Murphys Haus

Irgendwie ist in unserem Haus ja der Wurm drin. Also: Nicht im wörtlichen Sinne (hoffe ich), aber der Beziehungsstatus ist von Anfang an kompliziert. Erst bekamen wir das Haus für zuviel Geld vom Makler angeboten, dann kauften wir es für weniger Geld ohne Makler – mit dem Ergebnis, dass die Post vom Makler die erste war, die uns an der neuen Adresse erreichte, was viele Nerven und am Ende auch eine ganze Menge Geld kostete.

Dann regnete es rein, als wir 3 Tage nach Haus-Übergabe zum Renovieren kamen und wir mussten viel Geld ausgeben, um das Dach abzudichten. Und konnten die Vorbesitzer nicht haftbar machen, weil sie davon angeblich nichts wussten. (Wer’s glaubt!) Und weil der Makler dann plötzlich der Meinung war, er sei am Vertrag ja nicht beteiligt gewesen, weshalb sein Exposé („Dach vor 2 Jahren komplett erneuert“) nicht Bestandteil des Kaufvertrages sei. (Aber zum Courtage-Kassieren reichte die Beteiligung!)

Dann dauerte die Fassadendämmung viel länger als geplant (weil sich irgendwer bei einem quaderförmigen Haus mit der Menge der Dämmung verrechnet hatte), was letztlich dazu führte, dass es wieder einmal ins Dach regnete. Und dann nochmal, so dass wir letztlich das gesamte Dach erneuern mussten.

Natürlich dauerte auch diese Baustelle viel länger als geplant und das Ergebnis ist, dass wir nun schon seit einem halben Jahr nicht mehr im Haus wohnen können. (Und somit auch unsere neue Küche, die nach einem halben Jahr endlich fertig war, gar nicht nutzen können.)

Da passt es ins Bild, dass der Schaden auch nicht mal eben behoben wird. Wäre ja sonst langweilig. Stattdessen zahlen wir Anwaltskosten, Gutachterkosten, zusätzlich 1000€ Miete jeden Monat und sehen dem Dach beim Vergammeln zu.

Mitte Juni haben wir auf eigene Kosten die nasse Dämmung über dem Schlafzimmer komplett entfernen lassen – Dämmung, Dampfsperre, Paneele … alles weg und nun freier Blick auf die Schalung. Seitdem tropft es an mindestens 5 Stellen nahezu ohne zeitliche Verzögerung ins Zimmer, wenn es regnet. (Wie war das mit dem „Kondenswasser“?)

Ende Juni haben wir einen Termin beim Landgericht bekommen – für Mitte Oktober (!) – zur Gutachterbefragung. Das heißt, bis dahin geschieht ohnehin nichts, was Beweise zerstören würde. Und danach machen wir das Dach dieses Jahr ganz gewiss nicht mehr auf. Mal abgesehen davon, dass die Dachdecker ja auch nicht gerade Schlange stehen, um diesen Auftrag zu bekommen. Vermutlich wird der Gutachter zu der Erkenntnis kommen, dass er einen weiteren Ortstermin benötigt, um die Fragen beantworten zu können. Und selbst wenn nicht, wäre dann höchstens dass Beweissicherungsverfahren abgeschlossen – Geld haben wir davon noch lange nicht.

Ein weiteres Angebot haben wir auch nicht. Alles zieht sich endlos … und wir gehen auf dem Zahnfleisch.

Ein Angebot, das wir nicht ablehnen annehmen können.

Was lange währt, wird nicht immer unbedingt gut. Wir haben endlich ein Angebot der Dachdeckerfirma unseres Vertrauens erhalten, das leider so deutlich jenseits von gut und böse ist, dass wir es eindeutig nicht annehmen können. Selbst wenn man über einzelne Positionen (wie z.B. die unnötige Erneuerung der erst 3 Jahre alten Dachrinne o.ä.) noch streiten könnte, ist der Betrag, der auf der letzten Seite ganz unten steht, mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich angekündigt. (Und immer noch mehr als anderthalb mal so hoch wie die Rechnung vor 3 Jahren von den damaligen Dachdeckern.)

Das war dann wohl nichts, denn DIESEN Betrag irgendwann von irgendwem einzufordern, dürfte wohl unmöglich sein.

Dann werden wir wohl mal weitere Angebote einholen. Wir haben ja sonst nichts zu tun.

Zum Heulen …

… oder auch zum Speien.

