Schwimmurkunde

Gestern kam Saskia mit einer Schwimmurkunde nach Hause. Nein, kein Seepferdchen, denn Schwimmen kann sie nach wie vor nicht (und weigert sich auch, es zu versuchen). Saskia ist jetzt also eine Kaulquappe. Aha.

Schwimmurkunde

Einige Mitschüler sind ebenfalls Kaulquappen geworden, (mindestens) einer ist wohl ein Frosch – ich weiß allerdings nicht, was man dafür können muss.

Ergotherapie

Saskias Ergotherapeutin geht zum Jahresende in Rente, ich bin gespannt, wer die Therapie ab Januar übernimmt. Bisher haben wir noch nichts darüber erfahren. Ich hoffe nur, dass es nicht auch so läuft wie mit der Physiotherapie und irgendwer entscheidet, dass keine Therapie mehr nötig oder möglich ist, weil es nun zu wenige Therapeuten gibt, denn dann werde ich zickig. Aber erstmal warte ich ab, was passiert. Vielleicht wird die freie Stelle ja auch nahtlos neu besetzt und es geht unverändert weiter.

Vor ein paar Tagen kam Saskia jedenfalls mal wieder mit einem Produkt aus der Ergotherapie nach Hause (in der Vergangenheit gab es da bereits zahlreiche getöpferte Objekte wie Weihnachtsbaumbehang oder eine Schale – alles sehr schwer, weshalb der Baumbehang dieses Jahr auch nicht am Baum hängt, die Schale ist allerdings nach wie vor als „Nuss-Schale“ im Einsatz). Diesmal war das Mitbringsel deutlich leichter: Ein Kratzbild.

Kratzbild

Wie man unschwer erkennen kann, ist es unser Haus, was hier abgebildet wurde. Soviele Fenster gibt es zwar nirgends nebeneinander und die Räume liegen in Wirklichkeit auf verschiedenen Seiten des Hauses, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Saskia erläuterte dazu: „Das da oben ist mein Zimmer, dann das Arbeitszimmer, das Schlafzimmer und die Abstellkammer (die gar kein Fenster hat), da rechts ist der Balkon, darunter ist das Wohnzimmer, der Keller (der natürlich nicht auf der gleichen Ebene liegt), die Küche und der Raum, wo der Tisch steht (die Essecke also).“ Die „Palme“ am unteren Bildrand vor dem Haus ist der dort derzeit stehende leuchtende Baum. Das „MPS“ auf dem Dach steht natürlich für „Mama, Papa und Saskia“ 😉 – wie der beste Ehemann von allen erkannte. Außerdem ist unten noch der Weg zum Haus zu sehen.

Ich finde es richtig toll. Leider sind die Farben hier auf dem Monitor nur halb so leuchtend wie auf dem echten Bild.

Gute Rechtschreibung

Nachdem Saskia sich am Dienstag Nachmittag, als sie begeistert ihrem Busfahrer entgegen lief, so heftig auf die Nase bzw. aufs Knie gelegt hatte, dass sie am Mittwoch nicht in die Schule konnte, weil es mit dem Laufen nicht so gut klappte, hatten wir am Donnerstag Nachmittag einen Kontroll-Termin beim Arzt. Damit wir rechtzeitig da sind, musste ich Saskia in der Schule abholen und wurde bei der Gelegenheit von einer von Saskias zahlreichen Deutsch- und Mathelehrerinnen angesprochen. Sie meinte, dass es mit dem Sprechen ja nicht immer so gut klappe, aber mit der Rechtschreibung und dem Rechnen liefe es ja ziemlich gut. Das überraschte mich etwas, denn zu Hause kann Saskia ja immer ganz gut verbergen, was sie so lernt. Fragt man sie, was sie in der Schule gemacht haben, ist das entweder geheim oder sie erinnert sich nicht. Selberlesen geht meist nur mit viel Gemotze und geschrieben wird auch nicht sooo viel.

Die Arbeitsblätter in der Schule erledige Saskia wirklich gut, hörte ich. Na, das ist doch mal ’ne gute Nachricht.

Neulich kam Saskia zum ersten Mal mit einer selbstgeschriebenen Liste nach Hause, was sie für den Weihnachtsmarktbesuch ein paar Tage später mitbringen soll:

Liste

Neulehrer

Ich bin ja nicht immer rundum glücklich mit Saskias Schule – mit einer Klassenlehrerin, die nur Montag bis Mittwoch da ist, 3 LehrerInnen, die sich den Deutschunterricht teilen, der (vielleicht) teilweise fehlenden Förderung usw. usf.

