Gnadenlos

Wir sitzen beim Abendessen und ich stelle fest, dass Saskias Medikamente noch nicht auf dem Tisch liegen. Der beste Ehemann von allen steht auf, um sie zu holen.

„Ich wäre auch gegangen“, sage ich.
„Nee, lass mal, der fette alte Mann kann ruhig laufen“, entgegnet der Liebste, woraufhin Saskia entrüstet ruft: „Du bist nicht alt!“

Okay, das mit der Höflichkeit üben wir dann nochmal. Und fett ist hier natürlich keiner – höchstens der Text. 😉

Meilen(kiesel)stein(chen)

Gestern gab es mal wieder einen klitzekleinen Meilenstein in der Entwicklung meines großen Kindes. Saskia blieb zum allerallerersten Mal allein zu Haus. Zwar nur für ein paar Minuten, aber immerhin.

Sonst ist immer jemand bei ihr … früher in Griffweite, um sie möglichst aufzufangen, wenn sie einen Anfall hat, später dann in Sichtweite und inzwischen reicht es auch, wenn jemand irgendwo im Haus oder im Garten ist. Allein bleiben wollte sie bisher aber nie (ebensowenig wie allein raus gehen).

Gestern war das Auto in der Werkstatt, um TÜV und neue Sommerräder zu bekommen und ich war deshalb mit dem Leihwagen der Werkstatt unterwegs. Bis 18 Uhr sollte ich diesen zurück bringen und das eigene Auto abholen. Normalerweise kein Problem und ohne Saskia machbar, denn der beste Ehemann von allen kommt gegen 17:30 Uhr nach Hause. Gestern allerdings gab es einen längeren Stau wegen einer Baustelle am Ortseingang und dort stand eben auch sein Bus. Da ich mit dem Leihwagen noch tanken musste und auch ein paar Minuten bis zur Werkstatt brauche, blieb mir um 17:40 Uhr nichts anderes übrig, als Saskia nochmal zu fragen, ob sie lieber mitkommen (wollte sie absolut nicht) oder eben allein daheim bleiben wolle und schließlich aufzubrechen.

Hat auch alles geklappt – eine halbe Stunde später war ich wieder daheim und inzwischen war auch der beste Ehemann von allen eingetroffen.

Eine Flasche Sekt hätten wir zur Feier des Tages dann auch noch öffnen können – die bekommt man, wenn die Rechnung der Werkstatt eine magische Zahl überschreitet, geschenkt. Neben TÜV und neuen Rädern waren nämlich noch so Kleinigkeiten wie eine „kleine Inspektion“, „Wartung der Klimaanlage“, Ölwechsel und Wechsel der Bremsflüssigkeit und ähnliche Nettigkeiten dazu gekommen. Außerdem wurden zwei Blink-Glühlampen gewechselt, weil sie die Farbe verloren hatten. Also immer dran denken: Rechtzeitig orange Blinkflüssigkeit nachfüllen! 😉 sonst meckert der TÜV oder die DEKRA.

Happy Birthday!

Der beste Ehemann von allen hat Geburtstag und wünscht sich ausdrücklich nichts Materielles, weil wir eh‘ schon zuviel Kram haben. Das macht das Schenken nicht gerade einfach, aber Saskia hat für Papa ein Bild gemalt

Geburtstagsbild_Saskia

und Blümchen gab es auch.

Blumen

Happy Birthday, mein Schatz!

Kleine Anekdote von unterwegs

Auf Curaçao werden ja verschiedene Sprachen gesprochen – Niederländisch ist eine sehr wichtige, Englisch ist zumindest im Touristenbereich auch kein Problem (zum Glück!) und unter Einheimischen kommt noch Papiamentu und zum Teil Spanisch dazu.

Das CDTC selbst ist übrigens nahezu komplett dreisprachig: Holländisch, Deutsch, Englisch. Die meisten Therapeuten und Praktikanten stammen aus den Niederlanden, ein paar auch aus Deutschland. Bei den Patienten ist das Verhältnis etwa halbe-halbe. Mit den Kindern wird in der jeweiligen Muttersprache des Kindes gesprochen (in unserem Fall also Deutsch mit holländischem Akzent), mit den Eltern normalerweise auch und wenn es da nicht weiter geht, wechselt man eben ins Englische – das klappt erstaunlich gut.

Mit den Menschen im Hotel, in Restaurants oder Supermärkten kann man sich normalerweise gut englisch verständigen.

Eines Mittags saßen wir in einem Café in Willemstad – mitten im Touri-Bereich, wo vermutlich 90% der Besucher von den um Ecke anlegenden Kreuzfahrtschiffen kommen. Wir waren hungrig, durstig und pflastermüde – also ließen wir uns nach einem kurzen Blick auf die aushängende Speisekarte nieder. Die Bedienung (B) kam an den Tisch und reichte uns 3 Speisekarten. 2 auf Niederländisch, eine zum Glück auf Englisch. Wir suchten uns also etwas aus und kurze Zeit später kam die junge Frau wieder an den Tisch, wo sich folgendes Gespräch zwischen ihr und dem bestenn Ehemann von allen (M) entspann:

B: „Heb je wat gevonden?“
M: „Yes, we have. But, do you speak English? Unfortunately we don’t speak Dutch.“
B: „Yes, I do.“

Es folgte die eigentliche Bestellung und als soweit alles klar war …

B: „Are you german?“
M: „Yes, we are.“
B: „But why you don’t speak Dutch? All Germans speak Dutch.“
M: „No! All Dutch speak German!“

Sie guckte etwas ungläubig, dann folgte großes Gelächter auf beiden Seiten. 100%-ig wahr ist vermutlich keine der beiden Aussagen. Aber ich glaube, prozentual gesehen sprechen mehr Holländer deutsch als Deutsche holländisch.