Es wäre ja zu einfach, wenn irgendetwas mal einfach problemlos verliefe. Nachdem der Gutachter sich das Dach angesehen hatte und die Situation als sehr eindeutig empfand, warteten wir auf das Gutachten. Er war dann doch relativ schnell – das Gutachten trägt das Datum 18.4., eingegangen bei Gericht am 24.4. (da waren Osterfeiertage dazwischen), eingegangen beim Anwalt am 30.4.

Ende April (also noch bevor das Gutachten vorlag) besprachen wir mit dem Anwalt das weitere Vorgehen. Er riet uns nochmals, darüber nachzudenken, ob wir nicht doch die Firma der Gegenpartei für die Reparatur beauftragen wollen, um so das Insolvenzrisiko zu verringern und gleichzeitig deren Bereitschaft, den Schaden aus der Welt zu schaffen zu erhöhen (nein, wollen wir nach der ganzen Vorgeschichte wirklich nicht). Außerdem meinte der Anwalt, dass nach Zugang des Gutachtens sowohl wir als auch die Gegenseite innerhalb von 4 Wochen noch weitere Fragen stellen könnten und er könne ja schon mal Verlängerung beantragen. Wir erklärten, dass wir das auf keinen Fall möchten, um das Verfahren nicht noch weiter in die Länge zu ziehen. Stattdessen sollten wir eine Kostenaufstellung machen, die wir der Gegenseite präsentieren, um erstmal abzuklären, ob sie vielleicht (nach Zugang des hoffentlich eindeutigen Gutachtens) doch bereit sind, Reparaturkosten und Zusatzkosten (wie Miete, Anwaltwaltskosten, Umzugskosten usw.) zu bezahlen. (Na ja, einen Versuch ist es wert, dachten wir.)

Anfang Mai (es war ja wieder ein Feiertag dazwischen) hatten wir das Gutachten dann im Posteingang. Leider war es deutlich weniger eindeutig, als es der Gutachter vor Ort gewesen war. Es steht drin dass das Dach über dem Schlafzimmer kaputt ist und erneuert werden muss. Beim Rest des Daches sei zu prüfen, wie kaputt es sei. (Ach nöö!) Wie diese Überprüfung geschehen soll, ohne das Dach zu zerstören, steht allerdings nicht dabei. Die angesetzten Wiederherstellungskosten sind natürlich deutlich geringer als die Kosten für ein komplettes neues Dach.

Wir schickten dem Anwalt unsere Kostenaufstellung … und hörten nichts. Wir versuchten, ihn anzurufen … und erreichten ihn nicht. Wir versuchten es wieder, er sei den ganzen Tag bei Gericht, hieß es. Wir schickten ’ne Mail und riefen nochmal an. Die Mail hätte er registriert und er würde sich melden, sagte die Dame am Telefon. Er meldete sich nicht. Am 27.5. endlich erreichten wir ihn. Er hätte sehr viel zu tun gehabt und eine Fristverlängerung beantragt. Och nöö! Die wollten wir doch ausdrücklich nicht. Am nächsten Tag stellte sich dann heraus, dass diese Aussage nicht stimmte, denn am 28.5. erreichte uns per Mail der Antrag auf Fristverlängerung – mit Datum 28.5. – dem Tag des Fristablaufs. Boah ist das frech. Erstens wollten wir das nicht, zweitens brauchten wir das nicht (denn es war ja klar, wie es weiter gehen sollte) und drittens wären wir völlig aufgeschmissen, wenn das Gericht diesem Antrag nicht zustimmen würde (auch wenn es das wohl üblicherweise tut).

Wir wiesen darauf hin, dass wir die Vorgehensweise (höflich gesagt) nicht optimal fanden. Das wurde zur Kenntnis genommen. Gestern bekamen wir eine Mail mit der Bestätigung der Fristverlängerung (immerhin) und einem Schreiben vom gegnerischen Anwalt. Dieser äußert Zweifel an der Ursache der Nässe auf dem Dach. Dass diese durch eine nicht sachgemäß angebrachte Kante entstanden sei, sei ja nur eine Vermutung und nicht bewiesen. Und überhaupt wäre alles mit geringem Aufwand zu reparieren und würde inklusive Trocknung (für 28 Tage) höchstens 10.000 € kosten. Ach was? Warum haben sie es denn dann voriges Jahr nicht repariert, wenn alles so einfach ist? Unsere Kosten sind jetzt schon mindestens doppelt so hoch. Mein Highlight war allerdings sein Schlusssatz, in dem er mitteilt, jetzt nicht im Detail auf das Schreiben unseres Anwalts eingehen zu können und außerdem sei er ab jetzt „bis Ende der 27. KW im Urlaub“. Das heißt im Klartext, bis Anfang Juli passiert garantiert exakt gar nichts, denn keiner trifft eine Entscheidung und einen weiteren Gutachtertermin gibt es in dieser Zeit auch nicht. Was auch bedeutet, wir können noch immer nicht mit der Reparatur anfangen. Ich bin soooo sauer!

