohe Ostern!

Schönes WetterZum Osterfeuer gingen wir gestern mit Freunden und deren kleiner Tochter, außerdem hatte sich noch Saskias Schulfreund mit seinem Vater angeschlossen. Da es in den vergangenen Tagen reichlich geregnet hatte und das Wetter den ganzen Tag durchwachsen war, war Saskia mit Gummistiefeln und in alter „Kann-ruhig-Schmutzigwerden-Jacke“ und die kleine Tochter der Freunde mit kompletter Regenkleidung unterwegs. Und das war eine gute Entscheidung: Neben dem aufgeschichteten, aber noch nicht brennenden Holzstapel war die vermutlich größte zusammenhängende Matschfläche außerhalb des Nationalparks „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ und beide Kinder tobten mit Begeisterung durch die Pampe. Die Kleine äußerte den Wunsch, doch auch gleich noch einen „Schlamm-Engel“ zu machen – das wurde ihr von den Eltern unverständlicherweise untersagt 😉 … Sekunden später lag sie in voller Länge in der Pfütze. 😀 (Als sie ein paar Minuten später dann nochmal rückwärts in den Dreck fiel, blieb sie kurzerhand liegen und begann doch noch mit den Armen Muster in den Schlamm zu malen.)

Matsch ist tollDer größte Kontrast dazu war die Tochter unserer Ex-Nachbarn – 6 Wochen älter als Saskia und diesmal doch sehr um gutes Aussehen bemüht: Schwarze Ballerinas, schwarze Leggings, schwarzer Minirock, enge schwarze Lederjacke … sah alles nicht sonderlich warm aus, aber durchaus schick und wenn ich sie allein getroffen hätte, hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht auf den ersten Blick erkannt. (Wir haben uns lange nicht gesehen.) Da war kaum noch was Kindliches und das fand ich schon ziemlich spannend. Und wann ist die denn so groß geworden? Als wir sie zuletzt sahen, war sie sehr, sehr zart und fast einen Kopf kleiner als Saskia. Inzwischen dürften die Mädchen etwa gleichgroß sein, aber die Wirkung ist eben völlig unterschiedlich. Während Saskia da wirklich noch absolut kindlich ist, war dort schon eher eine junge Frau zu sehen.

Amüsant fand ich eine Frau in komplett weißen Turnschuhen. Weiß?! Zum Osterfeuer?! Beim dem Wetter? Okaaayyy… Wäre jetzt nicht meine bevorzugte Farbe für diese Veranstaltung, aber gut.

Irgendwann wurde das Feuer dann auch tatsächlich angezündet, wir guckten noch eine Weile zu, bis uns zuviel Glut und Asche um die Ohren flog und traten dann den Heimweg an. Das Wetter hatte zum Glück gehalten und wir kamen auch trocken nach Hause.

OsterfeuerFür mich ging es dann heute früh um 5 Uhr traditionell mit den Resten vom Osterfeuer an der Kirche weiter. Osterfrühgottesdienst mit diesmal ca. 140 Gottesdienstbesuchern … das war so voll, dass ich erstmal ein paar Minuten suchen musste, um einen Parkplatz zu finden und schließlich so blöd stand, dass ich das Feuer nicht mal sah. Ich muss zugeben, mit 30-40 Leuten fand ich diese Art Gottesdienst netter – andererseits ist es (auch für den Pfarrer) natürlich schön, wenn viele Menschen kommen. Dann gab es auch noch neumodische Osterkerzen – statt der klassischen dünnen weißen (die sich im Laufe des Gottesdienstes immer so schön in der warmen Hand verbiegen) gab es diesmal welche im Plastikbecher. Die sahen hübsch aus, ließen sich aber schlecht aneinander anzünden, gaben zu wenig Licht und am Ende war ganz viel flüssiges Wachs übrig, das ich mir prompt großflächig über den Ärmel kippte. Vom Plastik mal gar nicht zu reden.

OsterfrühgottesdienstKurz vor halb 8 war ich wieder daheim, alle Rollläden waren noch geschlossen, ich holte mir schnell den Korb mit den Ostersachen (den ich gestern Abend noch in weiser Voraussicht dort stationiert hatte) aus dem Fahrradschuppen und ging dem Osterhasen zur Hand. Gar nicht so einfach, in einem nicht allzu großen Garten Verstecke zu finden, die sich nicht sofort auflösen, sobald der nächste Regen kommt. Beim Verstecken war zwar alles nass, es regnete aber gerade nicht – vorhergesagt war jedoch böiger Wind, Regen, Graupel und Gewitter … und ich wusste ja nicht, ob Saskia in 5 Minuten oder erst in 2 Stunden auf die Suche gehen würde.

Gedächtnisstütze des OsterhasenAls ich schließlich das Haus betrat kam mir mein Kind jedoch bereits entgegen. Sie hatte (wie üblich im stockdunklen Wohnzimmer) bereits am Tablet gesessen und hatte auch schon nachgesehen, ob draußen schon was zu finden war. (Da bin ich sehr froh, dass nicht die Haustür zugefallen ist, als sie im Schlafanzug vor der Tür stand. Ich weiß nämlich nicht, wie sie in dem Fall reagiert hätte.) Es war aber noch kein Osterhase da gewesen. Ich überredete sie, sich anzuziehen und dann nochmal im Garten nachzusehen.

Ob dort ein Osterei versteckt ist?Diese Suche war dann doch etwas erfolgreicher.

AusbeuteSchokolade brauchen wir jetzt eine Weile nicht zu kaufen, glaub ich. 😉

SortiertNachdem alle „Ostereier“ sortiert waren, gab es auch endlich Frühstück. Da ich vergessen hatte, Hefe mitzubringen, hatte ich gestern Abend einigermaßen spontan Teig für Schoko-Quark-Brötchen angerührt, die sogar der sehr „quarkskeptische“ beste Ehemann von allen lecker fand.

Schoko-Quark-BrötchenOstereier hatten wir am Karfreitag auch gefärbt und uns daran erfreut, dass die Farben diesmal wirklich sehr schön kräftig geworden sind.

Bunte EierNach ein bisschen Rumhängen, CD hören und Essensvorbereitungen haben wir dann mit meiner Mutti Kaninchen und Klöße gegessen und waren auch noch ein paar Minuten draußen, bevor der Tag dann schon fast wieder rum war. Das Wetter war immerhin deutlich besser als erwartet, zwar etwas kühl, aber zumindest kein Dauerregen, kein Graupel und zwischendurch sogar Sonnenschein.

OsterstrauchIch hoffe, ihr hattet auch alle einen schönen Ostersonntag und wünsche weiterhin:
Frohe Ostern!