Wenn einer eine Reise tut

Ende Juli gab es in der Verwandtschaft einen 50. Geburtstag zu feiern und wir waren eingeladen und hatten zugesagt. Der Plan war, am Freitag nach der Arbeit bzw. dem Ferienhort loszufahren und am Sonntag zurück. Allerdings: An genau diesem Wochenende waren in der gesamten Bundesrepublik Sommerferien: In Niedersachsen gingen sie zu Ende, in Bayern fingen sie an, aber ausnahmslos alle Bundesländer hatten frei. Uff. Da wird eine Strecke von ca. 450 Autobahn-Kilometern unter Umständen zum echten Erlebnis.

Wir beschlossen also, mit der Bahn zu fahren. Meine Mutti hat eine Bahncard 50, ich habe eine Bahncard 25, Saskia fährt in dem Fall kostenlos (weil mit Eltern) und der beste Ehemann von allen fährt ebenfalls kostenlos als Begleitperson für Saskia – somit kostete uns das Ganze „nur“ schlappe 210 € plus 18 € für die Platzreservierung. Ein Schnäppchen ist das nicht gerade, finde ich. Wenn ich mir eine Familie ohne Schwerbehindertenausweis vorstelle, wo dann mindestens alle Erwachsenen bezahlen müssen, weiß ich, warum die Autobahnen so voll sind.

Das eigentliche Abenteuer begann dann am Bahnhof. Unser Zug stand zwar auf der großen elektronischen Anzeigetafel mit der richtigen Abfahrtszeit und dem Bahnsteig, der auch auf unseren Fahrkarten stand, am Bahnsteig selbst wurde allerdings ein anderer, verspäteter Zug angekündigt. Das änderte sich erst kurz vor der geplanten Abfahrt. Leider bekamen es offenbar nicht alle Menschen auf dem recht vollen Bahnsteig mit. Während wir also unsere reservierten Plätze einnahmen und auf dem Weg nach Göttingen waren, stiegen auch Menschen in den Zug, die eigentlich nach Greifswald wollten. Das fiel dann auch dem Zugbegleiter auf und so gab es eine Durchsage, dass dieser Zug außerplanmäßig in Lüneburg halte, um diese Fahrgäste wieder aussteigen zu lassen. Der Zug hielt also in Lüneburg, es stiegen ein paar Leute aus und auch ein paar andere Menschen ein. Ich fragte mich und meine Familie noch, ob die hier wohl richtig sind, da fuhr der Zug auch schon weiter. Kurze Zeit später gab es die nächste Ansage, dass der Zug außerplanmäßig in Uelzen halte, damit die fälschlicherweise in Lüneburg zugestiegenen Fahrgäste wieder aussteigen können. Man öffne diesmal aber nur eine einzige Tür, um weitere Verwirrung zu vermeiden und man werde nicht auch noch in Celle halten, wer also nach Uelzen oder Celle wolle, solle sich in Wagen 9 begeben und in Uelzen aussteigen.

Das schien dann geklappt zu haben, denn danach fuhr der Zug planmäßig (und nun leicht verspätet) weiter. Irgendwann kam die nächste Durchsage, dass in der ersten Klasse ein unbekanntes Gerät, das aussähe wie ein Generator auf einer Art Einkaufstrolley, im Weg stände und bitte entfernt werden solle. Etwa 10 Minuten später gab es die gleiche Ansage nochmal und wir spekulierten, ob man jetzt das verdächtige Gepäckstück sprengen oder vorsichtshalber lieber gleich den gesamten Wagen abhängen würde. Früher hätte man das störende Teil vermutlich einfach beiseite geschoben, inzwischen werden die Menschen aber doch etwas paranoid.