Gestern stellte ich allerdings fest: Es hätte auch schlimmer kommen können. An den (Grund-)Schulen bei uns in der Kleinstadt herrscht akuter Lehrermangel. So schlimm, dass inzwischen nahezu jeder unterrichten darf, der gerade Zeit hat. Hotelfachleute, BWLer, Kindergarten-Erzieherinnen …

Ich kenne das aus dem DDR-Geschichtsunterricht: Sogenannte „Neulehrer“ kamen nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zum Einsatz, weil es nicht ausreichend ausgebildete Lehrer ohne Nazi-Vergangenheit gab. Diese Neulehrer (junge Akademiker oder auch Arbeiter) wurden in einem „Neulehrerprogramm“ einige Monate ausgebildet, damit sie fit für den Unterricht waren.

Ganz so läuft das heute allerdings nicht mehr.

Es gibt nämlich keinen Kurs für angehende Lehrer. Man geht in die Schule, sagt, dass man hier arbeiten möchte … und fängt am nächsten Tag an. Egal, ob man dann Mathe oder Religion unterrichtet – fachliches oder pädagogisches Vorwissen ist offenbar nicht Voraussetzung. Nein, das habe ich mir leider nicht ausgedacht, sondern in der Unterhaltung mit einer Bekannten erfahren. Sie ist gelernte Erzieherin und seit neuestem an der hiesigen Grundschule tätig. Eine weitere Bekannte (ausgebildete Lehrerin an dieser Schule) meinte, damit sei sie ja noch ein Glücksfall, denn immerhin hätte sie ja wenigstens eine pädagogische Ausbildung – das sei bei weitem nicht bei allen der Fall.

Es geht allerdings auch noch schlimmer, wie ich gestern Abend im Fernsehen erfuhr. In Sachsen-Anhalt (glaub ich – es war schon zu spät für volle Aufmerksamkeit) gibt es ähnlichen Lehrermangel – inzwischen geht es dort soweit, dass die Kinder entweder gar nicht mehr unterrichtet, sondern nur noch betreut werden oder Eltern den Unterricht übernehmen.

Ich wusste bis dahin gar nicht, dass wir schlimmere Zustände als zu Nachkriegszeiten in den Schulen haben.

Manchmal nervt mich die Schule

Anfang September hat das neue Schuljahr begonnen – und auch in diesem Jahr hat es 3 Wochen gedauert, bis wir einen Stundenplan bekommen haben. (Wie haben das die Lehrer eigentlich zu meiner Schulzeit ohne Computer und Co. geschafft? Da stand der Stundenplan am letzten Ferientag fest.) Nun gut, da Saskia keine speziellen Bücher o.ä. mitnehmen muss, ist es nicht ganz so tragisch, aber ich müsste schon gern, was mein Töchterlein den Tag über so treibt – von ihr erfahre ich es nämlich meist nicht.

Leider geht aus dem Stundenplan nicht hervor, von welchem Lehrer oder welcher Lehrerin die einzelnen Fächer unterrichtet werden. Wir wissen nur, dass sich vieles geändert hat und fragen nach. Als Antwort bekommen wir, das würden wir zum Elternabend erfahren – da würden sich die Lehrer vorstellen. Abgesehen davon, dass dafür erfahrungsgemäß am Elternabend gar keine Zeit ist, denn da wird der Schulelternabend mit Bericht des Elternvereins, des Elternrates und einem fachlichen Schwerpunktthema, das jährlich wechselt, sowie der Klassenelternabend mit Wahl der Elternvertreter, sowie die anschließende Wahl des Elternrates und der Kreiselternvertreter usw. zusammengefasst … und die vorgesehene Zeit reicht nie, abgesehen davon also finde ich eine solche Antwort einfach doof. Wenn ich eine klare Frage stelle, dann will ich nicht auf Tag x vertröstet werden, sondern klare Antworten. (Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man zu jedem Fach auf dem Stundenplan gleich den Lehrer dazu schriebe. Wäre ja nun auch kein Hexenwerk.)

Bei genauerer Betrachtung des Stundenplans fiel mir auf, dass zwar Ergotherapie auftauchte, aber keine Physiotherapie. (Logopädie bietet die Schule ohnehin nicht an, das läuft in der knappen Freizeit.) Ich fragte per Mitteilungsheft nach. Die Mitteilung wurde gelesen und abgehakt – eine Antwort gab es nicht. Wir fragten erneut nach und erhielten die Antwort, das sei eine Frage der Priorisierung und Saskia sei inzwischen „zu gut“ für die Physio. Es gäbe Kinder mit schwerwiegenderen Problemen. Aha! Zum einen würde ich ja dann zumindest erwarten, dass die betroffenen Eltern (und Kinder) informiert werden, statt zu hoffen, dass sie es vielleicht gar nicht bemerken. Zum anderen: So geht es ja bitte nicht. Ja, ich weiß, die Physiotherapeuten sind derzeit unterbesetzt und es gibt dieses Jahr gleich zwei erste Klassen und die meisten Kinder an einer Schule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung brauchen eben Physiotherapie – aber das sollte doch bitte nicht auf dem Rücken meines Kindes ausgetragen werden.