Leise Hoffnung

Der zweite Ortstermin gestern verlief deutlich besser als der erste. Anwesend waren: der beste Ehemann von allen, der Gutachter, der Dachdecker und unser Anwalt. Der Anwalt der Gegenseite war diesmal nicht dabei.

Nach kurzem Vorgespräch und Besichtigung von innen, wobei wieder über mögliches Kondenswasser diskutiert wurde, wurde das Dach von oben auf einer Fläche von ca. 1m x 1m geöffnet.

Nach Entfernung von EPDM-Folie und Styropor-Keil wurde der Blick frei auf ein stehendes Gewässer mit einigen Styropor-Kügelchen. Die Wassermenge war allerdings so groß, dass der Gutachter schnell der Meinung war: „Dann bin ich hier ja fertig.“ Die Situation ist wohl sehr eindeutig – das Dach ist undicht, es ist reichlich Wasser in der Konstruktion, es muss komplett erneuert werden.

Nun bleibt zu hoffen, dass das dann auch eindeutig im (hoffentlich bald fertigen) Gutachten steht, dass das Gericht das genauso sieht und der Dachdecker nicht insolvent ist, bevor wir unser Geld für Dach und Nebenkosten wieder haben. Und natürlich, dass es mit anderen Dachdeckern in der nächsten Runde besser läuft und die auch bald Zeit für uns haben.

Außer Spesen nichts gewesen

Mitte März fand der (1.) Ortstermin mit dem gerichtlichen Gutachter bei uns im Haus statt. Wir hatten extra die Oma für Saskia engagiert, damit wir beide am Termin teilnehmen konnten.

Pünktlich um 15 Uhr klingelte es an der Tür und im Gänsemarsch betraten vier Männer das Haus. Huch. Ich habe ja ein ausgesprochen schlechtes Gesichtserkennungsvermögen, insofern musste ich erstmal kurz sortieren, wer da nun vor mir stand. Es war der Gutachter, der Dachdecker, der das Dach 2016 gebaut hat, sein Anwalt und zuletzt unser Anwalt. (Mit dem hatten wir gar nicht gerechnet und noch überlegt, ob wir ihn dazu bitten sollen. Man kennt sich ja mit solchen Sachen irgendwie nicht aus.)

Nach kurzer Begrüßung und Erfassung, wer alles am Termin teilnimmt, meinte der Gutachter, er hätte noch ein paar Fragen zum Dachaufbau, die ihm aus den Unterlagen nicht klar geworden seien. Nun gut, diese Fragen wurden geklärt – eigentlich stand alles in den Unterlagen und notfalls hätte man es auch in einem Dreizeiler per Mail klären können, aber …

Anschließend hieß es dann, wo wir gerade alle so schön beisammen sitzen, könnten wir doch gleich einen Termin für den nächsten Besuch ausmachen, an dem dann auch das Dach geöffnet wird. Ähh?? Der Termin wurde festgelegt und auf unseren Einwand, dass er das Dach doch zumindest von innen schon mal ansehen könne, da sei ja nur eine Folie davor, die sich leicht entfernen ließe, zog die ganze Versammlung ins Schlafzimmer, beäugte die Folie von unten, machte ein paar Fotos und … verabschiedete sich dann.

Vom Klingeln bis zum Tür schließen waren nicht mal 20 Minuten vergangen. Dafür hatte der Gutachter ca. eine Stunde Anfahrt und natürlich auch eine Stunde Rückfahrt, wird uns also mindestens 3 Stunden in Rechnung stellen. Unser Anwalt hatte ebenfalls ca. 45 Minuten Fahrt pro Strecke. Und geschehen ist nichts. Nix. Niente. Nothing.

Also abgesehen von der Rechnung des Anwalts, die am nächsten Tag in der Post war mit einer vierstelligen Summe, die im wesentlichen aus „Ortsterminsgebühr“ bestand. Ich könnte k…