Wir kamen fast pünktlich in Göttingen an, wechselten den Bahnsteig und den Zug und fanden im Regionalzug nach Gotha dann auch das verdächtige Gepäckstück wieder. Diesmal stand es allerdings friedlich im Gang. Ich würde es ja eher für einen Computer als für einen Generator halten, aber beschwören kann ich das natürlich nicht.😉

Verdächtig

Der Rest der Reise war unspektakulär, wir verbrachten anderthalb schöne Tage in Gotha und machten uns dann auf die Rückreise. Auch diesmal durften wir in Göttingen umsteigen, hatten 25 Minuten Verspätung, kamen aber ohne besondere Vorkomnisse daheim an. Ob die junge Frau (ca. Mitte 20), die wir in Göttingen trafen und die uns erzählte, sie führe zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Bahn, allerdings an diesem Abend noch ihr Ziel erreicht hat, wage ich etwas zu bezweifeln. Nachdem wir ihr die Grundlagen (zum Beispiel wie sie ihren Wagen findet) erklärt und sie noch mit in die richtige Richtung zum Einsteigen genommen hatten, trennten sich unsere Wege – ihren Anschlusszug hat sie gemäß der Durchsage allerdings verpasst und ob die genannten Alternativen wirklich „Bahn-Anfänger-tauglich“ waren, weiß ich nicht.

Es ist eben immer wieder ein Erlebnis, oder – wie die Wise Guys sagen: „Thank you for Travelling with Deutsche Bahn!“

Über unseren Urlaub schreibe ich dann demnächst – wenn wir wieder zu Hause sind.

Sommerferien

Wieder ist ein Schuljahr zu Ende und Saskia hat Sommerferien. Wieder einmal fahren wir nicht direkt in den Urlaub, sondern arbeiten noch ein bisschen, während Saskia die Tage im Hort verbringt. In anderthalb Wochen fahren wir dann ein bisschen in den Urlaub, sind dann ein paar Tage gemeinsam daheim, bevor der beste Ehemann von allen wieder arbeiten darf und Saskia noch eine reichliche Woche mit der Lebenshilfe wegfährt.

Das Zeugnis sieht ganz gut aus – da es keine Zensuren oder überhaupt Bewertungen gibt, ist es immer schwer vergleichbar. Auch in der Schule hängt das Mitmachen vom persönlichen Interesse und der Tagesform ab. Zwingen (oder auch nur überreden) kann man Saskia nicht zu einer Aufgabe, die sie nicht machen möchte – dann macht sie völlig dicht. Das merken wir auch daheim. Wenn sie zu etwas Lust hat, kann sie durchaus ausdauernd sein (und dann auch mal in der Pause weiter arbeiten). Und vor ein paar Wochen erzählte sie mir, dass ihr Freund im Deutsch-Arbeitsheft schon eine Seite weiter sei als sie. Das war ihr eindeutig nicht recht😉 Mal sehen, wie das im neuen Schuljahr wird, wenn die neuen Mitschüler nochmal ganz andere Maßstäbe setzen. Bisher ist sie wohl diejenige, die in Deutsch am weitesten ist.

Mit dem Sprechen klappt es inzwischen in den meisten Situationen recht gut, manchmal flüstert sie nur, aber meist verkriecht sie sich zumindest nicht mehr komplett, wenn sie etwas gefragt wird. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt. Sport macht sie sehr gern, beim Schwimmunterricht macht sie auch gern mit, solange sie einfach planschen kann. Sobald aber Anforderungen gestellt werden, wird es sehr, sehr schwierig.

Mit den „0 Fehltagen“ wie im letzten Schuljahr hat es diesmal nicht ganz geklappt. 3 Tage war Saskia krank – was zum Glück immer noch relativ wenig ist.

Lesekönig
38 Bücher also. Das finde ich gar nicht sooo viel. Allerdings hat sie die überwiegend (oder sogar ausschließlich?) im ersten Schulhalbjahr ausgeliehen – in den vergangenen Monaten dafür gar keine. Warum auch immer. Dazu kommen natürlich viele, viele Bücher (und in letzter Zeit auch viele CDs) aus unserer Stadtbücherei. Das Problem dabei ist: Saskia liest die Bücher ja gar nicht (selbst), sondern lässt (vor-)lesen. Da relativiert sich das mit dem „Lesekönig“ dann schon, finde ich. Wir arbeiten dran.

Holleri, dö dudl di

Zwischen all dem Chaos hier im und am Haus hatte ich Anfang des Jahres ja die Teilnahme an einem Square-Dance-Kurs (Plus-Level) gewonnen. Nach einem knappen halben Jahr ist dieser nun vorbei und wir haben unsere Jodeldiplome erhalten wurden graduiert. „Da hat man was eigenes“, würde Frau Hoppenstedt wohl sagen.😉

Jodeldiplom

Es hat Spaß gemacht, es war manchmal ganz schön anstrengend, weil es zwar nur ca. 35 neue Figuren sind (gegenüber den 74 auf dem Mainstream-Programm), diese aber ganz schön umfangreich sein können (wie zum Beispiel diese oder diesewenn man unter den bunten Figuren auf Play drückt, sieht man es auch in Bewegung).