Als Saskia gestern Abend erfuhr, dass sie künftig keine Physiotherapie mehr haben solle, setzte sie sich hin und malte:
Rückenschmerzen
Das Bild ist aus zwei Gründen erstaunlich: Erstens habe ich noch nie erlebt, dass Saskia auf diese Art und Weise einen Menschen zeichnet. (Das Bild zeigt sie, von hinten und sie hält drei Bälle in jeder Hand.) Und zweitens hat sie – von sich aus und ohne Beeinflussung von uns – ihre Rückenschmerzen gemalt (die rote Fläche in der Mitte), über die sie sehr häufig klagt. Mitte September waren wir bei der Orthopädin, die meinte, es sei eigentlich alles in Ordnung mit dem Rücken, aber wir müssten unbedingt an der Rumpfaufrichtung und -stabilisierung arbeiten und sollen das bitte mit der Therapeutin besprechen. Und nun? Mein Kind hat Schmerzen, weil sie sich einrollt und die Schultern nach vorne zieht. Und einen großen Teil des Tages rumläuft wie ein nasser Sack. Das ist sicherlich eher ein psychologisches Ding, aber wir müssen daran eben auch körperlich arbeiten und dazu brauchen wir die Therapie.

Beim gestrigen Elternabend (18:30 Uhr bis 22:10 Uhr – Juchu!) gab es dann noch eine Überraschung: Die Lehrerin, die uns vor den Ferien als Klassenlehrerin genannt wurde, ist nicht die neue Klassenlehrerin. Klassenlehrerin wird eine andere Lehrerin, die bisher auch schon einzelne Stunden in der Klasse unterrichtete. Allerdings hat sie nur eine Teilzeitstelle und ist deshalb nur von Montag bis Mittwoch im Haus. Hmm. Suboptimal, sage ich mal. Daneben gibt es 5 Fachlehrer – das ist eigentlich Okay, aber diese unterrichten jeweils mehrere und teilweise die gleichen Fächer. Deutsch wird beispielsweise 3 Stunden von einer Lehrerin unterrichtet, 1,5 Stunden von zwei anderen LehrerInnen und eine weitere vom Sportlehrer (der neuerdings auch Mathe unterrichtet. Manchmal). Bei der genauen Stundenverteilung sah ich irgendwann nicht mehr durch. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll – die Klasse wird jedenfalls nicht geteilt. Neben den LehrerInnen gibt es noch sieben(!) Erzieherinnen in der Klasse, die sich munter abwechseln. Und das bei Kindern mit teilweise autistischen Störungen.

Immerhin läuft es mit den drei neuen MitschülerInnen bisher gut. Ich hoffe, das bleibt so und habe gerade mit Saskia das erste Freundebuch ausgefüllt. 😉

Sommerferien

Wieder ist ein Schuljahr zu Ende und Saskia hat Sommerferien. Wieder einmal fahren wir nicht direkt in den Urlaub, sondern arbeiten noch ein bisschen, während Saskia die Tage im Hort verbringt. In anderthalb Wochen fahren wir dann ein bisschen in den Urlaub, sind dann ein paar Tage gemeinsam daheim, bevor der beste Ehemann von allen wieder arbeiten darf und Saskia noch eine reichliche Woche mit der Lebenshilfe wegfährt.

Das Zeugnis sieht ganz gut aus – da es keine Zensuren oder überhaupt Bewertungen gibt, ist es immer schwer vergleichbar. Auch in der Schule hängt das Mitmachen vom persönlichen Interesse und der Tagesform ab. Zwingen (oder auch nur überreden) kann man Saskia nicht zu einer Aufgabe, die sie nicht machen möchte – dann macht sie völlig dicht. Das merken wir auch daheim. Wenn sie zu etwas Lust hat, kann sie durchaus ausdauernd sein (und dann auch mal in der Pause weiter arbeiten). Und vor ein paar Wochen erzählte sie mir, dass ihr Freund im Deutsch-Arbeitsheft schon eine Seite weiter sei als sie. Das war ihr eindeutig nicht recht 😉 Mal sehen, wie das im neuen Schuljahr wird, wenn die neuen Mitschüler nochmal ganz andere Maßstäbe setzen. Bisher ist sie wohl diejenige, die in Deutsch am weitesten ist.