Wieder daheim

Am Montag Vormittag sind wir gut wieder in der Heimat gelandet. Norddeutschland empfing uns mit exakt dem gleichen Wetter, bei dem wir 17 Tage vorher abgeflogen waren: Nasskalt, grau und Nieselpiesel. Igitt! Immerhin waren es am Montag knapp 10°C, bei der Abreise nur 4°C.

Inzwischen hat sich das Wetter zu Glück gebessert und uns hat der Alltag fast wieder. Saskia ist seit Dienstag wieder in der Schule, der beste Ehemann von allen ist seit gestern auf Dienstreise und ich bin nach 2 „Haushaltstagen“ heute das erste Mal wieder im Büro.

Wenn ich irgendwann die 4000 Fotos gesichtet habe, kommen auch ein paar davon ins Blog.

12 von 12 – im März 2017 – live aus der Karibik

Jeden Monat am 12. gibt es 12 Fotos von diesem Tag. Caro von „Draußen nur Kännchen“, erklärt die Regeln, sammelt alle Links … und ich wollte schon immer mal mitmachen. Jedes Mal denke ich zu spät daran und habe dann keine 12 passenden Bilder. Aber heute klappt es endlich. (Und wenn mein Laptop-Akku mich nicht im Stich gelassen hätte, wäre der Beitrag auch pünktlich erschienen.)

Los geht’s:

Nachdem von Montag bis Samstag der Wecker jeden Morgen um 6:15 Uhr geklingelt hatte, konnten wir am Sonntag endlich ausschlafen, was dazu führte, dass ich pünktlich um 6:14 Uhr wach war. Nun ja. Noch etwas rumliegen, dann habe ich mich lieber zu den Mücken auf die Terrasse gesetzt und die Fotos der letzten Tage von der Speicherkarte auf den Laptop geladen.

Morgens, wenn alle noch schlafen

Gesellschaft hatte ich (auch abgesehen von den Mücken) reichlich. Zum Beispiel diesen gefiederten Gesellen und seine Verwandtschaft, die sich gern ein Zuckertütchen klauen oder auch ein Blüten von den Sträuchern zupfen.

Gefiederter Zuckerdieb

Am Pool war es noch ziemlich ruhig.

Ruhe am Pool

Irgendwann war dann auch der Rest meiner Familie wach und ein paar Stunden später gab es auch endlich Frühstück.

Endlich Frühstück

Ein weiterer Besucher kam auf der Terrasse vorbei.

Grüner Besucher

Nachdem der Samstag mit einem Besuch im Nationalpark Shete Boka (sehr zu empfehlen übrigens!) recht anstrengend gewesen war, verbrachten wir den Sonntag faul im Hotel, am Pool und nebenan bei der Delfinshow. Geht ja nicht, dass wir den Tag so komplett ohne Delfine verbringen. Da der Eintritt für uns frei ist, kann man auch mal den weiten gefährlichen Weg (von ca. 200m) durch die Sonne gehen und sich die Show-Delfine ansehen.

Showdelfine

Es waren wesentlich weniger Delfine als vor zweieinhalb Jahren (zwei Mütter und ihre Babys), aber sehr schön springen konnten sie auch.

Synchronspringen der (Delfin-)Damen

Neben netten Tierchen gibt es übrigens auch hübsche Pflanzen mit Blüten in schönsten Farben.

Bunte Blüten

Am „Praktikantenschiff“ vorbei ging es zurück zum Hotel…

Praktikantenunterkunft

… und nach kurzer Zwischenstation noch ein bisschen bummeln. Hier gibt es zwar in fußläufiger Entfernung keine Lebensmittel, aber dafür mehrere Läden, die ausschließlich Flip-Flops verkaufen – ist wahrscheinlich eine Frage der Prioritäten. 😉

Waren des täglichen Bedarfs

Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es ja genügend Strandbars und kleine und große Restaurants.

Strandbar

Und wenn man will, kann man dann natürlich auch noch Party machen. Warm genug ist es auf jeden Fall auch nach Sonnenuntergang.

Party unter Palmen

4 Jahre

Heute haben wir 4-jähriges Jubiläum der Anfallsfreiheit (wenn ich richtig gerechnet habe, sind das 1461 Tage). Diesmal gab es keine große Party (ist ja auch eine total krumme Zahl 😉 ) – wir freuen uns aber natürlich trotzdem.

Wenn ich mich mit Menschen über Saskia unterhalte, kommt ganz oft die Begeisterung, wie gut es ihr inzwischen geht und wie toll sie sich entwickelt hat. Und genauso oft die Frage, was die Ursache der Anfallsfreiheit ist. Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht genau. Der VNS? Die richtige Medikamentenkombination (insbesondere das Levetiracetam, das ein paar Wochen vorher wieder dazu kam) oder einfach die Zeit, die Gehirnentwicklung … ? Vielleicht auch eine Kombination verschiedener Faktoren. „Die Hauptsache ist der Effekt!“, würde ich sagen. 😉

In den vergangenen vier Jahren haben wir ein Medikament komplett ausgeschlichen, ein anderes auf die Hälfte reduziert. Der Plan sieht vor, dieses Medikament ebenfalls komplett auszuschleichen. Wenn das gelingt, hätten wir nach vielen Jahren endlich nur noch ein Dauermedikament. Das fände ich ziemlich toll.