Im Moment ist es erstmal gut, dass der Kurs vorbei ist und ich wieder einen belegten Abend pro Woche weniger habe. Da in unserem hiesigen Square-Dance-Club ja „nur“ Mainstream und kein Plus getanzt wird, muss ich nach den Sommerferien dann mal gucken, was es für Möglichkeiten gibt, die neuen Kenntnisse auch zu nutzen und nicht gleich wieder zu vergessen.

Huch, das ist ja ganz nackt!

Nacktes Haus

Heute früh, zwischen halb und dreiviertel 8 – Saskia und ich wollten gerade frühstücken, der beste Ehemann von allen war noch nicht aus dem Schlaflabor zurück – klingelte es und der Dachdecker-Chef stand vor der Tür. Wow. Damit konnte ja keiner rechnen. Nachdem das eigentliche Dach seit Ende Juni fertig war, fehlte ja noch eine Menge Kleinkram drumrum. Unter anderen die Metallkanten, die den Abschluss bilden. Für deren Herstellung sollten „etwa 3 bis 4 Tage“ ins Land gehen, dann sollten sie nach anderthalb Wochen vorigen Freitag angebracht werden und am Donnerstag hieß es, das Material käme erst am Freitag Mittag. Also wurden die Kanten am Montag montiert … na ja … die, die da waren, jedenfalls. Denn man hatte sich mal wieder vermessen (und ich frage mich mal wieder, wie das bei diesem rechteckigen Haus möglich ist) – wahrscheinlich liegt es daran, dass der Zollstock nur 2 Meter lang ist, vermutete jemand. Es hieß also wieder warten – bis heute.

Heute früh kamen sie also. Ich unterhielt mich kurz mit dem Chef, frühstückte dann schnell mit Saskia und brachte sie zum Bus. Auf dem Weg zur Straße begegnete mir der Dachdecker-Chef wieder und meinte, die Gerüstbauer seien auch gerade erschienen. Das kam nun komplett unerwartet, denn schließlich waren die Dachdecker ja noch gar nicht fertig. Mein letzter Stand war, dass das Gerüst am Montag abgebaut werden soll. Aber die Gerüstbauer scheinen eine eigene Zeitrechnung zu haben, denn auch beim Aufbau erschienen sie ja unerwartet am Freitag statt am Montag – da war das heute (10 Wochen später) ja nur konsequent.:/

Ich äußerte meine Bedenken und ließ sie machen. Sind ja alle erwachsen, was soll ich mich da einmischen?

Als ich am Nachmittag nach Hause kam, war das Haus also nackt. Sehr ungewohnter Anblick und man kann nun wieder in den Garten, ohne sich unter irgendwelchen Stangen durchbücken zu müssen. Nun müssen die Gerüsthaltelöcher noch verschlossen, die Dachrinne an den Gartenhäusern repariert, die Laterne ersetzt, und die Terrassenwand gedämmt werden. Ich habe mich dann erstmal ein Stündchen dem reichlich gewachsenen Unkraut gewidmet. Toll, wie das alles wuchert, wenn es (lau)warm und feucht ist und man wochenlang nirgends ran kommt.

Alles neu im neuen Schuljahr

Für die meisten Kinder in Saskias Alter beginnt mit der 5. Klasse ein neuer Lebensabschnitt, denn in den meisten Bundesländern beginnt mit Klasse 5 die weiterführende Schule in der es dann bis zum jeweiligen Abschluss weiter geht. Bei Förderschulen ist das System anders. Saskia kann bis zum Ende ihrer Schulzeit in ihrer Schule bleiben.

Vor einigen Wochen wurden wir zu einem Klassenfrühstück eingeladen, das auch dazu dienen sollte, die neuen Mitschüler kennen zu lernen. Nach den Sommerferien wird Saskias Klasse nämlich deutlich größer werden: zwei Mädchen und ein Junge kommen neu in die Klasse. Alle drei sind recht fit (auch wenn ein Mädchen im Rollstuhl sitzt) und besuchten bisher die jeweils zuständigen Grundschulen … und mit dem Ende der Grundschulzeit endet für sie nun auch die Zeit der Inklusion. Die Klassenstärke wächst damit auf 10. (Und vielleicht sind dann künftig tatsächlich mal mehr Kinder als Erwachsene in der Klasse – bisher war das meist nicht der Fall.)