Mit dem Sprechen klappt es inzwischen in den meisten Situationen recht gut, manchmal flüstert sie nur, aber meist verkriecht sie sich zumindest nicht mehr komplett, wenn sie etwas gefragt wird. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt. Sport macht sie sehr gern, beim Schwimmunterricht macht sie auch gern mit, solange sie einfach planschen kann. Sobald aber Anforderungen gestellt werden, wird es sehr, sehr schwierig.

Mit den „0 Fehltagen“ wie im letzten Schuljahr hat es diesmal nicht ganz geklappt. 3 Tage war Saskia krank – was zum Glück immer noch relativ wenig ist.

Lesekönig
38 Bücher also. Das finde ich gar nicht sooo viel. Allerdings hat sie die überwiegend (oder sogar ausschließlich?) im ersten Schulhalbjahr ausgeliehen – in den vergangenen Monaten dafür gar keine. Warum auch immer. Dazu kommen natürlich viele, viele Bücher (und in letzter Zeit auch viele CDs) aus unserer Stadtbücherei. Das Problem dabei ist: Saskia liest die Bücher ja gar nicht (selbst), sondern lässt (vor-)lesen. Da relativiert sich das mit dem „Lesekönig“ dann schon, finde ich. Wir arbeiten dran.

Alles neu im neuen Schuljahr

Für die meisten Kinder in Saskias Alter beginnt mit der 5. Klasse ein neuer Lebensabschnitt, denn in den meisten Bundesländern beginnt mit Klasse 5 die weiterführende Schule in der es dann bis zum jeweiligen Abschluss weiter geht. Bei Förderschulen ist das System anders. Saskia kann bis zum Ende ihrer Schulzeit in ihrer Schule bleiben.

Vor einigen Wochen wurden wir zu einem Klassenfrühstück eingeladen, das auch dazu dienen sollte, die neuen Mitschüler kennen zu lernen. Nach den Sommerferien wird Saskias Klasse nämlich deutlich größer werden: zwei Mädchen und ein Junge kommen neu in die Klasse. Alle drei sind recht fit (auch wenn ein Mädchen im Rollstuhl sitzt) und besuchten bisher die jeweils zuständigen Grundschulen … und mit dem Ende der Grundschulzeit endet für sie nun auch die Zeit der Inklusion. Die Klassenstärke wächst damit auf 10. (Und vielleicht sind dann künftig tatsächlich mal mehr Kinder als Erwachsene in der Klasse – bisher war das meist nicht der Fall.)

Ich bin sehr gespannt, wie sich das künftig zurecht rütteln wird. Der Junge, der neu in die Klasse kommt, war im Frühjahr schon mal zwei Wochen zum Test da und stellte sich dem besten Ehemann von allen, der Saskia eines Nachmittags abholte, als „Saskias Freund“ vor. Nun gut. 😉 Zumindest scheinen sie sich gut verstanden zu haben. Mit dem Mädchen im Rollstuhl hatten wir bisher wenig Kontakt, das andere Mädchen saß uns beim Frühstück gegenüber und versuchte, ein Gespräch mit Saskia zu beginnen, was erstmal misslang, da Saskia entweder gar nicht oder nur extrem leise antwortete. Irgendwann zogen sie aber gemeinsam (und zusätzlich mit den Jungs) los und machten den Schulhof unsicher. Das Mädchen stellte dann noch fest, dass sie und Saskia fast gleich lange Haare, und sehr ähnliche Haar- und Augenfarben haben und sicher noch ganz tolle Freundinnen würden. Etwas später gab es dann allerdings Tränen bei Saskia, weil dieses Mädchen mit Saskias Papa herum alberte.

Warten wir also mal ab, wie sich das entwickelt. Ein paar fitte Kinder können der Klasse auf jeden Fall nicht schaden, denke ich. Und wenn Saskia tatsächlich eine Freundin (oder überhaupt neue Freunde) fände, würde ich mich freuen. Bisher ist sie nämlich manchmal etwas zu sehr auf „ihren Freund“ (dem bisher einzigen Jungen ihrer Klasse, mit dem sie auf etwa gleichem geistigen Niveau ist) fixiert und das ist teilweise ganz schön anstrengend.

Eher am Rande erfuhren wir, dass die bisherige Klassenlehrerin im neuen Schuljahr eine neue erste Klasse übernehmen muss und Saskias Klasse eine neue Klassenlehrerin bekommt (die wir noch gar nicht kennen). Immerhin bleibt die Klassen-Erzieherin erhalten, aber gerade vor dem Hintergrund mit den neuen Schülern hätten wir Eltern uns das anders gewünscht. Andererseits sagen wir uns, der Direktor macht das wahrscheinlich nicht, um uns zu ärgern und ändern werden wir es leider nicht können.

Es wird also spannend im neuen Schuljahr – und das auch ganz ohne Schulwechsel.