Ich bin sehr gespannt, wie sich das künftig zurecht rütteln wird. Der Junge, der neu in die Klasse kommt, war im Frühjahr schon mal zwei Wochen zum Test da und stellte sich dem besten Ehemann von allen, der Saskia eines Nachmittags abholte, als „Saskias Freund“ vor. Nun gut.😉 Zumindest scheinen sie sich gut verstanden zu haben. Mit dem Mädchen im Rollstuhl hatten wir bisher wenig Kontakt, das andere Mädchen saß uns beim Frühstück gegenüber und versuchte, ein Gespräch mit Saskia zu beginnen, was erstmal misslang, da Saskia entweder gar nicht oder nur extrem leise antwortete. Irgendwann zogen sie aber gemeinsam (und zusätzlich mit den Jungs) los und machten den Schulhof unsicher. Das Mädchen stellte dann noch fest, dass sie und Saskia fast gleich lange Haare, und sehr ähnliche Haar- und Augenfarben haben und sicher noch ganz tolle Freundinnen würden. Etwas später gab es dann allerdings Tränen bei Saskia, weil dieses Mädchen mit Saskias Papa herum alberte.

Warten wir also mal ab, wie sich das entwickelt. Ein paar fitte Kinder können der Klasse auf jeden Fall nicht schaden, denke ich. Und wenn Saskia tatsächlich eine Freundin (oder überhaupt neue Freunde) fände, würde ich mich freuen. Bisher ist sie nämlich manchmal etwas zu sehr auf „ihren Freund“ (dem bisher einzigen Jungen ihrer Klasse, mit dem sie auf etwa gleichem geistigen Niveau ist) fixiert und das ist teilweise ganz schön anstrengend.

Eher am Rande erfuhren wir, dass die bisherige Klassenlehrerin im neuen Schuljahr eine neue erste Klasse übernehmen muss und Saskias Klasse eine neue Klassenlehrerin bekommt (die wir noch gar nicht kennen). Immerhin bleibt die Klassen-Erzieherin erhalten, aber gerade vor dem Hintergrund mit den neuen Schülern hätten wir Eltern uns das anders gewünscht. Andererseits sagen wir uns, der Direktor macht das wahrscheinlich nicht, um uns zu ärgern und ändern werden wir es leider nicht können.

Es wird also spannend im neuen Schuljahr – und das auch ganz ohne Schulwechsel.

Papa im Schlaflabor

Der beste Ehemann von allen verbringt diese Woche drei Nächte im Schlaflabor – in der Hoffnung, dass die Ärzte endlich die Ursache seiner Dauermüdigkeit finden und beheben können. Saskia haben wir das natürlich erklärt, aber als der Papa gestern Abend zur ersten Schlaflabor-Nacht das Haus verlassen wollte, war sie trotzdem ziemlich aufgeregt.

Einige Erklärungen später wollte sie ihm unbedingt noch ein Bild malen, dass er mitnehmen sollte.

Schlaflabor

Das Bild zeigt das Krankenhaus mit vielen Zimmer (bzw. Türen). In dem gelben Zimmer liegt der verkabelte Papa.

Das trifft es ganz gut, finde ich.

Erfreuliche Post

Vor ein paar Tagen erhielten wir Post von der KfW. Genauer gesagt: vom „Team Zuschuss“ der KfW. Unser Antrag für den Zuschuss zum ersten Bauabschnitt wurde bearbeitet und Mitte August gibt es Geld. Hurra!

Team_Zuschuss

Vom Antrag für den zweiten Bauabschnitt haben wir leider noch nichts gehört, was mir etwas Sorgen macht. Aber da es derzeit ohnehin schon wieder mal nicht voran geht, zieht sich das alles eh noch in die Länge. Ich hoffe, dass wir da wenigstens bis Ende September alles fertig haben (=Ende 3. Quartal) – und es natürlich vorher überhaupt genehmigt wird – so dass wir das Geld dann noch in diesem Jahr bekämen. (Als wir die Pläne machten, dachte ich noch, das schaffen wir locker bis Ende Juni. Nun ja.)